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    Ford Fairlane
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Ford Fairlane
    Von Robert Cherkowski

    Was haben amerikanische Komiker, was ihren deutschen Kollegen fehlt? Die Antwort ist denkbar einfach. Sie sind nicht nur witzig, sie besitzen auch einen Wagemut, das Publikum zu fordern und mit neuen Konzepten zu irritieren. Ein Komiker, der solch formale Kühnheit bewiesen hat, war in den Achtzigern Andrew Dice Clay, der die Bühnen der Staaten mit seinem Alter Ego unsicher machte. Als „Diceman" schlüpfte der Jude Clay in die Rolle eines aufgepumpten, strunzdummen italienischen Prolls aus Brooklyn, der sein Publikum mit sexistischen, rassistischen und homophoben Gehässigkeiten und vulgären Kinderreimen unterhielt und manchmal auch bis zur Weißglut reizte. Stets war dabei ein doppelter Boden und ein perfides Spiel mit der Belastbarkeit und dem Moralgefühl der Zuschauer im Gange. Das Publikum musste sich stets fragen: Meinte er das alles ernst? Ist er wirklich so ein Widerling? Warum sieht man sich das an? Die Kunst Clays lag darin, dass er seine Schocklacher niemals als solche preisgab und sich nie von seiner Bühnenpersona distanzierte. Trotz großem Gegenwind füllten Clays Programme ganze Stadien. Natürlich wollte da bald auch Hollywood sein Stück vom Kuchen abhaben. So kam es, dass der damalige Newcomer Renny Harlin („Stirb langsam 2") mit der Regie des Clay-Vehikels „Ford Fairlane - Rock'n'Roll Detective" bedacht wurde. Leider war der Hype um Clay zu diesem Zeitpunkt bereits wieder am Abklingen und Harlins schräge Sause fiel bei Kritik und Publikum durch. Teilweise zu Recht. Teilweise zu Unrecht.

    Der selbstverliebte Aufschneider Ford Fairlane (Andrew Dice Clay) treibt als selbsternannter Rock'n'Roll-Detective sein Unwesen in der Musikszene von Los Angeles. Er kennt die Stars. Die Stars kennen ihn und wann immer es nötig ist, nehmen sie seine Dienste in Anspruch. Egal ob unheimliche Stalker, zudringliche Groupies, Erpressungen oder was gerade ansteht: Fairlane nimmt sich der Sache an und lässt keine Gelegenheit aus, sich dabei selbst zu feiern. Als der Radio-DJ Johnny Crunch (Gilbert Gottfried) ihn beauftragt, das tumbe Groupie Zuzu (Maddie Corman) ausfindig zu machen, schlittert er jedoch mitten in eine Verschwörung hinein, die schon den Rockstar Bobby Black (Vince Neil) das Leben kostete. Wenig später wird auch Crunch ermordet und der Fall persönlich. Während ihm die durchtriebene Femme Fatale Colleen (Priscilla Presley) den Kopf verdreht und die Hose verengt, müssen sich Ford und seine süße Assistentin Jazz (Lauren Holly) bald diverser Mordanschläge des verrückten Killers Smiley (Robert Englund) erwehren. Was hat es mit den Morden auf sich und wer will dem Rock'n'Roll-Detective ans Leder?

    Das Timing der Produktion von „Ford Fairlane" war schlecht. So hell Clays Stern für kurze Zeit auch schien, so schnell verblasste er auch wieder. Seine Auftritte waren schlicht zu derb für die politische Korrektheit der frühen Neunziger, in der keimfreie, familiengerechte Unterhaltung hoch im Kurs stand. So wurde Clay unter anderem von MTV mit einem lebenslangen Auftrittsverbot bedacht und viele Kinos weigerten sich, „Ford Fairlane" überhaupt ins Programm zu nehmen. Dabei hätte diese Vorsicht gar nicht sein müssen, denn wirklich aufdrehen kann der Diceman im Film gar nicht. Es scheint eher so, als wäre das Krimi-Korsett ein wenig zu eng für die Konzept-Komik Clays. Oder Regisseur Renny Harlin und Produzent Joel Silver („Lethal Weapon") haben plötzlich Angst vor der eigenen Courage bekommen. So recht will sich der konfrontative Biss seiner Bühnenprogramme jedenfalls nicht einstellen. Wer je Clays orgiastische zweistündige Publikumsbeschimpfung „The Day the Laughter dies" gehört hat, der wird sich wundern, wie vergleichsweise harmlos der Film ausfällt. Das heißt jedoch nicht, dass das Niveau nicht trotzdem ziemlich tief liegt. Die Gags oberhalb der Gürtellinie lassen sich an einer Hand abzählen, selbst wenn diese nur drei Finger hat. Dazu gesellt sich ein Cast, der sich wie das Who-is-Who amerikanischer Trash-Promis der späten 80er liest. Neben Radau-Komiker Gilbert Gottfried tummeln sich „Al Bundy" Ed O'Neill als schmieriger Bulle, Botox-Legende Priscilla Presley, Robert „Freddy Kruger" Englund und Hairspray-Rocker Vince Neill in den Kulissen. Auf Oscars hatte man es offensichtlich nicht abgesehen.

    „Ford Fairlane" ist ein Film, den man lieben oder hassen kann. Als er in die Kinos kam, entschieden sich die meisten eher für letzteres. In seinem Erscheinungsjahr hat Harlins Werk gleich drei Goldene Himbeeren (der Anti-Oscar) in den Kategorien Darsteller, Drehbuch und Film eingeheimst. Mehr als 20 Jahre später kommt man heute zudem nicht umhin zu bemerken, dass der Film nicht unbedingt gut gealtert ist. Alles in allem war die gesamte Produktion schon eine ziemlich dumme Idee, die alle Beteiligten wohl gern rückgängig gemacht hätten. Und dennoch: Auf eine kranke und reichlich sinnlose Art macht der Film Spaß. Mit Phantasie und Leichtfüßigkeit hat Harlin einige hysterische Actionszenen runtergekurbelt, die sich perfekt in das prollige Gesamtkonzept einfinden. Wirr und planlos torkelt der Film von der Bad-Taste-Klamotte zum hochbudgetierten und handfesten Action-Exzess, bei dem einiges in die Luft gejagt und einiges an Geld verbrannt wurde. Explosionen, Verfolgungsjagden und blutige Shoot-Outs wechseln sich hier mit obszönen Witzen ab - so müssen Kultfilme des schlechten Geschmacks aussehen.

    Fazit: Filmkritiker-Legende Roger Ebert beschrieb „Ford Fairlane" als „laut, hässlich und verdorben". Ein schöneres Kompliment hätte er dem Film kaum machen können.

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