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    Total verknallt in Tad Hamilton
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Total verknallt in Tad Hamilton
    Von Christoph Petersen
    Das Prinzessinnen-Märchen vom unschuldigen Mädchen, das von ihrem strahlenden Prinzen errettet wird, hat Hollywood mittlerweile ausgelutscht wie sonst was. Mit der romantischen Komödie „Total verknallt in Tad Hamilton“, die für ihren Regisseur zwischen seinen beiden finanziellen Erfolgen Natürlich blond und Das Schwiegermonster mit einem US-Einspiel von knapp 17 Millionen Dollar und gerade einmal 78 Kinobesuchern in Deutschland einen mittelschweren Flop bedeutete, beleuchtet Robert Luketic dieses Thema aus der genau entgegengesetzten Perspektive. Hier sucht nämlich der unerreichbare Hollywood-Star und begehrte Multimillionär Hilfe bei einem einfachen Mädchen, das im Supermarkt an der Kasse arbeitet. Eine Variante, die für das Betreten frischer Pfade und das Einbringen neuer Ideen geradezu prädestiniert scheint. Doch irgendwie kommt der Film trotz toller Darsteller über den Status einer durchschnittlichen Romanze nur in den seltensten Szenen hinaus. Was den Humor angeht, lässt er sogar den Großteil seines durchaus vorhandenen Potentials aufs Sträflichste ungenutzt. Pure Mittelmäßigkeit, die bei den viel versprechenden Voraussetzungen des Projekts schlicht nicht hätte sein müssen.

    Tad Hamilton (Josh Duhamel), Hollywoods angesagtester Filmstar, hat mit schwerwiegenden Imageproblemen zu kämpfen - auf der Leinwand stets der grundmoralische Held, gibt er im Privatleben regelmäßig den saufenden Übermacho. Deshalb kommen seine Berater auf die Idee, bei einem karikativen Lotteriespiel ein Date mit Tad zu verlosen. Gewinnerin ist die herzensgute, unbedarfte Schönheit vom Lande, Rosalee Futch (Kate Bosworth), für die ihr Kurztrip nach LA eine Reise in eine unbekannte Welt bedeutet. Trotzdem widersteht Rosalee den Bettgelüsten ihres Lieblingsstars und reist nach einem wunderschönen Abend lediglich mit einem Kuss zurück nach West Virginia. Für Tad ist die Sache damit jedoch noch nicht vorbei, für ihn war der charmante Korb eine ganz neue Erfahrung, mit Roslees Hilfe will er seine Prioritäten überdenken und seine Seele reinigen – also fliegt er ihr kurzerhand hinterher. Rosalees Heimatdorf flippt angesichts des unerwarteten Starbesuchs komplett aus und auch sie selbst fühlt sich geschmeichelt. Nur Rosalees bester Freund Pete (Topher Grace), der schon seit Ewigkeiten heimlich in sie verliebt ist, traut dem Braten nicht so recht. Ist Hollywoods Bad Boy wirklich geläutert, oder wird Rosalee nur als ein weiteres gebrochenes Herz auf einer langen, langen Liste von belanglosen Affären enden…

    Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Leider gibt einem „Total verknallt in Tad Hamilton“ in vielen Momenten nicht einmal hierzu die Chance, weil er die Gags nicht etwa versemmelt, sondern stattdessen komplett auf sie zu verzichten scheint. Hollywoods Superstar Nr. 1 in einer verschlafenen Kleinstadt in West Virginia, der eifersüchtig heimliche Verehrer versucht die Dates seiner wahren Liebe mit allen Mitteln zu sabotieren und ein grundmoralisches Kleinstadtmädel erkundet den Sündenpfuhl LA – komödiantisches Potential wohin man schaut und trotzdem bleiben die Mundwinkel des Zuschauers die meiste Zeit über unbenutzt unten hängen. Petes Sabotage-Bemühungen enden nach einem einzigen Anruf bei der Polizei, mit dem er die beiden Turteltäubchen „verpetzt“, die unerlaubt an der Lover´s Lane parken – ein wenig mehr Kreativität und Mut zum Absurden hätte hier bitter nötig getan. Wenn Rosalee zum ersten Mal durch LA fährt, sieht sie Hunde, die in Kinderwagen liegen, und Kinder, die an der Leine ausgeführt werden, damit ist das Thema Culture Clash dann aber auch schon weitestgehend abgehakt – ein klarer Fall von Mehr wäre mal wieder mehr gewesen. Und dass Tads Berater Richard Levy („Will & Grace“-Sidekick Sean Hayes) und noch mal Richard Levy (Nathan Lane, The Producers) ein wenig geldgeilen Zynismus versprühen und der Star sich im Gespräch mit Rosalee über die Gesichtsmuskelprobleme beim Dauerlächeln austauscht, ist zwar ein amüsanter Anfang, aber bei weitem nicht genug – gerade in Sachen Selbstironie wäre hier ganz erheblich mehr drin gewesen.

    So ärgert man sich zwar oft über das ausgelassene Humorpotential, aber langweilig wird einem bei dem Film dann überraschenderweise auch wieder nicht. Die verworrene Dreiecksromanze zwischen Tad, Pete und Rosalee vermag nämlich trotz akutem Witzmangel durchaus zu überzeugen, was in erster Linie wohl an den teilweise weit über dem Genredurchschnitt agierenden Darstellern liegen dürfte. Nur Ex-Model Josh Duhamel (Transformers kommt als Hollywood-Schönling mit einer soliden Leistung aus, die späteren Comic-Stars Kate Bosworth (Superman Returns) und Topher Grace (Spider-Man 3) spielen hingegen in einer ganz anderen Liga. Bosworth bewies hier schon früh in ihrer Karriere, dass sie erheblich mehr als nur die Ex-Freundin von „Herr der Ringe"- und Fluch der Karibik-Star Orlando Bloom ist, auch selbst darstellerisch eine ganze Menge drauf hat. Im Gegensatz zu den meisten anderen weiblichen Hauptrollen in romantischen Komödien, die in aller Regel nun einmal recht eindimensional geraten, spielt sie das naive Blondchen nämlich mit einer ganz eigenen Art von subtilem Charme, der den Zuschauer bis zum Schluss an der Offensichtlichkeit ihrer Rolle zweifeln lässt. Und Topher Grace, den US-Kritiker spätestens nach seinem Erfolg mit Reine Chefsache als kommenden Superstar ausgemacht haben, gelingt der schwierige Spagat zwischen eifersüchtigem Zyniker und sympathischem Helden scheinbar spielend.

    „Total verknallt in Tad Hamilton“ ist eine romantische Komödie, deren romantische Ader dank der guten Darsteller zwar glaubhaft rüberkommt, deren Humor allerdings in viel versprechenden, aber wenig haltenden Ansätzen stecken bleibt.
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