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    Flugzeug-Drama "Sully": So hat Clint Eastwood an der Wahrheit gedreht
    Von Carsten Baumgardt — 16.06.2019 um 15:00
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    Clint Eastwood hat sich bei seinem auf wahren Begebenheiten beruhenden Luftfahrt-Drama „Sully“ sehr eng an die Fakten gehalten – allerdings nicht immer. Wir verraten euch, wo der Regie-Veteran von der Realität abgewichen ist.

    Warner Bros.

    Am 15. Januar 2009 rieben sich Fernsehzuschauer rund um die Welt verwundert die Augen, als plötzlich in den Nachrichten ein Verkehrsflugzeug zu sehen war, das nach einer Notlandung auf dem eiskalten Hudson River von New York trieb – umringt von Fährbooten, deren Mitarbeiter die Passagiere in Sicherheit brachten. Clint Eastwood („American Sniper“) verfilmte diese unglaubliche, aber wahre Geschichte des US-Airways-Flugs 1549 mit Tom Hanks in der Hauptrolle des mittlerweile legendären Captains Chesley „Sully“ Sullenberger.

    Das Verkehrsflugzeug musste auf dem Weg von La Guardia Airport in New York nach Charlotte nach einem doppelten Triebwerksauffall aufgrund eines Vogelschlags notwassern – ein Manöver, das fast immer Tote fordert. Hier überlebten alle. Diese Notwasserung des Airbus A320-214 gilt als fliegerische Meisterleistung, weil Flugzeuge unter einer derartigen Belastung beim Aufprall normalerweise auseinanderbrechen. Sullenberger wählte beim Eintauchen aber den exakt richtigen Anstellwinkel der Tragflächen, sodass die Maschine intakt blieb. Es war die erst vierte Notwasserung eines Düsenflugzeugs in der Luftfahrgeschichte ohne den Verlust von Menschenleben.

    Die ruhige, nüchterne und doch emotionale Inszenierung legt die Vermutung nahe, die Überprüfung der Fakten bestätigt es: Eastwoods Biografie-Drama „Sully“ ist tatsächlich verdammt nah an der Realität. Nach einem Vogelschlag durch Kanada-Gänse fallen wenige Minuten nach dem Start beide Triebwerke aus und Captain Sullenberger entscheidet binnen weniger Sekunden, sein mit 155 Menschen besetztes Linienflugzeug in den Hudson River zu setzen, anstatt zum nahen Flughafen Teterboro in New Jersey zu fliegen oder zum La Guardia Airport zurückzukehren. Die allermeisten Details, die im Film sichtbar sind, stimmen. Sullenberger fungierte auch als Berater am Set des Films und verbrachte einige Zeit mit Tom Hanks.

    Weniger Drama für echten Chesley Sullenberger

    Ein Film braucht allerdings auch eine gewisse Dramaturgie, um zu funktionieren. Deshalb hat sich Regisseur Eastwood zwei Freiheiten genommen, um „Sully“ unterhaltsamer zu machen. Zum einen hatte Chesley Sullenberger anders als im Film kaum Selbstzweifel an seiner hochgewagten Aktion, die am Ende positiv ausging. Zumal die Medien ihn als Held vom Hudson (zu Recht) überschwänglich feierten. Er wusste die öffentliche Meinung auf seiner Seite.

    Als zweite Abweichung werden die Mitglieder des NTSB-Untersuchungsausschusses mit ihrer kritischen, beinahe schon feindlichen Art gegenüber dem Film-Sullenberger zu Antagonisten hochstilisiert, um das Werk dramatischer wirken zu lassen. Die Untersuchung der US-Verkehrsbehörde NTSB gab es tatsächlich, sie fiel aber bei weitem nicht so kritisch aus, wie dargestellt. Deshalb werden anders als bei Passagieren und Crew bei den NTSB-Vertretern auch fiktive Charaktere verwendet, um niemanden zu Unrecht zu diskreditieren. Das geschah auf Druck von Sullenberger, der Eastwoods Dämonisierung auch übertrieben fand. NTSB-Chefermittler Robert Benzon wehrt sich in The Daily Beast: „Ich weiß nicht, warum der Autor und der Regisseur sich entschieden haben, die Rolle des NTSB so verzerrt dazustellen. Ihr Umgang mit dem NTSB ging weit über die Grenzen künstlerischer Freiheit hinaus in den Bereich böswilliger Unehrlichkeit.

    FILMSTARTS-Kritik zu "Sully"

    „Sully“ läuft am Sonntag, 16. Juni 2019 als Free-TV-Premiere um 20.15 Uhr bei Sat.1.

     

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