Paranoid Park
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Paranoid Park

3,5


Von Ulf Lepelmeier

Das Leben eines amerikanischen Durchschnittsskaters im Teenageralter ist nicht unbedingt nervenaufreibend, nicht sonderlich abwechslungsreich oder gar überraschend. Doch für Regisseur Gus Van Sant ist es alles andere als abwegig, gerade diesem profanen Leben eines Highschoolschülers ein filmisches Denkmal zu setzen. Damit knüpft er auch an den famosen Cannes-Gewinner des Jahres 2003, Elephant, an, bei dem ebenfalls schon Teenager auf ihrem Weg durch die Flure ihrer Schule begleitetet wurden. Mit dem Jugend-Drama „Paranoid Park“ beschäftigt sich Van Saint einmal mehr mit der Welt der Heranwachsenden, die er wie kein anderer versteht, mit Feingefühl auf die Leinwand zu bringen. Doch bei all den in poetischen Bildern eingefangenen Alltäglichkeiten zwischen Halfpipe, Elternhaus und Schule gerät die Frage um die Schuldigkeit des Protagonisten in Bezug auf einen tödlichen Vorfall beinahe ins Hintertreffen.

Alex (Gabe Nevins) ist ein eher introvertierter 16-Jähiger aus einer mittelständischen Familie in Portland, Oregon, der in seiner Freizeit skatet und momentan Probleme mit der sich anbahnenden Scheidung seiner Eltern und seiner nervigen Freundin hat. Eines Tages überredet ihn sein Freund Jared (Jake Miller) zum Paranoid Park, einem illegal gebauten Skate-Gelände, mitzukommen. Alex ist so angetan von der Location und den Tricks der dortigen Skater, dass er trotz der kurzfristigen Absage seines Freundes auch alleine dorthin zurückkehrt und auf einem nahe gelegenen Rangierbahnhof mit einem anderen Skater auf einen Frachtzug aufspringt, um mitzufahren. Dabei ereignet sich ein tragischer Unfall, bei dem ein Sicherheitsbeamter zu Tode kommt. Alex beschließt, den Vorfall zu verschweigen und geht seinem normalen Tagesablauf nach, doch ihn plagt sein Gewissen und die Polizei ist bereits auf der Suche nach dem Schuldigen.

„Paranoid Park“ erzählt von dem Leben des jungen Alex, der durch Zufall in einen tödlichen Zwischenfall verwickelt wird und das Geschehene durch das Verfassen eines Briefs zu verarbeiten sucht. Doch sich auf das eigentliche Thema seines Schreibens zu konzentrieren, fällt dem Jungen schwer. Der Film zeichnet nun die unsteten Gedankengänge des Jugendlichen nach, lässt das zeitliche Geschehen hin und her springen. Dabei ist das neue Werk Van Sants so wenig fokussiert auf den eigentlichen Dreh- und Angelpunkt der Handlung, wie ein sprunghafter Pubertierender, der es nicht vermag, sich auf eine einzige Angelegenheit zu konzentrieren. Handlungstechnisch geschieht nicht viel, doch der jugendliche Mikrokosmos wird hier in äußerst ansprechenden Bildern und in immer wieder überraschender Klangkulisse mit schwelgender Ruhe wiedergegeben. Dies hat der Film mit dem um einiges aufwühlenderen und kontrovers diskutierten „Elephant“, bei dem eine Handvoll unterschiedlicher Jugendliche im Alltag kurz vor dem Ausbruch eines verheerenden Schulmassakers begleitetet werden, gemeinsam. Wo „Elephant“ mehr erzählerische Raffinesse auf Grund der Betrachtung sehr unterschiedlicher Individuen bot und eine brodelnde Grundspannung an den Tag legte, hat „Paranoid Park“ nun auf der optischen und akustischen Ebene noch eine Spur mehr zu bieten.

Die Bildkompositionen von Kameramann Christopher Doyle, der schon beim Remake des Hitchcock-Klassikers „Psycho“ mit Van Sant zusammenarbeitete, sind jedem Zweifel erhaben und werden durch die Beimischung der Super-8-Skateboard-Ästhetik von Rain Kathy Li noch weiter veredelt. Äußerst gelungen wird hier mit Zeitlupe, Über- und Unterbelichtung sowie Wiederholungen gespielt und somit optisch das Gefühlsleben des Protagonisten illustriert. Das besondere musikalische Konzept von „Elephant“ ist ebenfalls weiter verfeinert worden, so dass der Film eine sehr weit gefächerte Musikauswahl bietet, die von Noise, über Nino-Rotas-Fellini-Filmkompositionen, Country und Folk, bis hin zu HipHop und avantgardistischer Elektromusik reicht und für manch überraschende, aber nichtsdestotrotz interessante Kombination aus Ton und Bild sorgt. Die ausdrucksstarke Bildsprache weiß mit der sich oftmals in den Vordergrund drängenden Musikspur hier soviel mehr auszudrücken als die wortkargen, lethargischen Heranwachsenden es vermögen in Worte zu fassen.

Die jugendlichen Darsteller wurden über das Internetportal MySpace gecastet und strahlen eine unheimliche Natürlichkeit und Unverbrauchtheit aus, doch gerade bei Hauptdarsteller Gabe Nevins macht sich die fehlende schauspielerische Erfahrung in einigen Momenten doch bemerkbar. Auch wenn Alex durchaus Schuld empfindet, sonst würde er das Geschehene ja gar nicht erst zu Papier bringen wollen, hat man trotzdem nie wirklich das Gefühl, dass der tödliche Unfall für ihn eine ernsthafte Belastung darstellt oder die Situation wie ein Damoklesschwert über ihm hängt. Ob dies nun die Gleichgültigkeit des jugendlichen Lebensempfindens widerspiegeln soll oder dann doch an dem noch ausbaufähigen mimischen Spiel des jungen Hauptdarstellers liegt, bleibt offen. Ohnehin wählt Van Sant für seinen Film einen eher distanzierten Ansatz, der dem Zuschauer vor allem die Atmosphäre erfahren lässt, ihm aber dafür eine engere Verbindung zu den jugendlichen Charakteren und ihren Handlungen verweigert.

„Paranoid Park“ ist ein Film, der in eindrucksvollen Bildern im Alltagsleben eines amerikanischen Jugendlichen schwelgt und bei aller künstlerischer Verklärtheit dabei bisweilen das Erzählen der eigentlichen Geschichte aus den Augen verliert. Ob dies nun aber gerade die Schwäche des Werkes ausmacht oder es damit umso klarer vom überdramatisierenderen Hollywoodeinerlei abhebt und damit erst recht zum sehenswerten, poetischen Jugenddrama macht, sei dahingestellt.

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