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Wie aus einer sprechenden Trommel der Sound von "Black Panther" wurde: Unser Interview mit Komponist Ludwig Göransson
Von Alexander Friedrich — 19.07.2018 um 07:30
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Anlässlich des Heimkinostarts von „Black Panther” haben wir uns mit dem schwedischen Komponisten Ludwig Göransson über seine markante Filmmusik zum Marvel-Hit unterhalten.

Walt Disney / Marvel

Marvel dominiert die Kinoleinwände wie nie zuvor. Der neue Hit „Ant-Man And The Wasp“ steht in den Startlöchern, während der Mega-Ensemblefilm „Avengers 3: Infinity War“ noch immer zahlreiche Comicfans in die Säle lockt. Vierterfolgreichster Film aller Zeiten darf sich der Titel nennen, doch in den USA war 2018 ein Werk bislang sogar noch umsatzstärker: „Black Panther“ konnte in den Staaten über 699 Millionen US-Dollar einspielen und nimmt damit den dritten Rang in der ewigen Bestenliste der erfolgreichsten Filme in den USA ein.

Die Begeisterung kannte bei den Zuschauern keine Grenzen. Endlich ein schwarzer Superheld, umgeben von einer überwiegend schwarzen Besetzung sowie ein afrikanisches Setting – Marvel hat mit dem 18. MCU-Ableger und dem Superheldenfilm der etwas anderen Art eine Menge richtig gemacht. Die gelungene Atmosphäre ist dabei auch der Musik des Films zu verdanken: Mit einem ungewöhnlichen Mix aus afrikanischen Klängen und westlichen Hip-Hop-Beats schuf der schwedische Musiker Ludwig Göransson einen so neuartigen wie eindringlichen Score. Für „Black Panther“-Regisseur Ryan Coogler ist er längst sein Stammkomponist.

Austin Hargrave
Ludwig Göransson bekam mit sieben Jahren sein erstes Instrument, eine E-Gitarre.

FILMSTARTS: Black Panther” ist nach „Fruitvale Station” und „Creed”  bereits deine dritte Zusammenarbeit mit Regisseur Ryan Coogler. Wie war es, mit ihm nun zum ersten Mal an einem so viel größeren Film zu arbeiten?

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Black Panther"

Ludwig Göransson: Es war toll. Ich meine, wir arbeiten ja schon seit zehn Jahren zusammen. Wir haben uns damals während des Studiums in den USA kennengelernt, sind seitdem enge Freunde und haben viel zusammen erlebt. Doch dieses Projekt war noch einmal völlig anders als alles andere, woran wir bisher gearbeitet haben. Allein, dass es ein so viel größerer Film war, stellte schon eine riesige Herausforderung dar, auch weil Ryan einfach die am härtesten arbeitende Person ist, mit der ich je zu tun hatte. Er hat mich so inspiriert und immer angetrieben, noch härter zu arbeiten. Er ist wirklich einzigartig.

FILMSTARTS: Am interessantesten fand ich persönlich das Thema des Bösewichts Killmonger. Es klingt ganz anders als der Rest der Musik. Wie bist du auf dieses spannende Stück gekommen?

Ludwig Göransson: Als Ryan und ich das erste Mal über Killmonger gesprochen haben, ging es vor allem darum, dass er zwar wakandandischer Abstammung, aber in Amerika aufgewachsen ist. Also musste seine Musik sich deutlich von Wakanda unterscheiden. Ich dachte darüber nach, wie die Musik klingen könnte, die Killmonger selbst gerne hört. So kamen wir auf die Idee, seine Klänge wesentlich moderner zu gestalten und dadurch entstand sein eher Rap-artiger Sound. Ich wollte trotzdem etwas Wakanda in seine Melodie mit einbringen, deswegen kam ich auf die Fula-Flöte, ein afrikanisches Instrument. Ich wollte damit seine afrikanischen Wurzeln akustisch hervorbringen.

Walt Disney / Marvel
Der besondere Antagonist Erik Killmonger (Michael B. Jordan) bekam auch ein besonderes musikalisches Thema.

FILMSTARTS: Du greifst viele verschiedene afrikanische Klänge im Soundtrack auf. Doch Wakanda ist ein fiktiver Staat. Gab es bestimmte Kulturen oder musikalische Leitmotive aus Afrika, die dich zum Wakanda-Thema inspiriert haben?

Ludwig Göransson: Ja. Nachdem ich das erste Mal das Skript gelesen habe, bin ich zur Recherche nach Afrika gereist. Ich war im Senegal, der im Westen liegt. Vor allem dort  gibt es diese ganz besonderen afrikanischen Instrumente, wie die Sabar-Trommel, die einfach so eine tolle Energie versprüht, oder die Talking Drum (dt.: sprechende Trommel). All die verschiedenen Rhythmen und Melodien, die ich geschrieben habe, stammen zum größten Teil aus der westafrikanischen Kultur. Im Senegal gibt es zwei bestimmte Völker: Das Volk der Wolof und die Fulbe, die beide zu den größten Stämmen in Westafrika gehören. Ein großer Teil der Filmmusik stammt von diesen zwei Kulturen.

FILMSTARTS: Nachdem du nun Klänge einer fremden Kultur wie der afrikanischen für einen Film genutzt hast, kannst du dir auch vorstellen, für einen zukünftigen Film auch Klänge aus deiner schwedischen Heimat und deiner eigenen Kultur mit in die Musik einfließen zu lassen?

Ludwig Göransson: Ja, absolut. Mal eines Tages die Melodien aus der schwedischen Kultur aufzugreifen, würde mir natürlich sehr viel Spaß bereiten. Ich liebe es einfach, Musik zu schreiben und mag auch alle Arten davon. Das Schöne beim Komponieren von Filmmusik ist, dass diese immer sehr von der Art des Films abhängt. Du lernst dabei, verschiedene Stile zu finden und völlig neue Arten von Musik zu kreieren. Gerade bei „Black Panther” war das ganz besonders der Fall. Der Film war nicht nur eine große Herausforderung, sondern auch eine riesige Möglichkeit für mich.

Austin Hargrave
Göransson denkt darüber nach, was er alles mit Vibranium anstellen könnte...

FILMSTARTS: Wakanda nutzt das Vibranium ja für seine eigene Technologie und Waffentechnik. Stell dir vor, du könntest dieses seltene Super-Metall für ein Upgrade deines Musik-Equipments nutzen...

Ludwig Göransson: Ich würde es vielleicht dafür verwenden, dass ich zum Beispiel ein automatisches Orchester auf Abruf hätte oder dass ich mich einfach zurücklehnen kann, während sich die Noten auf dem Papier oder die musikalischen Ideen ganz von selbst zu Musik auf dem Computer verwandeln.

„Black Panther“ ist ab dem heutigen 19. Juli 2018 auf DVD und Blu-ray erhältlich und kann bei Online-Versandhändlern wie Amazon bestellt werden*. Dort und bei anderen VoD-Anbietern gibt es auch bereits den digitalen Download zum Kauf*.

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