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Hellboy - Die goldene Armee
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Hellboy - Die goldene Armee
Von Björn Helbig
Wenn es um die Verfilmung fantastischer Stoffe geht, ist der Regisseur, Autor und Produzent Guillermo del Toro neben Peter Jackson (Herr der Ringe – Trilogie) der derzeit wohl angesagteste Künstler. Schon seine frühen Werke „Cronos“, „Mimic“ und „The Devil’s Backbone“ offenbarten ein großes Potenzial. Ein wirklich herausragender Film gelang dem mexikanischen Filmemacher allerdings erst, als er sein außergewöhnliches ästhetisches Gespür mit einer feinfühlig-tiefsinnigen Geschichte verband. Doch wer nach Pans Labyrinth ein weiteres Meisterwerk von del Toro erwartet, wird vermutlich ein wenig enttäuscht sein. Auch der zweite Teil der „Hellboy“-Trilogie bleibt fest in den Comic-Ursprüngen verwurzelt, aus deren erzählerischer Einfachheit er sich nicht – wie zuletzt The Dark Knight – befreit.

Hellboy alias Anung Un Rama (für seine Freunde einfach „Red“), der 1944 vom dunklen Magier Rasputin heraufbeschworen und von Professor Bruttenholm unter seine Fittiche genommen wurde, arbeitet für das Bureau of Paranormal Research and Defense, eine geheime Unterabteilung des FBI. Dort ist er hauptberuflich damit beschäftigt, andere Dämonen dahin zurück zu schicken, wo sie hergekommen sind. Doch gerade als Red genug mit anderen Problemen – beruflicher und privater Art – zu kämpfen hat, wartet ein neuer Job auf den ungestümen Hellboy. Die Waffenruhe zwischen den Menschen und den Wesen der Unterwelt ist in Gefahr! Der vor langer Zeit mit dem Elfenkönig (Roy Dotrice) ausgehandelte Frieden steht kurz vor dem Ende. Der verbitterte Elfenprinz Nuada (Luke Goss) will mit Unterstützung der unbesiegbaren Goldenen Armee die Macht an sich reißen und den Geschöpfen der Unterwelt die Position zukommen lassen, die ihnen seiner Meinung nach zusteht. Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Fischmenschen Abe Sapien (Doug Jones), seiner Freundin Liz (Selma Blair), seinem Vorgesetzten Johann Krauss (James Dodd) und der Hilfe von Prinz Nuadas Zwillingsschwester (Anna Walton) stellt Hellboy sich seiner bisher größten Herausforderung…

Hellboy beruht auf dem gleichnamigen Comic von Mike Mignola. Der Zeichner setzte nach seinem Wechsel zu Dark Horse Comics mit „Hellboy“ seine erste eigene Figur um. Einflüsse für die Reihe waren Mignolas Vorliebe für Sagen, B-Movies und das Monsterrepertoire von H.P. Lovecraft. Kein Wunder also, dass sich del Toro schon früh für „Hellboy“ zu interessieren begann. Zehn Jahre lang versuchte er sein Drehbuch zum ersten Teil der Reihe finanziert zu bekommen, was ihm aber erst nach einigen erfolgreichen eigenen Filmen sowie Auftragsarbeiten gelang. Auch del Toro hat nach eigener Aussage eine Vorliebe für Märchen, vor allem für die Märchen-Illustrationen von Kay Nielson und Arthur Rakham. Mignola und del Toro arbeiteten bereits bei del Toros Blade 2 zusammen, wo der Comiczeichner seine Ideen in das Design mit einbrachte.

Verglichen mit dem ersten Hellboy-Teil legt del Toro nun noch einmal ordentlich nach. Ein Blick auf den guten bis sehr guten amerikanischen Pressespiegel lässt darauf schließen, dass die Kritiker nunmehr für del Toros außergewöhnliche Fähigkeit, blühende Fantasiewelten zu erschaffen, sensibilisiert sind. Mit dem als schwer zu verfilmen geltenden Comicstoff zeigt der mexikanische Filmemacher sein Talent, auch die unwahrscheinlichsten Figuren mit Leben zu füllen. Man sieht dem Film zu jeder Zeit sein stattliches Budget an, das dem Filmemacher nach dem Erfolg von Pans Labyrinth zur Verfügung stand. Del Toro und Mignola sind diesmal in der Lage, ihre Visionen zu 100 Prozent umzusetzen. Die teilweise nur mittelguten Computeranimationen des Vorgängers sind ausgemerzt und durch durchweg hochklassige digitale Effekte ersetzt (Stichwort: Waldgott). „Hellboy II” ist State of the art. Eine deutliche Steigerung ist ebenfalls beim Monsterdesign zu verzeichnen. Figuren wie den etwas langweiligen Rasputin, den in Teil I nicht wirklich ernstzunehmenden Oberbösewicht, erlaubt sich del Toro kein zweites Mal. Auch wenn einem die eine oder andere Idee bekannt vorkommt, sind sie doch so zahlreich und gut ausgearbeitet, dass es dem Genrefan eine wahre Freude ist. „Hellboy II“ ist ein action- und effektgeladenes Fantasyspektakel voller einfallsreicher Figuren und Szenarien, das sich vor der Genre-Konkurrenz sicherlich nicht zu verstecken braucht.

Wenn „Hellboy II“ eine Schwäche hat, dann ist sie wie schon im ersten Teil erzählerischer Natur. Zwar ist das Sequel nicht mehr so holprig wie der Vorgänger, allerdings bricht del Toro storytechnisch auch nicht in neue Dimensionen auf. So ist das Endergebnis zwar richtig gut, aber eben nicht hervorragend. Strukturell ähnelt der Film nicht nur dem ersten Teil, sondern auch zahlreichen anderen Comic-Geschichten. Lediglich del Toros noch gewachsenen Fähigkeiten als Regisseur und den atemberaubenden Effekten ist es zu verdanken, dass diese Tatsache nicht allzu stark ins Gewicht fällt. Trotzdem: Ein bisschen mehr Feinarbeit an den Figuren wäre dem Film gut bekommen. Sicherlich ist der eitle, PR-süchtige Höllenjunge, der sich die Hörner stutzt, auf gute Zigarren steht, scharfes Chili und Katzen mag und obendrein absoluter Experte für markige Machosprüche ist, auch so eine starke Figur, die man schnell ins Herz schließt – ein wenig mehr Tiefe oder auch Entwicklung hätte ihm aber nicht geschadet. Doch del Torro versäumt es, seine Figuren weiter auszubauen: Warum zum Beispiel wird die Dreiecksgeschichte zwischen Red, Liz und FBI-Agent John Meyrs (Rupert Evans) ungeschickt fallengelassen anstatt sie weiter auszuleuchten. Meyrs ist im neuen Teil einfach nicht mehr dabei. Und die anderen FBI-Agenten sind wieder einmal nur Monster- beziehungsweise Zahnfeefutter.

Wirklich etwas anhaben können die angemerkten Schwächen dem Gesamtergebnis nur wenig. Die gut aufgelegten Schauspieler, allen voran natürlich Ron Perlman (Alien – Die Wiedergeburt, Stadt der verlorenen Kinder), aber auch der wandlungsfähige Doug Jones (Fantastic Four - Rise Of The Silver Surfer), der gleich in mehreren Rollen brilliert, und Selma Blair (The Fog) holen aus jeder einzelnen Szene eine Menge heraus. Außerdem ist „Hellboy II“ ein visueller Rausch, der von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. Der Höhepunkt des Films ist sicherlich der Besuch des geheimen Marktes unter der Brooklyn Bridge. Unglaubliche Wesen tummeln sich da und man fühlt sich an die Kantine in Krieg der Sterne erinnert. Auch Reds Fight mit Prinz Nuadas gefährlichem Gesellen hat es in sich. Zusätzlich erfreut der Film mit vielen weiteren starken Momenten: teils ultrakomisch, wie das Besäufnis von Red und Abe, teils ziemlich gruselig, wie die Zahnfee-Sequenz oder die Begegnung mit dem Todesengel.

Fazit: „Hellboy II“ ist ein fantasievolles Action- und Effektfeuerwerk, das irgendwo zwischen Märchen, Horror- und Superheldenfilm vor allem durch seine Atmosphäre und das originelle Design unterhält. Die Geschichte ist da eher Nebensache.
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