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0.5 - Null
Um es kurz zu machen: Als Kinofreund kann ich mich nicht entsinnen, jemals so tief enttäuscht aus dem Kino gekommen zu sein. Noch mehr: Ich fühle mich betrogen.
Warum?
Der Titel für diesen Film müsste heissen: "Der unfreie Wille".
Es geht mir nicht darum, dass das Thema nicht kontrovers diskutiert werden soll. Aber bei dem Titel bin ich mit einer diesem Titel entsprechende Erwartungshaltung ins Kino gegangen.
Ich habe an Kunst den Anspruch, über den Ist-Zustand hinausgeführt zu werden, Visionen zu erhalten, die Leben, ja Überleben ermöglichen. Dieser Kunstanspruch wird von dem Film nicht erfüllt. Er spiegelt ein Scheitern wieder, ohne einen Funken Hoffnung zu bringen. Der Film sagt aus: Es gibt keine Hoffnung, es gibt kein Entrinnen, es gibt keine Entwicklung, es gibt keinen Sinn.
Der Sinn, nämlich aus dem Erleben der eigenen (inneren) Konfliktwelt, durch inneren Kampf und Verstehen, warum ich so bin, wie ich bin, die Energie für die eigene Menschwerdung zu schlagen, ist für mich zugleich Lebenssinn. Diesem sicherlich hohen Anspruch wird der Film nicht im Ansatz gerecht.
Ich frage mich sogar nach dem Verantwortungsgefühl der Filmemacher. Ob diese sich mal überlegt haben, welche Wirkung der Film auf uns Menschen im Allgemeinen haben, Menschen, die alle in dieser oder jenen Art mit inneren Konflikten kämpfen, insbesondere solche Menschen, denen es genau wie Theo im Film ergeht? Ist denen klar, dass sie mit dem Credo ihres Filmes Letztgenannten direkt zum Suizid führen?
Diesen zutieft nihilistischen Film auf die Rechtssphäre unsere Gesellschaft projiziert, müsste zur Konsequenz haben, dass alle potenziellen "Theos" keine Chance erhalten dürfen/brauchen (denn es ist ja eh sinnlos), sie gehören weggesperrt oder exkutiert (zum Schutz der Gesellschaft wohlgemerkt). Gott sei gedankt, dass Kunstschaffende in der Vergangenheit ihren Beitrag geleistet haben, dass sich ein anderes Recht in unserer Gesellschaft entwickeln konnte.
Dennoch möchte ich zum Schluss meine Achtung vor der überzeugenden schauspielerischen Leistung der beiden Hauptdarspieler aussprechen.
Gerald Sporbert
Hinzugefügt am 25.10.2006 um 21:25 Uhr
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