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    Verrückt nach Steve
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Verrückt nach Steve
    Von Christoph Petersen

    2009 war das Jahr von Sandra Bullock (Speed, Miss Undercover). Mit der romantischen Komödie Selbst ist die Braut stellte sie erst einen neuen persönlichen US-Box-Office-Rekord (164 Millionen Dollar) auf, nur um diesen wenig später mit dem unverschämt erfolgreichen Football-Drama Blind Side, das bereits mehr als 220 Millionen Dollar eingespielt hat, gleich wieder zu pulverisieren. Und als ob das nicht schon genug wäre, wurde Bullock auch noch für beide Rollen jeweils mit einer Golden-Globe-Nominierung bedacht. Doch die Erfolgsstory hat einen Kratzer, der in Berichten über Bullocks aktuelle Errungenschaften gerne totgeschwiegen wird: Phil Traills Komödie „Verrückt nach Steve“ blieb mit einem Einspiel von 34 Millionen Dollar nämlich nicht nur klar hinter den Erwartungen zurück, sie bietet mit der von Bullock verkörperten Kreuzworträtsel-Erfinderin Mary Horowitz auch noch eine der nervigsten Heldinnen, die jemals das Licht der Leinwand erblickt hat.

    Mary Horowitz (Sandra Bullock) entwickelt Kreuzworträtsel für die lokale Tageszeitung, wohnt noch bei ihren Eltern (Howard Hesseman, Beth Grant) und geht so ziemlich jedem ganz gewaltig auf den Keks. Diese Erfahrung macht auch ihr Blind Date Steve (Bradley Cooper), ein News-Kameramann, über den die sexuell ausgehungerte Mary im Auto sofort herfällt, ohne dabei auch nur für eine Sekunde die Klappe zu halten. Mitten im Akt klingelt Steves Handy. Er muss für einen Auftrag nach Boston. Unvorsichtigerweise erzählt er Mary noch schnell, wie schade er es doch findet, dass sie nicht mitkommen könne, bevor er dann erleichtert davon düst. Das lässt sich die rigorose Mary natürlich nicht zwei Mal sagen. Als sie ihren Job verliert, weil sie ein Kreuzworträtsel nur mit Fragen über Steve in die Zeitung gesetzt hat, reist sie ihrem potentiellen zukünftigen Ehemann kurzentschlossen hinterher. Während Steve von seiner eigenen Stalkerin gar nicht begeistert ist, macht sich der Nachrichtensprecher Hartman Hughes (Thomas Haden Church, Sideways, Spider-Man 3) einen Spaß daraus, Mary immer wieder vorzuflunkern, wie verliebt Steve trotz seiner Schimpftriaden in Wahrheit doch in sie wäre…

    Mary Horowitz ist ein wandelndes Lexikon, das alles und jeden mit unnützen Fakten überschüttet, dabei so wild gackert und kichert wie ein 14-jähriges Tokio-Hotel-Groupie und mit ihren roten Latexstiefeln aussieht wie Victoria „Posh Spice“ Beckham auf Speed. Im Umgang mit ihren Mitmenschen wirkt sie, als ob hier ADS und Autismus eine unheilvolle Koalition eingegangen wären. Ein weiblicher Rain Man, nur dass sie unentwegt und offensiv plappert, statt sich in ihre eigene Welt zurückzuziehen. Ihr bei der Jagd auf Steve die Daumen zu drücken, kommt da kaum in Frage. Vielmehr ist ununterbrochenes Fremdschämen angesagt. Nur weil sich jemand von einer Peinlichkeit in die nächste stürzt, ist das eben noch lange nicht witzig. Nicht einmal Sandra Bullock, die wohl selbst in einer Rolle als Kartoffel noch eine erfolgreiche Charmeoffensive starten würde, kann den totalen Absturz dieser Figur verhindern. Der absolute Tiefpunkt ist erreicht, wenn „Verrückt nach Steve“ dann auch noch in typischer Romantic-Comedy-Manier die „Bleib wie Du bist!“-Moral aus dem Köcher zieht. Mary Horowitz soll machen, wozu sie lustig ist, nur bitte eines nicht: So bleiben, wie sie ist!

    Da macht das Lokalnachrichten-Team Bradley Cooper (Er steht einfach nicht auf Dich, Hangover, The A-Team), Thomas Haden Church (Zuhause ist der Zauber los) und Ken Jeong (Ananas Express, Wie das Leben so spielt) schon eine bedeutend bessere Figur. Gemeinsam reisen sie durchs Land, um über Geiselnahmen in Freizeitparks und Babys mit drei Beinen zu berichten. Gerade die Konkurrenz mit anderen News-Teams erinnert in den besten Momenten an die herrlich anarchische Will-Ferrell-Komödie Der Anchorman. Leider dauert es dann immer nur kurz, bevor sich Mary erneut ihren Weg ins Geschehen bahnt und alle Ansätze im Nu wieder einreißt.

    Fazit: Eine romantische Komödie mit einem Nervbolzen wie Mary Horowitz als Protagonistin muss einfach den Bach runtergehen. Dagegen kann nicht einmal die sonst so wunderbare Sandra Bullock etwas ausrichten.

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