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Born 2 Die
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Born 2 Die
Von Jürgen Armbruster
Was ist eigentlich ein „RTL-Film“? Jene Frage stellte sich mir auch, als einer der hiesigen Kinobetreiber in einem Vieraugengespräch abfällig diesen Begriff fallen lies. Nun, „RTL“ steht in diesem Fall für „Rammeln-Töten-Lallen“, was ein Running Gag unter den Kinobesitzern ist und ein ironischer Seitenhieb auf die zunehmende Einfallslosigkeit der Branche. Bei Andrzej Bartkowiaks „Born 2 Die“ handelt es sich definitiv um einen jener berüchtigten „RTL-Filme“.

Bartkowiak erschuf mit „Romeo Must Die“ vor knapp drei Jahren ein recht primitives, aber umso erfolgreicheres Filmkonzept. Man nehme einen Martial-Arts-erprobten Action-Mimen, stelle ihm ein bekanntes Gesicht aus der HipHop-Szene zur Seite, der obendrein zugleich einen Großteil des Soundtracks (OST-Kritik hier:) mitbringt, garniere das Ganze mit einer Storyline, die nur darauf ausgelegt ist, die beiden von einer prekären Situation in die Nächste zu bugsieren und fertig ist der potenzielle Kassenschlager. Das US-Einspielergebnis von über 55 Mio. Dollar gab Bartkowiak recht, sodass er ein knappes Jahr später bereits „Exit Wounds“ nachlegen durfte. Geändert hatte sich nicht viel. Aus Jet Li wurde Steven Seagal, aus der verstorbenen Aaliyah DMX, es krachte immer noch an allen Ecken und Kanten und wieder wurde die 50 Mio.-Marke geknackt. Es folgt, was kommen musste, denn was zweimal funktioniert, klappt bestimmt auch noch ein drittes Mal. Bartkowiak hielt sich bei der Zusammenstellung seines Casts wohl streng an die Maxime „Never change a winning team“ und holte sich nicht nur erneut Jet Li und DMX an Bord, sondern auch so ziemlich jeden, der an einem seiner bisherigen Erfolgsfilmen mitwirkte.

Die Story ist auch diesmal wieder kaum der Rede wert. Profigauner Fait (DMX) erbeutet gemeinsam mit seinem Teamkameraden Tommy (Anthony Anderson), Daria (Gabrielle Union) und Miles (Drag-On) bei einem Bankeinbruch einen Beutel voller schwarzer Edelsteine. Doch leider haben sie sich damit den schleimigen Ling (Mark Dacascos, „Pakt der Wölfe") zum Gegner gemacht. Dieser zögert nicht lang und entführt kurzerhand Faits Tochter Vanessa (Paige Hurd), um sie gegen die Steine auszutauschen. Faits Dealer Archie (Tom Arnold) hat sich diese zwischenzeitlich allerdings von den Mitgliedern einer anderen Gang abnehmen lassen. Als dann auch noch der taiwanesische Geheimdienstagent Su (Jet Li) auftaucht, wird klar, dass es sich nicht nur um einen einfachen Juwelenraub handelt, sondern um etwas viel Größeres.

So primitiv wie die Story ist, so klischeebeladen sind die einzelnen Charaktere: Der moralische Gauner Fait, sein treuer Gefährte Miles, das heiße Quoten-Girlie Daria, die Labertasche Tommy, der für die Oneliner zuständige Chaot Archie, der mysteriöse Su und der fiese Oberbösewicht Ling. Von der ersten Minute an ist klar, wer hier wofür zuständig ist. Doch Bartkowiak ist eben Bartkowiak, was soviel heißt, dass originelle Charaktere und eine faszinierende Hintergrundgeschichte nicht zu erwarten waren, sondern knallharte Action. Und in dieser Hinsicht hat „Born 2 Die“ einiges zu bieten. Herausragend sind vor allem zwei Szenen: Faits Flucht vor der Polizei auf einem Quad und Sus Kampf in einem Käfig gegen eine Überzahl an mit Testosteron voll gepumpten Straßenkämpfern bei einem illegal veranstalteten, modernen Gladiatorenkampf. Die Actioneinlagen sind solide bis stark in Szene gesetzt und durch harte Gitarrenriffs und packende HipHop-Beats musikalisch untermalt. Hin und wieder verfällt Bartkowiak allerdings in eine Selbstbeweihräucherung, die einen faden Beigeschmack hinterlässt. Der finale Showdown zwischen Su und Ling in einem Feuerring (!!!) wird selbst die größten Actionfans laut auflachen lassen. Der große Vorwurf, den sich der Regisseur gefallen lassen muss, ist, dass „Born 2 Die“ mit keiner wirklich neuen Idee überzeugen kann. So kommt trotz der grundsoliden technischen und choreographischen Umsetzung permanent das Gefühl auf, alles schon mal gesehen zu haben. Ein Problem, mit dem derzeit viele Filme zu kämpfen haben.

Schauspielerisch kann sich weder einer der Darsteller sonderlich auszeichnen, noch fällt einer übermäßig ab. Jet Lis limitierte Fähigkeiten in Sachen Mimik kommen hin und wieder zum Vorschein, doch da sich seine Dialoge in Grenzen halten und er den Großteil des Films in einer horizontalen Position in zwei Metern Höhe verbringt, fällt dieses Manko nicht weiter auf. Auftritte von Musikgrößen im Filmbusiness endeten häufig in einem Desaster. DMX schlägt sich allerdings recht wacker. Er kommt zwar zu keiner Zeit an die Klasse eines Eminem in „8 Mile" heran, blamiert sich jedoch auch nicht bis auf die Knochen wie Frau Carey in „Glitter“. Er spielt, was von ihm verlangt wurde, nicht mehr, nicht weniger. Immerhin ist ihm eine gewisse Leinwandpräsenz zu keinem Zeitpunkt abzusprechen, und das zählt in einem Film dieses Genres. Aus der grauen Masse hervorheben kann sich allenfalls Tom Arnold, dessen knackige Oneliner für die Lacher in „Born 2 Die“ sorgen. Für das größte Manko sorgen jedoch nicht die Darsteller, sondern die deutsche Synchronisation. Die deutsche Softie-Stimme von DMX ist beschämend und unfreiwillig komisch. Hier wurde derselbe Sprecher gewählt, der bereits DMX’ Auftritt in „White Lines“ synchronisierte. Zwar wird dadurch ein gewisser Wiedererkennungswert garantiert, allerdings hätte es den Verantwortlichen wohl keiner übel genommen, wenn sie beispielsweise den Sprecher gewählt hätten, der DMX’ Nebenrolle in „Romeo Must Die“ übersetzte. „Born 2 Die“ ist mal wieder ein klassisches Beispiel dafür, dass durch eine schlechte deutsche Synchronisation ein Großteil der aufgebauten Stimmung mit einem Schlag dahin sein kann. Hier haben die Verantwortlich schlicht und einfach schlecht gecastet und geschludert.

„Born 2 Die“ plätschert über weite Strecken dahin, ohne richtig zu fesseln oder zu enttäuschen. Hin und wieder springt der Funke zum Publikum über, was jedoch durch einen der oben erwähnten Fauxpas gleich wieder zunichte gemacht wird. Das Prinzip des HipHop-Action-Films bedarf dringend einer Blutauffrischung. Sicherlich wird auch „Born 2 Die“ wieder solide Besucherzahlen einfahren, allerdings ist deutlich zu erkennen, dass Bartkowiak sich mittlerweile nur noch selbst kopiert. Eine Tatsache, die auch ihm nicht verborgen blieb. Die beste Szene des Films ist die selbstironische Schluss-Sequenz während des Abspanns, in der Archie und Tommy über eine filmische Umsetzung ihres Abenteuers diskutieren und zu einem Ergebnis kommen, das man nur untersteichen kann: „Hollywood eben…“
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