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David Willson
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2,5
Veröffentlicht am 6. April 2026
Wenn die junge, hübsche, gehörlose Steffi als Teil eines Arbeitsamt Maßnahme den blinde, größer, mindestens 5 Jahre älterer, blinde Florian zufällig trifft könnte ein freundliche Verhältnis daraus entwickeln. Problematisch ist es aber, dass die Beiden schwer kompliziert von schwierigen Familienbeziehungen belastet sind. Sie kommen unheimlich fragil und reizbar vor, und die Zärtlichkeiten sind sparsam dosiert. Viele Klischees der Missständen behinderter Menschen erleben, kommen hier ungelöst vor. Am schlimmsten, der Film ist ganz unzugänglich für Gehörlosen aber noch schlimmer für blinden Menschen ohne ausführliche Unterstützung von einem Dolmetscher.
seeeehr schwieriger film. ein solider film als drama, unbestritten. aber eben auch nur als drama. wiederhole: nur als drama.
an die vielen minuten, in denen der film ohne ton auskommt, weil der film teilweise direkt aus der sicht von kati (Cindy) spielt und sie natürlich nichts hört, oder sich die leute mit ihr in gebärdensprache austauschen, und man dann logischerweise auch nichts hört, ach, daran gewöhnt man sich recht schnell. das ist nicht das problem.
das problem sind die klingelstreiche den ganzen film über.
er kann nichts sehen und sie kann nichts hören. in einer total schmalzigen hollywood schmonzette würde er für sie hören und sie für ihn sehen und alle sind happy und der kitschige liebes-schmalz trieft nur so aus der leinwand. hier ist das aber nicht so. irgendwie gibt es hier immer irgendwas, was schwierig ist. und dann kommen die klingelstreiche.
dann klopft die hoffnung, dass alles gut werden wird, von draussen an die tür. und wenn man nachsehen will und die tür öffnet ist die hoffnung schon weg. dann kommt der nächste schwierige moment. und dann klopft die hoffnung, dass alles gut wird, wieder an die tür. und man öffnet wieder die tür und die hoffnung ist wieder weg. spurlos verschwunden. und dann kommt wieder das nächste problem, es klopft wieder an der tür, keine hoffnung zu sehen und dann kommt wieder das nächste problem und so weiter und so weiter und so weiter.
vielleicht hätte man das drehbuch einfach nach hollywood schicken und "to whom it may concern" draufschreiben sollen. dann wäre da bestimmt ein kitschiger je zu 50 : 50 drama > < feel-good-movie draus geworden.
die herausforderung, diesen film so authentisch (und damit auch schonungslos) wie möglich zu drehen, um die situation von blinden und tauben darzustellen, kann ich ja irgendwie nachvollziehen. so einen film hat, glaube ich, vorher noch nie jemand gemacht. aber mir war das eindeutig zu viel drama, zu viele probleme und kein einziger lichtstreif am horizont für wenigstens 40prozent feel-good-movie. stichwort ´drama´ und ´probleme´ würd ich sagen: irgendwie ein bischen über´s ziel hinausgeschossen. auch, wenn diese probleme in der realität ja tatächlich existieren. (und auch, wenn irgendwann irgendwer mal genauer darauf aufmerksam machen musste)
Mit seinem Debütfilm präsentiert Milan Skrobanek ein Liebesdrama über zwei Menschen, die gehörlos bzw. blind sind. Hier unsere Besprechung zu „Als wäre es leicht“, der beim Filmfest Hamburg Premiere feierte.
Auf ganz unterschiedliche Arten nehmen Kati und Florian die Welt wahr: Sie ist gehörlos und liebt es zu fotografieren, er ist blind und arbeitet ehrenamtlich beim St. Pauli-Fanradio. In seinem Spielfilmdebüt erzählt Milan Skrobanek mit viel Feingefühl die Geschichte einer Liebe, die auf zahlreiche Hürden trifft. Florian lebt zunächst vom Bürgergeld und würde am liebsten nur die ehrenamtliche Arbeit beim Radio durchführen. Von seinem Sachbearbeiter wird er allerdings dazu verdammt beim Dialoghaus Hamburg zu arbeiten, worauf er so gar keine Lust hat. Dort trifft er auf Kati, die direkt Interesse an ihm zeigt – die Figuren werden von David Knors und Cindy Klink verkörpert, die selbst blind bzw. gehörlos sind. Beide sind echte Entdeckungen und legen eine wahnsinnig starke Schauspielleistung hin – insbesondere Knors muss an dieser Stelle hervorgehoben werden, der hier das erste Mal vor der Kamera steht.
Schnell sind die Sprachbarrieren der Protagonisten mithilfe von Apps oder einer besonderen Art der Gebärdensprache, bei der man die Hände des Gegenübers berührt, überwunden. Nach einem ersten Date werden die beiden ein Paar, doch ganz so glatt gestaltet sich die noch frische Beziehung nicht: Gerade Katis Mutter scheint wenig begeistert zu sein, dass der neue Partner ihrer Tochter blind ist. Außerdem geraten die Hauptfiguren immer wieder wegen Nichtigkeiten aneinander, etwa, wenn ein Fahrradreifen plötzlich platt ist, Florian aber beim besten Willen nicht ausmachen kann, wo das Loch denn nun sein soll.
Gerade diese Streitigkeiten sind es, die dann doch teils etwas überzogen wirken und für eher erzwungenes Drama sorgen. So gestaltet es sich doch etwas schwierig für die Zuschauenden, eine Bindung zu dem Paar aufzubauen, dass sich die meiste Zeit über nur zu streiten scheint. Neben dem Liebesdrama werden aber auch noch andere Aspekte aus dem Leben von Florian und Kati erzählt: Insbesondere die Beziehungen zu ihrer Familie spielen eine zentrale Rolle. Florian hat den Kontakt zu seinem Vater und seinen Geschwistern komplett abgebrochen, während Kati sich mit ihrer Mutter zofft, die darauf besteht, dass sie ein Cochlear-Implantat bekommt, mit dem sie wieder hören könnte. Allerdings weigert sie sich, nicht nur, weil sie ihre Gehörlosigkeit nicht als Behinderung bzw. etwas, was repariert werden muss, ansehen möchte, sondern auch wegen der Vorurteile, die Viele gegenüber dieser Technologie hegen. „Du weißt gar nicht, wie über diejenigen gelästert wird, die ein Cochlear-Implantat haben“ sagt sie an einer Stelle. Ebendieses Stigma hatte bereits „Sound of Metal“ 2019 behandelt und sich dabei sehr stark auf die Community der Gehörlosen fokussiert.
Bei „Als wäre es leicht“ wird dagegen keine der Communities besonders in den Vordergrund gerückt; auch geht es nicht um das Zurechtfinden mit der eigenen Behinderung. Stattdessen fühlen sich beide Protagonisten wohl in ihren Körpern – ihre Gehörlosigkeit bzw. Blindheit wird hier schlicht als Selbstverständlichkeit dargestellt. Dabei wird die Perspektive von Kati immer wieder unmittelbar für die Zuschauenden erlebbar gemacht, indem in einigen Szenen nur ein dumpfes Rauschen zu hören ist – das Publikum hört in diesen Momenten also genauso wenig wie sie. Schade ist nur, dass diese kluge Idee nicht auch auf die Szenen mit Florian angewendet wurde. Vielmehr orientiert sich die Kamera stattdessen an Kati und lässt etwa einzelne Momente einfrieren, von denen sie gerade ein Foto geschossen hat. Andere Szenen wiederum wurden, an den Stil von Wong Kar-Wai erinnernd, in Slow Motion mit einer niedrigen Framerate gedreht und wirken dadurch wunderbar träumerisch. So liefert Milan Skrobanek einen handwerklich starken Film ab, der Perspektiven zeigt, die so leider viel zu selten im Kino abgebildet werden und dabei das Herz stets am rechten Fleck hat.