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3 - Nicht schlecht
"Man darf den Film nicht mit dem Buch gleichsetzen. Um ein 400 Seiten-Werk auf 100 Filmminuten zu komprimieren, muss man notwendigerweise Handlungsstränge kürzen, Personen rauslassen oder auf bestimmte Charakterzüge limitieren. Der Film sollte wie das Buch als eigenständiges Werk dastehen." Diese weisen Worte, im Interviewteil gesprochen von Koproduzent Oliver Berben, geraten zur Ehrenrettung dieses Films. "Elementarteilchen" angemessen zu verfilmen ist schließlich ein Anspruch, an dem man nur scheitern kann. Vom französischen Skandalbuch zum deutschen Unterhaltungsfilm – das Ergebnis ist zwangsweise das Ergebnis einer starken Transformation. (Ich betone die Nationalitäten deshalb, weil die extreme Darstellung von Sexualität und Geisteskrankheit eine ur-französische Sache ist, man denke an den Film „Baise-moi“ – oder eben Houellebecqs Romane selbst. Deutschen hingegen stehen Filme wie „7 Zwerge“ einfach besser. Meine Ansicht.)
Und so nimmt Regisseur und Autor Oskar Roehler den Roman auch komplett auseinander und konstruiert aus seinen Einzelteilen einen völlig neuen, kohärenten Ablauf, der mehrere Jahrzehnte auf ein paar Monate eindämpft. Das ist ihm auch sehr gut gelungen. Leider bleiben dabei so einige Aspekte gänzlich auf der Strecke:
Dass Houellebecqs spannende Auseinandersetzungen mit Huxley, Leary, der Quantenphysik, der Molekularbiologie oder der Hippie-Kultur nicht im Film unterzubringen sind, da kann man Roehler keinen Vorwurf machen. Auch die Gestaltung der Charaktere hält sich stark an der Romanvorlage – und bleibt doch immer mindestens einen Schritt dahinter zurück.
Moritz Bleibtreu als Bruno vermittelt durch verstärkten Tränendrüseneinsatz zwar die Verzweiflung seiner Figur. Die pochende innere Leere, die durch einen unstillbaren Sexhunger gefüllt werden will, vermittelt er hingegen nicht. Klar, hätte man hier den Roman umgesetzt, hätte Bleibtreu mehr Masturbations- und Sexszenen gehabt als Dialoge. Im Film zerbricht er am Selbstmord seiner letzten Liebe. Im Buch läuft sein Leben komplett ins Leere, nachdem ihm klar wird, dass damit die letzte Chance, überhaupt Liebe zu finden, verloren ist. Die Trauer hingegen spielt da keine große Rolle.
Christian Ulmen als Mich(a)el Dzjerdzinski degradiert den ebenfalls innerlich toten und in der realen Welt orientierungslosen Wissenschaftler zum liebenswert- unbeholfenen Nerd. Keine theoretischen Krisen, auch sein Forschungsthema, die Reproduktion des Menschen ohne Sexualität bleibt eine reine Requisite. Hier ist besonders viel vom theoretischen Sprengstoff des Buches drangegeben worden.
Franka Potente als Annabelle kommt besonders gut weg. Während Houellebecq für sie ihm Buch unheilbaren Gebärmutterkrebs und Suizid vorsieht, schenkt ihr Roehler ein Happy End mit ihrer Jugendliebe Michael. Dass die Gebärmutter nun futsch ist, ist im Film lediglich ein kleiner Wermutstropfen, macht ja auch nichts, der Mann ist ja Wissenschaftler, der kann uns ja alle klonen. Ihre Enttäuschung vom Leben ist ein Lippenbekenntnis, zudem sieht Potente einfach mal zu frisch und –wie auch Bleibtreu und Ulmen- zehn Jahre zu jung aus, gerade nach der Krebs-OP.
Am besten besetzt ist da noch Martina Gedeck als Brunos späte Geliebte Christiane, die als einzige aussieht, wie die Rolle, die sie spielt und die glaubwürdigste Figur des Films darstellt. Letztlich hat der Regisseur aus der Vorlage einen brav-netten Liebesfilm gemacht, der einen im Glauben an die Liebe zurücklässt, während Houellebecq eine weitaus düsterere Weltsicht offenbart, der einen am Sinn von wirklich Allem zweifeln lässt.
Als das, was es ist und sein soll, kann der Film durchaus überzeugen: ein guter, deutscher Unterhaltungsfilm mit hochwertiger Besetzung. Aber eben einer, der sich zu seiner Romanvorlage verhält wie Beck’s zu Absinth.
Hinzugefügt am 08.01.2007 um 15:15 Uhr
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