Jason Bourne
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4 - Sehr gut
David Cronenberg wird sicher nie ein normaler Regisseur werden. Auch wenn sich sein letzter Film also ziemlich am Mainstream orientiert und sich ''Tödliche Versprechen'' ebenso stark an diesen angeglichen hat, bleibt Cronenberg in der Gesamtwirkung seiner Linie lobenswerterweise treu. Auf diese Weise entwickelt der kanadische Ausnahmeregisseur einen spannenden Mafiathriller mit ungemein stimmiger Athmosphäre.
Als die 14-jährige hochschwangere Tatjana bei der Hebamme Anna eingeliefert wird, ist es für diese schon zu spät. Sie stirbt. Nur ihre Tochter kann überleben. Jedoch findet Anna bei der Toten ein Tagebuch in russicher Sprache, weswegen sie es sich an sich nimmt. Nachdem sie im Folgenden eine Visitenkarte eines russichen Restaurants darin entdeckt, beschließt Anna, dessen Besitzer Semjon anzurufen, der aber, was ihr nicht bekannt ist, als Oberhaupt der Mafia ''Die im Gesetz'' fungiert. Semjon weiß, dass Tatjana das Opfer der üblen Machenschaften seiner Leute geworden war und will mit allen Mitteln verhindern, dass Anna an diese Informationen kommt...
David Cronenberg entspinnt vor den Augen des Zuschauers einen Kosmos aus seltsamem Ehren- und Vertrauenskodex in Verbindung mit Prostitution und brutalster Gewalt auf seiten der Wory w Sakone, den er zugleich mit der bürgerlichen Existenz der Protagonistin Anna kontrastiert. Gekonnt entwickelt er die verschiedenen Perspektiven auf die angespannte Situation, sodass die unterschiedlichen Charaktere in ruhigem Erzählfluss erläutert werden. Dies lässt nicht nur den Schauspielern genügend Raum, um ihre Figuren authentisch und differenziert darzustellen, sondern vertieft zugleich die Athmosphäre. Dadurch wird die brutale Welt mit ihren Akteuren Semjon, Nikolai und Kirill unmittelbar greifbar. Dabei sticht insbesondere die Subtilität der Figurenzeichnung hervor. So erscheint Semjon an der Oberfläche zwar als netter, ruhiger Mann mit großen Verantwortungsbewusstsein und Sinn für Familie und Freunde, der ein Fan klassisch russischer Athmosphäre bleibt. Doch hinter dieser Fassade offenbart sich dessen perverser Charakter, der auch vor üblem Betrug und brutalster Vergewaltigung nicht zurückschreckt. Armin Müller-Stahl weiß beide Seiten seiner Figur hervorragend zu zeichnen. Vincent Cassel erscheint nicht ganz so stark, aber auch er gewinnt seinem vermeintlich toughen, aber eigentlich recht unsicherem sowie unterwürfigem Kirill viele Facetten ab.
Die eigentliche Offenbarung, so wurde schon viel angemerkt, stellt aber Viggo Mortensen als geheimnisvoller Nikolai dar. Und in der Tat spielt er mit unglaublicher Präzision seinen hintergründigen Charakter, der immer tiefer in die Welt aus Krmininalität und Drogen hineingezogen wird.
Allerdings driftet ''Tödliche Versprechen'' nach seinem starken Beginn von etwa einer Dreiviertelstunde ab und greift einen zuvor nur ganz kurz angesprochenen Handlungsstrang oder, besser gesagt, eine Handlungsfaser auf, die der Film nun ausbaut und ungeschickt in die eigentliche Gescihchte einbettet, sodass der Schwerpunkt unvermittelt komplett wechselt. Die darauf folgende Wendung wirft dann unglücklicherweise mehr Fragen auf als beantwortet werden können, SPOILER da Nikolais Handlungen in einem völlig neuen Licht erscheinen und foglich auch anders zu hinterfragen sind. Meiner Meinung nach zerstört die Tatsache, dass Nikolai ein Cop ist, den Charakter, da das zuvor sorgsam gemalte Porträt eines immer krimineller werdenden Menschen, der die eigenen Handlungen mit seinen Grundsätzen hinterfragen muss, um noch verantwortungsvoll zu handeln. Eben diese beiden dramaturgischen Unfeinheiten – der thematische Sprung und die ungeschickte Wendung – nehmen dem Film seine Glaubwürdigkeit zwar nicht, sie schmälern das brillante Bild des Anfangs dennoch extrem.
Nichts desto weniger glänzt der Mafiathriller mit seiner ausgezeichnet präzise ausgearbeiteten Athmosphäre, die von der hervorragenden Soundtrack seitens Howard Shores getragen wird. Seine violinenlastige Musik schafft sehr emotionale Momente, die die Dramatik und Bitterkeit der Geschichte hervorheben.
FAZIT: Obwohl sich ''Tödliche Versprechen'' nach dem starken Beginn in dramaturgische Unreinheiten verstrickt und damit den Plot zerstört, darf der athmosphärische Mafiathriller dank authentischer Charaktere und starker Schauspieler als gelungen gelten.
Hinzugefügt am 19.03.2010 um 16:30 Uhr
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