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3.5 - Gut
Weit und breit kein Mensch zu sehen – das ist das „Königreich Arktis“. Denn in diesem wunderbaren Film über das Leben und den Überlebenskampf am Nordpol stehen die Tiere im Mittelpunkt und Menschen ausschließlich hinter der Kamera. Er erzählt die Lebensgeschichte zweier typischer Polarbewohner, des Eisbärmädels Nanu und der Walrossdame Seela, vom Zeitpunkt ihrer Geburt bis hin zu dem Tag, an dem sie selbst eintreten in den ununterbrochenen Kreislauf des Lebens…
Nagendem Hunger und mannigfachen Gefahren haben Nanu und Seela in ihrer weißen Welt zu trotzen; der größten Bedrohung allerdings sind die Tiere wehrlos ausgeliefert: der durch verantwortungsloses menschliches Eingreifen in die Schöpfung verursachten jahreszeitlichen Rhythmusstörung und dem sich infolgedessen wandelnden Lebensraum. Wenn man sich auf das Eis nicht mehr verlassen kann, wird auch für den Eisbären das Leben unberechenbar und das Überleben zum Roulettespiel. Nanu muss das am eigenen Leib erfahren, als sie sich plötzlich allein auf einer schmelzenden Scholle wiederfindet.
Das Königreich Arktis droht seinen König, den Polarbären, zu verlieren und damit hat das Thema Klimakatastrophe also endlich auch den Kinderfilm erreicht. Kein Zufall, dass zu den Autoren des halbdokumentarischen Films Kristen Gore zählt, die Tochter des berühmten Al Gore, der sich, nachdem er die bittere Wahrheit einsehen musste, dass die US-Bürger ihn nicht im Weißen Haus haben wollten, als Autor und Umweltaktivist einen Namen gemacht hat.
Nach dem antarktischen Kassenmagneten „Reise der Pinguine“ kommt nun also dessen arktisches Pendant in die Kinos, passend zum Rummel um die lebende Berliner Zoolegende Knut. Etwas gewollt wirkt mitunter das Bemühen, dem dokumentarischen Filmmaterial über das vom Menschen bisher weitgehend verschont gebliebene Reich von König Eisbär eine Kinderfilm-Dramaturgie aufzuzwingen; etwas pathetisch werden die bedrohlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Nanu, Seela und ihre Familien ausgemalt, wird die an sich lebensfeindliche Polarwelt zum bedrohten Paradies stilisiert, das seinen niedlichen Einwohnern langsam, aber sicher abhanden kommt. Doch es macht ohne jeden Zweifel Spaß, den Tieren bei ihren Abenteuern zuzusehen, mitzufiebern und mitzuleiden. Welche Strapazen es die Film-Mannschaft kostete, die größtenteils atemberaubenden, mitunter auch erheiternden Tierszenen auf Zelluloid zu bannen, kann sich wohl nur jemand halbwegs vorstellen, der selbst schon mal in Polnähe war. Allein dafür – 15 Jahre lang arbeitete das Ehepaar Adam Ravetch und Sarah Robertson an dem Werk – gebührt den Filmemachern jede nur denkbare Anerkennung. „Königreich Arktis“ entführt uns in eine oft wie verzaubert wirkende Welt. Kinder und Erwachsene werden sich gleichermaßen unterhalten fühlen und können sich ganz nebenbei nützliches Bio-Wissen aneignen. Wenn ein Film also leistet, was schon Horaz in seiner ARS POETICA von der Kunst verlangte, und wenn überdies der in die Jahre gekommene Knut ja dringend Ablösung braucht, ja, was sollte einen dann noch von der Reise mit Nanu und seiner gewichtigen Kollegin Seela abhalten?!
Eine Gastkritik von film-o-meter.de
Hinzugefügt am 30.10.2007 um 09:28 Uhr
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