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TDR - The Devil's Rejects
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
TDR - The Devil's Rejects
Von Deike Stagge
Fortsetzungen haben in den meisten Fällen eine fast genau gleiche Handlung wie das Original mit den gleichen Charakteren und ähnlichen Wendungen. Meist kopieren sie auch noch genau den erfolgreichen Stil der Vorlage. Ganz anders ist dagegen Rob Zombies „The Devil’s Rejects“, dem lediglich die Figuren mit ihrer Vorgeschichte entnommen werden, um in einem neuen Genre ihr Glück zu suchen.

Das umstrittene Blutfestival Haus der 1000 Leichen machte den unerschrockenen Kinogänger bekannt mit der psychopatischen Sippe um den Clown Captain Spalding (Sid Haig) und seiner massenmordenden Sippe, den Fireflys. Das B-Movie konnte eine so positive Bilanz verbuchen, dass Regisseur Rob Zombie, dem Ex-Chef der Band White Zombie, eine Fortsetzung angetragen wurde. Doch statt erneut auf eine Gruppe von psychotischen Farmern durch die Nacht gejagten Teens, die mit üblen Schockeffekten einer nach dem anderen brutal dahingeschlachtet werden, zu setzen, verlegte Zombie die Handlung größtenteils ins Tageslicht und machte aus den Killern des ersten Teils ein Häufchen vom langen Arm des Gesetzes verfolgter Krimineller. Jeder mystische, übernatürlich böse Touch um die Fireflys ist verschwunden, sie können weder aus einem dunklen Versteck über verschreckte Opfer herfallen, noch auf die ausgearbeiteten Tötungsanlagen ihrer Farm zurückgreifen. Was dem Film geblieben ist, ist das sadistische Folterspiel mit harmlosen Touristen. Aber da das nicht ausreicht, um einen annehmbaren Horror-Thriller zu machen, addiert Zombie noch einen auf Rache sinnenden Sheriff Wydell (William Forsythe), der die Fireflys um jeden Preis – und damit unter Einsatz jeder möglichen Gewalttat – festsetzen will.

Der Einstieg in den Film ist einfach gewählt: Die Greueltaten von Mutter Firefly (genial: Leslie Easterbrook aus den „Police Academy“-Filmen), Baby (Sheri Moon Zombie) und ihrem Bruder Otis (Bill Moseley) sind bekannt geworden. Sheriff Wydell stürmt mit seiner Sondereinheit die Farm, kann aber nach einem blutigen Schusswechsel nur Mutter Firefly festnehmen. Die Kinder entkommen und verabreden mit Captain Spalding ein Treffen, damit sie zu dritt die Gegend verlassen können. Damit ist das Szenario gesetzt für ein blutiges Road Movie. Denn auf der Flucht geht der Firefly-Clan selbstverständlich gnadenlos über Leichen. Nachdem zur Fluchtwagenbeschaffung harmlose Bürger dran glauben müssen, entführen die drei eine Country-Gruppe. Doch Sheriff Wydell ist ihnen bereits dicht auf den Fersen.

Was nach einer originellen Fortsetzungsidee klingt, ist beim näheren Hinsehen doch sehr deutlich abgekupfert. Zwar kopiert Zombie nicht seinen eigenen Vorgänger, übernimmt aber offensichtlich ganze Szenen aus Quentin Tarantinos From Dusk Till Dawn. Egal ob Entführung und seelische Folter der Country-Anhänger oder Flucht in ein abgelegenes, von Freaks bewohntes Freudenhaus, all das hat der Genre-Fan bereits beim Meister gesehen. Auch der Kurzauftritt von Danny Trejo als gnadenlosem Kopfgeldjäger bestärkt das Gefühl, dass der Hommage-Gedanke die Hand des Regisseurs leitete.

Zombie bringt lediglich noch ein paar Elemente der „Natural Born Killers“ hinein, um den Gewaltaspekt weiter zu betonen. Als große Neuerung von „The Devil’s Rejects“ stellt sich die Sequenz dar, in der die sadistische Familie in die Hände von Sheriff Wydell fällt, der kurzerhand das Gesetzbuch aus der Hand legt, um seine eigenen Foltermethoden an den 75-fachen Mördern zu erproben und den Fireflys die Unannehmlichkeiten des Opferdaseins aus nächster Nähe darzulegen.

Was Zombie als die emotionale Gratwanderung ansetzt, in welcher der Zuschauer einen Anflug von Mitleid für die eigentlichen Antagonisten empfinden soll, entpuppt sich aber als Rohrkrepierer. Kaum ein Anhänger dieser Filmgattung dürfte allzu großes Mitleid mit den Gefolterten haben, schon gar nicht, wenn es sich dabei um die mörderischen Freaks vom „Haus der 1000 Leichen“ handelt. Abgesehen davon bietet der Film aber eine gute Portion Selbstironie und schwarzen Humor sowie eine angemessene Leistung seiner Darsteller, die offenkundig großen Gefallen am dauernden Einsatz des Wortes „Fuck“ gefunden haben. In Hinblick auf die Dialoge spielt „The Devil’s Rejects“ selbst für das Genre im Mittelmaß.

Ganz anders aber die Filmmusik: Hier merkt man deutlich die Expertise und den musikalischen Hintergrund von Rob Zombie. Die Musik mit ihrer Mischung aus Folk-Songs und coolen, harten Blues-Rhythmen untermalt nicht nur die Bilder, sondern verleiht ihnen erst eine authentische Stimmung. Zombie gelingt es, filmische Elemente wie Umblenden oder Schnitte sehr elegant mit den Songs zu verbinden. Handwerklich ist diese Leistung herausragend und beweist die Liebe zum Detail, die der aus der Musikvideo-Industrie stammende Filmemacher seinem Werk entgegenbringt.

Trotz der Brillanz wird „The Devil’s Rejects“ nicht aus den Gefilde eines B-Movies herauskommen, was aber auch wahrlich nicht die Absicht ist. Wer schon bei der Krankenhaus-Sequenz von Kill Bill Vol. 1 weiche Knie bekommen hat, sollte keine Eintrittskarte für diese Horror-Hommage kaufen. Zimperlich geht der Film mit seinen Darstellern nicht um. Aber Zombie identifiziert sich auch mit dem Anspruch, bloß kein gefälliges Stück abzuliefern. Also Vorsicht: Es könnte dem ein oder anderen Zuschauer das Popcorn im Hals stecken bleiben. Genrefans sollten einen Blick riskieren.


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