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0.5 - Null
„Mein Führer“ von Dani Levy
Eine Kritik
Selten war ich so enttäuscht von einem Film wie von Dani Levys „Mein Führer“. Dabei geht es nicht um die Frage, wie man sich dem Thema nähert - ich finde es absolut legitim, die Nazis, wo immer es geht, lächerlich zu machen. Ernst Lubitsch und Charlie Chaplin haben das brillant vorgemacht (und die eigentliche Tragik ist doch die, dass die dem Gehabe des Gröfaz und seiner Bande immanente unfreiwillige Komik von einem ganzen Volk nicht wahrgenommen wurde).
Wenn jemand aber eine Komödie macht (und als solche wurde der Film ja konzipiert und verkauft) und sich dann nicht traut, komisch zu sein - das ist ärgerlich. Wenn wenigstens eine veritable Tragikomödie dabei herausgekommen wäre - aber auch dazu hat es nicht gereicht (auch Lubitsch und Chaplin haben die Bösartigkeit der Nazis nicht ausgeklammert, ohne dass die Komik auf der Strecke blieb - eher im Gegenteil).
Schon der Anfang, das vorweggenommene Ende mit dem Gesicht des Protagonisten, dem das Blut übers Gesicht läuft, lässt nichts Gutes erahnen - und so kommt es dann auch. Das ist am allerwenigsten Helge Schneiders Schuld. Wenn man mit irgendjemandem mitleidet, dann mit ihm: ein genuiner Komiker, der keinen Ansatz, keinen Raum findet, komisch zu sein (Komiker ohne Raum, der Scherz sei mir gestattet). Helge Schneider ist sozusagen ein Versprechen, das nicht gehalten wird. Bei allem Lob für seine schauspielerische Disziplin: In „Der Untergang“ konnte man sich wenigstens über die von Bruno Ganz auf den Punkt gebrachte Ambivalenz der unfreiwilligen Komik und der zerstörerischen Größenwahns des Gröfaz freuen. Obwohl man diesem Aspekt sicherlich noch einige Komik hätte abgewinnen können - und gerade bei dem spontan-anarchischen Potenzial eines Helge Schneider - verzichtet Dani Levy unverständlicherweise darauf. Zwei Szenen sind mir im Gedächtnis geblieben, die das besonders deutlich machen: Die private Filmvorführung, bei der Hitler seiner Eva Braun „Phantom-der-Oper“-mäßig ein Liebeslied vororgelt, und der Versuch von Frau Grünbaum, Hitler mit dem Kissen zu ersticken, nachdem sie ihn ins Bett zwischen sich und ihren Mann gelockt hat. Zwei Szenen, bei denen man wehmütig denkt: Was hätte ein Lubitsch, ein Chaplin daraus gemacht…
Auch den anderen Darstellern gelingt es kaum, ihre Figuren feinzuzeichnen: Selbst Ulrich Mühe als Jude Adolf Grünbaum, der es immerhin schafft auszusehen wie eine Mischung aus Mahatma Gandhi und Carl von Ossietzky, bleibt seltsam blaß und undurchschaubar; das Wohl seiner Familie macht auch er als Motiv nicht wirklich tragfähig. Dazu agiert eine Riege erstklassiger Schauspieler, die nicht viel mehr zu tun hat als den rechten Arm hochzureißen und „Heil Hitler“ zu brüllen (ich denke hier vor allem an den sonst so hervorragenden Lambert Hamel: ein Mann, der das seriöse Fach ebenso beherrscht wie komische Rollen).
Und wenn Levy dann noch auf Chaplinsche Einfälle zurückgreift (die humanistische Rede zum Schluß, die nicht der echte Diktator, sondern sein „Ghostspeaker“ hält), dann ist es schon völlig unverständlich und unverzeihlich, wie halbherzig und unentschlossen er hier zu Werke geht. Damit wären wir bei dem grundsätzlichen Dilemma des Werkes: Es wurde ja auf einer (erfundenen) Geschichte aufgebaut, die einiges an komischem Potential aufzuweisen hat. Denn gute Komik, das weiß jeder halbwegs talentierte Sitcom-Autor, entsteht aus Konflikten. Um die Naziherrschaft (nur) als Zeit des Leidens darzustellen, hätte es eines solchen Konstruktes nicht bedurft. Und so kann ich Helge Schneiders Urteil über den Film nur zustimmen: „Tut mir leid, ich find den eben nicht so lustig“. Eher langweilig. Und man darf ja auf dem Theater wie im Film bekanntlich alles, nur nicht langweilen.
©Gerrit Gätjens
Hinzugefügt am 11.11.2007 um 21:50 Uhr
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