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    New Police Story
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    New Police Story
    Von Björn Helbig
    Lange Zeit war Jackie Chan seiner Heimat Hongkong ferngeblieben. Im Kontrast zu seinen komödiantischen Eskapaden präsentiert er sich nun in einer ungewohnt harten „New Police Story“ als abgewrackter Cop. Obwohl Chan als Charakterdarsteller nicht überzeugen kann, hat sein neuer Film dennoch gute Chancen, ein paar alte Fans zurück und ein paar neue hinzuzugewinnen.

    Seit Inspektor Wing (Jackie Chan) vor einem Jahr mit seiner Mannschaft in einen Hinterhalt gelockt wurde - dessen einziger Überlebender er war - plagen ihn Schuldgefühle, die er in Alkohol zu ertränken versucht. Denn auch der Bruder seiner Freundin Ho Yee (Charlie Yeung) kam bei dem Massaker ums Leben. Erst sein vermeintlich neuer Partner Frank (Nicolas Tse) schafft es nach und nach, den abgehalfterten Wing aus seiner Depression zu befreien. Gemeinsam kommen sie einer Extremsport- und Computerspielgang auf die Schliche, die für den Vorfall, bei dem Wing seine Leute verlor, verantwortlich ist. Doch damit geraten nicht nur er und sein Partner in Lebensgefahr, sondern ebenso Ho Yee, die nun auch zur Zielscheibe wird.

    Nachdem Jackie Chan in den amerikanischen Produktionen der vergangenen Jahre zunächst sehr („Rush Hour“, „Rush Hour 2“) und dann weniger („Shanghai Knights“ u. a.) erfolgreich war, kehrt er mit „New Police Story“ nach Hongkong zurück. Fast könne man sagen, er besinne sich auf seine Wurzeln, wenn nicht der nunmehr fünfte Teil der lose zusammenhängenden Police-Story-Reihe auch für Jackie Chan etwas Neues bedeuten würde – und vielleicht eine Zäsur in seinem bisherigen Schaffen darstellt? Denn „New Police Story“ ist ein ungewöhnlich ernster Jackie-Chan-Film, indem dieser die Rolle des ewigen Clowns weitestgehend aufgibt und sich anstelle dessen an einer Charakterrolle versucht. Die Idee des herunter und in die Jahre gekommenen Cops (der sich dann aber wieder aufrappelt und bewähren muss) ist zwar nicht gerade neu – vielleicht eher eine der ältesten Grundmotive des Kriminalgenres überhaupt – und Jackie Chan schafft es mehr schlecht als recht, seinen Charakter glaubwürdig darzustellen. Doch verglichen mit seinen älteren Filmen, die meistens außer großartiger Akrobatik nichts zu bieten hatten, ist dieser Versuch von Schauspielerei beinahe eine Wonne!

    Doch geht man ja nicht in einen Jackie-Chan-Film, um diesen schauspielern zu sehen. Die interessante Frage ist demnach: Wie sieht es mit den Stunts, wie mit der Action und der Choreographie der Kämpfe aus? Antwort: Eigentlich alles beim Alten mit der Einschränkung, dass die unterschwellige gute Laune und die klamaukigen Einlagen weitestgehend verschwunden sind, was sich aber insgesamt positiv auf die Actionsequenzen auswirkt, die so etwas härter und „etwas“ realistischer rüberkommen. Das steht dem Film recht gut. Zumal er wie bereits geschrieben, ungewöhnlich hart und düster geworden ist. Zurückzuführen ist diese „Härte“ wohl nicht nur auf den Charakter des gebrochenen Wing, sondern auf die vielen, teilweise brutalen Sequenzen. So ist der Anfang, als Wing und seine Mannen in den Hinterhalt gelockt und wie in einem Computerspiel niedergemetzelt werden, nichts für die Jüngsten in der chanschen Fangemeinde.

    Leider flacht der Film in der zweiten Hälfte ab: zuviel von dem, was nicht funktioniert. Zu wenig von der düsteren Stimmung des Anfangs. Die bösen Milchgesichter sind zu wenig charismatisch, um wirklich fesselnde Gegner zu sein; die Nebenplots wollen nicht überzeugen und wirken mal überkitscht, mal langweilig, mal peinlich. So dass dann irgendwann nur noch die guten Actionsequenzen bleiben und damit das, was man von Chan kennt und (gegebenenfalls) mag. Der gesellschaftskritische Aspekt des Films – die Verrohung von Jugendlichen mit problematischer familiärer Bindung in der modernen Welt – funktioniert auch nicht wirklich. Zum einen, weil die dargestellte Gewalt zu unreflektiert und letztlich als Unterhaltung inszeniert wird, zum anderen, weil die Charaktere der Jungendlichen sowie die Ereignisse, die sie zu dem gemacht haben, was sie sind, schablonenhaft bleiben. Trotzdem kann man „New Police Story“ zu gute halten, dass wenigstens „etwas“ an die ansonsten intellektuelle Leerstelle vergleichbarer Filme tritt.

    Summa summarum ist „New Police Story“ ein einigermaßen solider Actionfilm und durchschnittliche Genreware. Die Martial-Arts-Szenen treten zwar zu Gunsten der Cop-Movie-typischen Schießereien und Verfolgungsjagden etwas in den Hintergrund, sind aber tadellos inszeniert. Doch die Konkurrenz im Bereich des (asiatischen) Polizeifilms ist groß und leider muss man sagen, dass sich „New Police Story“ auch in diesem Kontext eher mittelmäßig ausfällt. Das, was der Film mehr sein wollte – Gesellschaftskritik und Charakterdrama – wird nicht eingelöst, wirkt aufgesetzt und mitunter lächerlich. Doch weist allein der Versuch vielleicht eine Tendenz nach oben, was zukünftige Chan-Filme angeht. Von einer Zäsur in seinem Schaffen, kann allerdings bisher nicht gesprochen werden.
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