Jesus Christus Erlöser
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      4 - Sehr gut

    ...möchte man selbst als Zuschauer den Störenfrieden jenes Aufrittes des Herrn Kinski zurufen. Aber da dies ein Dokument ist und der 20.11.1971 schon ein wenig zurück liegt, lehnt man sich denn halt zurück und verfolgt einen Kinski, der sich im Verlauf des Abends immer weiter in die Rolle des wilden Wüterichs steigert. Und damit seinen Gegnern einen Bärendienst erweist. Das diese noch nicht mal ein Mindestmaß an Benehmen mitbringen - die Arroganz der Zwischenrufer die sich in Pausen Kinskis in Äußerungen wie "Text vergessen?" manifestieren - stößt schon ziemlich sauer auf. Zu dem bewußt provokativen Text, den Kinski in der ihm eigenen Art einerseits leicht abgehoben andererseits mit flammendem Herzen interpretiert, ist zu sagen, daß er für eine Diskussion am Schluß mit Sicherheit geführt hätte - der sich Klaus bestimmt nicht verschlossen hätte. Er lebt diesen Text regelrecht - das zeigt sich besonders dann, wenn ihm die Tränen kommen. Und an der Art wie Kinski hier erscheint, hat es für mich nichts gekünselt oder gespieltes. Umso erschreckender ist es, ihn in seinem Zorn zu erleben, wenn man ihn in dieser "Rolle"(?) die er "spielt"(?) nicht ernst nimmt, bzw. ihn aus dieser Form der Selbstinszenierung herausreißt. Dies manifestiert sich besonders in seiner Äußerung über die "30 Seiten Text" die es auswendig zu lernen UND auch noch mit Leben zu füllen galt! Eine durchaus anerkenneswerte Leistung - und deshalb kann ich an der Haltung der Störenfriede nichts anerkennenswertes finden. Der Gipfel schlechthin, ist Kinski als "Faschist" zu bezeichnen - da wäre ich vermutlich auch von der Bühne gegangen. Die Inszenierung des Auftritts - ein Mann im Rampenlicht und ein Mikrofon, ansonsten Dunkelheit - beeindruckt in seiner Spartanität. Und mehr braucht es auch nicht, um den Text zu verkaufen. Es ist DAS was WIR als Zuhörer mit unserem Verstand UND unserem Herzen daraus machen. Eine großartige Leistung - nur Schade, daß Kinski den billigen Schmähungen und Provokationen auf den Leim ging...... andererseits hätten wir jetzt nicht diesen empfehlenswerten Dokumentarfilm. Tja - man kann es niemandem so ganz recht machen, oder? ;-)

    Hinzugefügt am 05.06.2008 um 17:03 Uhr
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      4 - Sehr gut

    Die Dokumentation über Kinskis Auftritt von 20. November 1971 in der Berliner Deutschlandhalle, als er ohne Bühnenrequisiten einen selbstverfassten Text über das Leben Jesu Christi zum besten geben wollte. Die Aufführung artet in einen Skandal aus, als politikbewegte 68er Straßenkampf und antifaschistische Diskussionskultur ins Theater bringen wollten. Man kommt dem Menschen Kinski sehr nahe, der mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln um seinen Text kämpft und das Recht ihn vorzutragen. Dass er dabei verbal ausfallend wird, überrascht wenig. Kinski ist ein toller Schauspieler mit starker Bühnenpräsenz und einer breiten Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, insbesondere im mimischen und stimmlichen Bereich. Nachdem Kinski bereits das Ende der Veranstaltung verkündete, kommt es doch noch zu so etwas wie einem Happy-End: eine Hundertschaft Getreuer harrt im Bühnenvorraum aus und kommt nach Mitternacht in den Genuss eines Kinski-Privatissimums. Der Film demonstiert die Wirkung von Projektionen: von Kinski auf die Folie Jesus, vom Publikum auf Kinski, vom Kinski aufs Publikum etc.

    Hinzugefügt am 25.05.2008 um 11:03 Uhr
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