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    Der FILMSTARTS-Familientipp zum Wochenende: "Die Ferien des Monsieur Hulot"
    Von Rochus Wolff — 27.08.2014 um 02:23
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    In seiner 14-täglichen FILMSTARTS-Kolumne macht Rochus Wolff Vorschläge für den nächsten Familien-Filmabend - und zwar nicht nur aus der Perspektive eines Filmkritikers, sondern vor allem auch mit seiner Erfahrung als zweifacher Familienvater.


    Wie sich Sommerferien anfühlen sollten

    Das Schicksal hat uns vor einiger Zeit für zweieinhalb Jahre nach Paris verschlagen – und dort gab es ein Ritual, das uns Berlinern auch nach all der Zeit noch immer seltsam erschien: Selbst wenn sie an einem schönen Frühlingsvormittag rappelvoll sind, leeren sich die Spielplätze der Seine-Metropole zwischen zwölf und halb eins schlagartig. Plötzlich verschwinden alle Kinder und ihre Eltern (oder in den wohlhabenderen Stadtbezirken Kindermädchen) und nur wir bleiben mit unseren zwei Kleinen alleine im Sandkasten zurück. Der Grund dafür ist einfach: Dem gemeinsamen Mittagessen wird in Frankreich in den meisten Familien eine sehr viel größere Bedeutung zugesprochen als bei uns – und die fast schon religiöse Pünktlichkeit, mit der an der Mittagstafel platzgenommen wird, scheint die Pariser ebenso zeitgleich wie lautlos heimzurufen.


    An diese Erfahrung musste ich denken, als wir neulich mal wieder den Komödien-Klassiker „Die Ferien des Monsieur Hulot“ anschauten. In der zweiten von nur fünf Kino-Regiearbeiten des sehr großartigen, sehr seltsamen Komikers Jacques Tati fährt er als Monsieur Hulot mit einem permanent krachend fehlzündenden Automobil in die Sommerfrische ans Meer. Dort geht es an den Strand, auf den Tennisplatz oder man unternimmt einen gemeinsamen Picknickausflug – und pünktlich mittags klingelt der Hotelbesitzer mit seiner Glocke, woraufhin sich schnurstracks und zuverlässig alle Gäste im Speisesaal versammeln.


    Es bedarf schon ein wenig Geduld, um einen Film wie diesen auf sich wirken zu lassen, der unseren heutigen Sehgewohnheiten so sehr entgegenläuft. Die wunderbaren Slapstick-Szenen prasseln nicht wie in vielen heutigen Komödien eine nach dem anderen auf einen ein, sondern werden behutsam vorbereitet und bleiben auch in ihrer Ausführung nahezu bedächtig. Manche Pointe zündet so erst beim dritten Mal – dann aber richtig. Die Kunstfigur Monsieur Hulot ist gewissermaßen eine Variation von Charlie Chaplins Tramp – nur eben als höflicher, zurückhaltender Franzose: eher konservativ, wohlmeinend, unbeholfen und der Moderne mit großer Skepsis begegnend (was in den Filmen „Mein Onkel“ und „Tatis herrliche Zeiten“ noch deutlicher wird).


    „Die Ferien des Monsieur Hulot“ ist kein Film, auf den jedes Kind sofort einsteigen wird - vor allem etwas ältere, die sich schon an die schneller getakteten Filme unserer Zeit gewöhnt haben, dürften sich womöglich eher schwer tun. Aber einen Versuch ist es dennoch allemal wert. Es gibt einfach so viele Details zu entdecken in diesem Film, selbst in seinen Nebenfiguren, den Geschehnissen im Hintergrund und der Vielfalt der Sprachen (es ist eben ein Ferienort), die selbst in der deutsch synchronisierten Fassung weitestgehend erhalten bleibt. Der Film lädt zur genauen Betrachtung ein wie ein gemütliches Bildertableau oder ein entspannter Nachmittag am Meer, an dem man Muster in den Sand malt oder dem Kommen und Gehen der Wellen zusieht. Zugleich ist er eine Verkörperung davon, wie sich kindliche Sommerferien womöglich anfühlen sollten: wie ein ruhiger, sich wie ewig dahinziehender Fluss voller kleiner besonderer Momente in einem Strom der gleichförmigen Sicherheiten.

    Und ganz nebenbei dient „Die Ferien des Monsieur Hulot“ in gewisser Weise auch als historisches Dokument über jene Welt vor sechzig Jahren, als Telefone noch an Kabeln hingen und die Landstraßen nur wenig befahren wurden. Und wenn man mit den Kindern dann einmal durch ein Dorf in der französischen Provinz kommt, wird man gemeinsam verwundert den Kopf darüber schütteln, wie sehr hier auch heute noch vieles genauso aussieht wie damals bei Monsieur Hulot.


    Rochus Wolff, Jahrgang 1973, ist freier Journalist und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im Grundschulalter in Berlin. Sein Arbeitsschwerpunkt ist der Kinder- und Jugendfilm; seit Januar 2013 hält er in dem von ihm gegründeten Kinderfilmblog nach dem schönen, guten und wahren Kinderkino Ausschau.
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