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FILMSTARTS am Set von "Inferno": Das große Interview mit den Hauptdarstellern Tom Hanks und Felicity Jones
Von Christoph Petersen — 08.10.2016 um 14:00
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Nach den Blockbustern „The Da Vinci Code – Sakrileg“ und „Illuminati“ schlüpft Oscarpreisträger Tom Hanks in „Inferno“ zum dritten Mal in die von Hitgarant Dan Brown erdachte Figur des Symbologie-Professors Robert Langdon.

Sony Pictures
Beim Dreh von großen Hollywoodfilmen wird vor Ort selten der echte Titel verwendet, um zu verhindern, dass es vor Paparazzi und Schaulustigen nur so wimmelt (und wenn auf einem Paket oder einem Container groß „Star Wars“ als Empfänger prangt, stehen die Chancen womöglich ganz gut, dass die Fracht irgendwo auf der Reise „vom Laster fällt“). Bei unserem Besuch am Florentiner Set von „Inferno“ im Mai 2015 (hier geht’s zum ausführlichen Bericht und unserem Interview mit Regisseur Ron Howard und Autor Dan Brown) erfahren wir, dass der Robert-Landon-Blockbuster dort unter dem Alias „Headache“ gedreht wird.

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Robert Langdon und Sienna Brooks haben sich mit einem Sprung über die Parkmauer in den Boboli-Garten gerettet.
Das liegt allerdings nicht daran, dass die Adaption des Bestsellers von Dan Brown den Machern ungewöhnlich viele Kopfschmerzen bereiten würde. Vielmehr bezieht sich der Fake-Titel auf die Strapazen, die Robert Langdon diesmal durchmachen muss – nach einem Schlag auf den Kopf erwacht er nämlich gleich zu Beginn des Films ohne Gedächtnis in einem Florentiner Krankenhaus. Der Verlust des Erinnerungsvermögens hat dabei nicht nur Auswirkungen auf den Verlauf der Story, sondern auch auf die gesamte Struktur des Films, wie uns Tom Hanks im Interview in einer der größten Hallen des Medici-Hauptsitzes Palazzo Pitti erläutert:

FILMSTARTS: Was ist das Besondere an „Inferno“ im Vergleich zu den anderen Robert-Langdon-Verfilmungen?

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Robert Langdon und Sienna Brooks fliehen durch den Boboli-Garten vor den Kamera-Drohnen.
Tom Hanks: Langdons Rolle ist dieses Mal eine ganz andere. Er taucht nicht erst auf, als er einen Anruf bekommt und um Hilfe gebeten wird. Stattdessen steckt er von der ersten Szene an mitten drin – und hat nicht die geringste Idee, was eigentlich mit ihm geschieht. Es geht also nicht nur darum, ein großes Puzzle zu lösen, er muss nebenbei auch noch herausfinden, warum und wie er in der Sache eigentlich mit drinsteckt. Er hat nicht dieselben Fähigkeiten und dieselbe Selbstsicherheit wie in den anderen Filmen, weil er sich nicht auf seinen eigenen Kopf verlassen kann. Das bestimmt die Struktur der ersten zwei Drittel des Films ganz maßgeblich. Bisher war Langdon immer der Mann mit all den Antworten, der die offensichtlichen Fragen stellt und so die Handlung vorantreibt. Diesmal hat er nicht nur keine Antworten, er weiß noch nicht einmal, wie überhaupt die Frage lautet.

FILMSTARTS: Felicity, wie fühlt es sich an, als Newcomerin zu dem Franchise dazuzustoßen?

Felicity Jones: Nun, es war fantastisch. Ich wurde sofort willkommen geheißen. Zudem hat ja jeder der Filme einen anderen Ton, weshalb sich „Inferno“ gar nicht anfühlt wie eine Fortsetzung, sondern definitiv wie ein Original-Projekt.

FILMSTARTS: Felicity, du bist in Hollywood gerade extrem gefragt, gerade nach deinem Gewinn des Oscars für „Die Entdeckung der Unendlichkeit“. Was war es an der Vorlage oder der Figur, das dich speziell dazu bewogen hat, „Inferno“ als dein nächstes Projekt zu wählen?

Felicity Jones: Es ist immer eine Kombination von Dingen – der Regisseur, die anderen Schauspieler und das Arbeiten mit Leuten, die man respektiert und bewundert und die einem dabei helfen, selbst besser zu werden. Aber zugleich habe ich mich auch augenblicklich in Sienna verliebt. Sie ist eine sehr intelligente, komplexe Frau. Ich denke, sie ist Langdon intellektuell ebenbürtig. Das ist für mich die große Herausforderung an der Rolle.

FILMSTARTS: Wie genau hast du dich denn auf die Rolle vorbereitet?

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Robert Langdon und Sienna Brooks verstecken sich im Palazzo Vecchio zwischen den Touristen.
Felicity Jones: Natürlich habe ich erst einmal mit Dans Roman angefangen – darin gibt es ja schon eine Menge Hintergrundinfos zu Sienna. Sie war schon als Kind ein absolutes Genie und ist inzwischen ein wenig depressiv. Außerdem arbeitet sie als Arzt in einer Notaufnahme – deshalb habe ich auch einige Zeit mit einer jungen Frau verbracht, die in einer Notaufnahme in New York arbeitet. Das hat mir sehr dabei geholfen zu verstehen, unter was für einem unglaublichen Druck diese Leute stehen, sie müssen schließlich immer wieder in Sekundenschnelle Entscheidungen treffen, die möglicherweise über Leben und Tot entscheiden können. Daraus habe ich gelernt, dass auch Sienna eine Frau sein muss, die geistesgegenwärtig Entscheidungen fällen kann und selbst in außergewöhnlich stressige Situationen nicht aus dem Takt kommt.



FILMSTARTS: Es gibt zwei Dinge, über die man bei einer Party nie sprechen sollte: Politik und Religion. Aber in den Langdon-Filmen geht es trotzdem ganz stark um diese beiden Themen. Tom, wie sehr hat die Arbeit an den Filmen dich geöffnet für die philosophischen Konzepte von Dan Brown?

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WHO-Ermittler Christoph Bruder hält im Palazzo Vecchio erfolglos Ausschnau nach Robert Langdon.
Tom Hanks: Das ist einer der großen Vorteile, wenn man solche Filme machen darf. Es ist fast wie der Besuch einer Vorlesung an einer Universität. Ich habe so viel Neues gelernt über Kunst, Philosophie, Geschichte – und manchmal auch über Architektur und Wissenschaft. Das Großartige an den Büchern von Dan ist, dass es in ihnen immer eine große nicht-fiktive Komponente gibt, dass man wirklich an diese Orte gehen und sich die Kunstwerke tatsächlich ansehen kann. Auf der anderen Seite beschäftigt er sich mit theologischen und philosophischen Themen, zu denen jeder eine Meinung hat, über die jeder gerne diskutiert und über die sich manche ganz schön aufregen können. Wir alle haben vor dem Start der Dreharbeiten zusammengesessen und darüber gesprochen, wie einzelne Szenen oder bestimmte Abschnitte des Drehbuchs funktionieren. Dabei haben wir uns immer wieder in ausufernden Diskussionen über die Thesen des Films verloren. Ich glaube, dass solche Filme jeden, der an ihnen arbeitet, ein bisschen schlauer machen.

FILMSTARTS: Bei der Vorbereitung auf den Dreh habt ihr euch natürlich mit dem Roman von Dan Brown beschäftigt. Aber seit ihr darüber hinaus auch direkt zu Dantes „Göttliche Komödie“ zurückgegangen?

Tom Hanks: Natürlich gehen wir zuerst zur Gospel von Dan Brown und sehen uns an, welche Gedanken er sich gemacht und wie er die Dinge ausformuliert hat. Aber darunter schlummern zugleich immer auch Dantes „Göttliche Komödie“ und Botticellis „Karte der Hölle“, zu denen wir auch immer und immer wieder zurückgekehrt sind. Das sind die Wurzeln unseres Films, denn es sind auch die Wurzeln von Dans Buch. Und wenn wir hier in Florenz im Schatten des Palazzo Vecchio zu Mittag essen, dann hatten wir dabei auch schon Diskussionen über Dantes „Göttliche Komödie“.

Felicity Jones: Ich denke, wir alle wollten vorab so viel Recherche wir möglich betreiben. Man zehrt aus allem um sich herum und jetzt, wo wir hier in Florenz drehen, laufen wir zwischen den Szenen herum und sehen uns die originalen Botecelli-Gemälde an. Man wird davon komplett überwältigt, wisst ihr? Wir haben ein riesen Glück, dass wir an diesen wunderschönen Orten mit all diesen unglaublichen Kunstwerken drehen können.

FILMSTARTS: Dan Brown hat uns erzählt, dass ihn viele seiner Professoren und Lehrer dazu inspiriert haben, die Figur des Robert Langdon zu entwickeln. Hattet ihr auch einen Lehrer, der euch ganz besonders inspiriert hat?

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Das Trio hat die Totenmaske von Dante in der Chiesa Santa Margherita dei Cerchi gefunden.
Felicity Jones: Ich hatte einen unglaublichen Lehrer in meiner Theatergruppe, die ich im Alter von elf bis 18 Jahren neben der Schule besucht habe. Weil er uns trotz unseres Alters nie von oben herab behandelt, sondern mit uns immer auf Augenhöhe diskutiert hat, war er jemand, der mir schon in jungen Jahren das Gefühl gab, dass ich tatsächlich eine Schauspielerin werden könnte. Ohne ihn wäre ich wohl gar nicht auf die Idee gekommen, dass das überhaupt eine ernsthafte Option sein könnte.

Tom Hanks: Natürlich, mein Geschichtslehrer im Junior College in den Jahren 1974 bis 1976. Er hat uns eine Methode nahegebracht, die Struktur der Geschichte zu untersuchen, die ich noch bis heute anwende. Denn das Ziel seiner Vorlesungen war nie, dass wir einfach nur lernen, was wann passiert ist. Stattdessen geht es vor allem immer um das Verständnis der menschlichen Natur, denn Geschichte ist immer nichts anderes als eine Ansammlung von menschlichem Verhalten. Und es ist erschreckend zu erkennen, wie oft sich menschliches Verhalten selbst über die Jahrhunderte hinweg nicht ändert.

Inferno“ startet am 13. Oktober 2016 in den deutschen Kinos!
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