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3.5 - Gut
…und Bond Nr.22 hätte zu einem der allerbesten der Reihe werden können. Die neue Härte, der gesteigerte Realismus und der Verzicht auf allzu verrückte Technik-Spielereien wurden schon durch Casino Royale vorgegeben und nunmehr konsequent von Forster fortgesetzt. Eine Generalüberholung, die überwiegend gut tut. Der Film gibt ein unglaubliches Tempo vor und ist der kürzeste Bond seit „Goldfinger“. Action und Optik sind mehr als genial, allerdings allzu deutlich bei der Bourne-Reihe abgekupfert (persönliches Highlight: Die perfekte Inszenierung der Schießerei während der Tosca-Vorführung).
Nochmehr als sein unmittelbarer Vorgänger wird die Figur des britischen Agenten vollständig neu erfunden, was unnötig ist. Der Qualität der neuen Machart wäre es ganz bestimmt nicht abträglich gewesen, wenn Bond zumindest einmal seinen legendären Vorstellungssatz oder seine Martini-Bestellung hätte aufsagen dürfen. Ironische Wortspielchen, schon bei Casino Royale auf ein Minimum reduziert, fehlen ganz. Bond ist ein wenig zu amerikanisch, zu cool, aber leider nicht mehr ganz so smart. Das Bond nicht mit Camille im Bett landet und die Nacht zwischen Craig und Arterton nur angedeutet wird, ist für jeden Fan eine Ohrfeige!
Auf der einen Seite ist es sehr erfreulich, dass Bond in der neuen Zeit angekommen ist: Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind verwischt; vorbei die Zeiten naiver Schwarz-Weißmalerei in Bezug auf die bösen Sowjets und die guten Briten. Außergewöhnlich kritische Ansätze zur unmoralischen Rohstoff-Politik westlicher Staaten – ein Novum in der Bond-Geschichte. Der MI-6 ist auch nicht mehr der edle Geheimdienst ihrer Majestät, sondern foltert seine (vermeintlichen) Gegner, um an Informationen zu gelangen. Das trägt zur Glaubwürdigkeit in diesem geradlinig inszenierten Actioner ungeheuer bei. Trotzdem fehlen einem einfach Moneypenny und „Q“. Dominic Almeric gibt den Bösewicht gekonnt, muss sich aber in der Bondhistorie einer ganzen Reihe von Bond-Widersachern geschlagen geben, darunter auch Mikkelsen.
Ein Quantum Trost ist waschechter Bond, bewegt sich aber schon gefährlich nahe an der Grenze zum gewöhnlichen Actioner. So langsam ist es an der Zeit, dass dem Zuschauer aufgezeigt wird, wer hinter der Organisation „Quantum“ steckt und was sie verfolgt, sonst wird es langweilig. Vespers Kette wirft Bond am Ende in den Schnee – kann man nur hoffen, dass die Geschichte nicht auch noch den nächsten Teil dominiert.
Von vielen Bond-Fans wird leider verkannt, dass der neue JB vor den alten Teilen und vor allem vor der Romanvorlage den Hut zieht. Beispiel: Die mit Rohöl übergossene, getötete Gespielin von Bond – eine klare Anspielung auf Goldfinger (heute ist Öl nun mal bedeutender als Gold). „Quantum“ scheint insofern auch der legitime Nachfolger von S.P.E.C.T.R.E. zu sein, auch wenn man noch nicht allzu viel über diese ominöse Organisation weiß. Der Film ist also absolut sehenswert und einer Reihe anderer Bonds, z.B. Moonraker, Octopussy oder Stirb an einem anderen Tag ganz klar überlegen. Was fehlt, ist das richtige Gespür, Moderne und Tradition in ein vernünftiges Verhältnis zu setzen, Härte und Stil miteinander zu verbinden, ohne dass der Streifen ambivalent wirkt. Für mich ein Grund, weshalb man unbedingt Tarantino fragen sollte!
Hinzugefügt am 02.04.2010 um 17:49 Uhr
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