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4.5 - Großartig
Was soll man zu diesem neuen Boll-Schinken sagen?
Vorweg: Wer in irgendeiner Art und Weise mit Ernst und Gehirnzellen in
diesen Film geht, wird bitter enttäuscht. Also Popcorn zu Hause essen
und sich Mission Impossible angucken, wenn man einen typischen
Hollywood-Actionstreifen erwartet. Viel mehr liefert Uwe Boll, seines
Zeichens humorvoller Regisseur vieler Computerspielverfilmungen wie
Postal oder Alone in the Dark, eine weitere parodische Meisterleistung
auf die Leinwand.
Wir wollen ehrlich sein - Uwe Boll macht keine guten Filme. Und an die
Computerspiele hält er sich schon gar nicht. Als Beispiel: die Figur
Jack Carver trägt im Spiel ein rotes Hawaii-Hemd, sein prunkvolles
Segelboot (im Boll-Film zu einem schäbigen Kutter degradiert) trägt den
Namen Medusa und er ist extrem naiv. Passt auch so im Film. Viel mehr
Gemeinsamkeiten sind allerdings nicht auszumachen. Ein Forscher
betreibt Genexperimente mit Soldaten und Schweigers Kutter wird in die
Luft gesprengt. Schon als kleinen Tabubruch war ja die erste
Information, die über den Film Anfang dieses Jahres durchgesickert war,
die Tatsache, dass der Film in den Wäldern von Kanada gedreht werden
sollte. Zum Vergleich: im Spiel befinden wir uns durchweg auf einem
Inselarchipel in der Südsee. Es sind diese kleinen Ungewöhnlichen
Schritte, die Uwe Boll zu weit geht. Daran mache ich fest, dass er die
gesamte Filmindustrie parodiert. Mittlerweile ist er so sehr in
Hollywood manifestiert, dass es fast schon erschreckend ist, wie gut
Boll aus Scheiße Gold machen kann. Der Film strotzt von subtilen
Witzen, gewollt schlechter Schauspielerei und stilistischen
Einfachheiten... man verlässt das Kino mit einem Lachen und einem
Weinen.
Aber man muss Uwe Boll verstehen lernen - er betreibt
Gesellschaftskritik und parodiert das Filmgeschäft. Schon mit Postal,
der größten Amerika-Satire überhaupt, gelang ihm ein kleiner Sprung und
das Verständnis seiner Intention wird langsam klar. Er KÖNNTE
sicherlich gute Filme machen. Er WILL aber nicht. Gewollt schlechte
Filme sind wiederum positiv zu bewerten. Dieser Film nimmt sich nicht
ernst, er weiß selbst, dass sein Vater Uwe Boll ihn schlecht gemacht
hat, weil er es so wollte.
Wer sich von all diesen Kleinigkeiten nicht abschrecken lässt und wen
diese kleinen Eastereggs wie einem Universalschlüssel, der alle Ketten,
Handschellen, Türen und Tore öffnet, der kollektiven Gruppenheizung,
die die dämlichste Anmache aller Zeiten darstellt, oder dem ethnischen
Hintergrunde Jack Carvers als DEUTSCHEN (ja, richtig gehört! Klar, bei
dem Namen, oder?) erfreuen, dem kann man diesen Film einfach nur
empfehlen.
Til Schweiger und Emmanuelle Vaughier als Protagonisten sind auch ein
witziges Duo. Den beiden kauft man ihre gespielte Ernsthaftigkeit nicht
ab. Genauso wenig wie die geheuchelte Coolness Schweigers, der ja
sowieso immer relativ verpeilt wirkt. Den beiden eine solche Rolle zu
geben ist wieder einer dieser Boll'schen Humorelemente. Das wäre so,
als würde ich Ben Stiller eine Rolle in einem ernsten, bösen
Horrorstreifen geben. Das würde man auch nicht abkaufen. Schweiger
gehört in Komödien. Sowas mit Hasen ohne Ohren. Oder so.
Ach und vergessen wir bloß nicht Ralf Möller, den Titan der
Schauspielerwelt. Eine so sinnfreie Rolle konnte auch nur Uwe Boll
einem Schauspieler geben^^ Und die Tatsache, dass bei der Premiere des
Films in Dortmund sogar der Möller seine signierte Zigarre verlosen
musste, um überhaupt Zuschauer ins Kino zu locken, zeugt auch schon von
der besonderen und hochwertigen Qualität, die man erwarten darf.
Fazit:
Boll parodiert die Filmwelt und die Spielewelt. Wer das nicht versteht,
der wird diesen Film einfach grottig finden. Man hätte sicher auch eine
coole ernste Verfilmung von Far Cry machen können. Aber Uwe Boll war
schneller^^ Erklärt mich für verrückt, ich hatte jedenfalls meinen Spaß
und kann Uwe Boll nur auf die Schultern klopfen.
Hinzugefügt am 28.03.2010 um 13:35 Uhr
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