Verflucht Normal
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BrodiesFilmkritiken
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11.858 Follower 5.069 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 23. Mai 2026
Hier gibt der Trailer eigentlich schon den ganzen Film vorweg, was aber erstaunlich wenig ausmacht. Wir erleben einen jungen Mann am Anfang der 80er Jaher, bei dem das Tourette Syndrom ausbricht, was aber sein Umfeld nicht kennt, weswegen er permanenter Ausgrenzung und Anfeindung ausgesetzt ist. Dreizehn Jahre später findet er ein verständnisvolles Umfeld, welches ihm hilft seinen Zustand zu akzeptieren und sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Das führt zu einer langen Reihe an sanften, warmherzigen Momenten und insbesondere die liebevolle Mutter Dottie stellt eine unendlich gutherzige Figur dar. Mit sanfter Schilderung und tollen Darstellern entsteht hier optimistisches Wohlfühlkino, das einen am Ende sehr positiv entlässt.

Fazit: Mit Herz und viel Gefühl geschildertes Krankendrama!
FILMGENUSS
FILMGENUSS

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3,5
Veröffentlicht am 4. Juni 2026
VOM ZWANG, TABUS ZU BRECHEN
von Michael Grünwald /

Das Päckchen Marihuana unter dem Trainingsanzug sollte um alles in der Welt unentdeckt bleiben – erst recht, wenn zwei Polizisten den Weg kreuzen. Verhalte dich unauffällig! Doch John Davidson kann nicht anders. Er muss es lauthals in die Gegend brüllen: „Ich hab‘ Drogen! Ich hab‘ Drogen hier drunter versteckt!“

Eine Krankheit reflektiert die Gesellschaft

Diese eine Szene aus dem biografischen Tatsachendrama Verflucht normal bringt das Problem, das Betroffene mit dem Tourette-Syndrom haben, gezielt auf den Punkt. Was man dabei kaum übersehen kann: Diese Krankheit reflektiert vor allem das soziale Umfeld. Je nach Kulturkreis sind es andere Tabus, andere Benimm-Ordnungen, die duch stark ausgeprägte Tics anfallsartig gebrochen werden.

Bezieht sich diese Zwangshandlung auf Schimpfworte, spricht man von Koprolalie – das aber ist wiederum nur ein Symptom innerhalb des Syndroms, und tritt auch nicht bei allen auf, die an Tourette erkrankt sind. Heilbar ist dieser Zustand nicht, allerdings lässt er sich mittlerweile lindern.

Der Teufelskreis aus Kränkung und Unwissen

Kirk Jones spart diese hoffnungsvollen Zukunftsaussichten in seinem bewegenden Film auch nicht aus, gibt aber vor allem Einblick in jene Zeit, in der unfreiwilliges Schimpfen, unkontrollierte Bewegungen und das Hinausposaunen von kompromittierenden Gedanken noch lange nicht auf Verständnis stießen.

Anfang der Achtziger weiß noch niemand, was Tourette überhaupt sein soll. Und genau so wenig versteht man, wieso dieser Teenager John Davidson seinen Kommilitonen Beleidigungen hinterhersagt, um sich dann, aus reiner Notwehr, am Pausenhof zu prügeln. Weder die Schule noch die Familie noch sonst wer versteht, was mit John passiert. Nicht mal er selbst.

Der lange Weg zur Akzeptanz

Mit welchen Auffälligkeiten diese quälende Reise eines Lebens beginnt – das zeigt Jones konzentriert, aufschlussreich und mit ausreichend Mitgefühl. Sein Schwerpunkt liegt in der Anbahnung von etwas Schrecklichem, das Teil einer Normalität werden soll. Anfangs scheint das unmöglich. Und das Publikum selbst ringt mit der Fassung, wenn der Traum einer Fußballkarriere dem prekären Leben eines ins soziale Aus gedrängten Notstandbeziehers weicht.

Alles, nur keine Lachnummer

Jahre später schlüpft Robert Aramayo (Die Ringe der Macht, Palästina 36) in die Rolle dieses späteren Aufklärers und Lebenskünstlers, der sogar vor der Queen fluchen muss – doch da ist längst klar, welche Regeln hier gelten.

Verflucht normal beschreibt diesen langen, steinigen Weg eines herzensguten Menschen, der tagtäglich damit gequält wird, Tabus brechen zu müssen. Dabei ist das Küssen schräger Laternenpfahle das geringste Übel, das Unverständnis anderer das Größte. Dieser Leidensweg lässt sich in jeder Szene spüren, doch niemals neigt Kirk Jones in seiner Chronik einer Krankheit zum Selbstmitleid, zum Mitleid oder zu Sentimentalitäten, geschweige denn inszeniert er die Krankheit als Lachnummer – was in einigen Komödien früherer Dekaden mitunter der Fall war.

Nachher ist man immer klüger? Hier auf jeden Fall!

Robert Aramayo ist in dieser Rolle schlichtweg brillant, unaufgeregt aufgeregt und in der Ausgestaltung der Symptome so hingebungsvoll wie darauf bedacht, niemals zu übertreiben. Wer auch nur ansatzweise selbst mit Zwangsgedanken oder -handlungen zu tun hat (und ich vermute ganz ehrlich, das sind nicht wenige), den bringt Kirk Jones auf Schiene.

Hier lässt sich andocken, weiterdenken bis zum Worst Case – und verstehen, wie Tourette funktioniert. Umso mehr fiebert man mit, als Kumpel von John, und umso mehr kann man einen Seufzer der Erleichterung nicht unterdrücken, wenn das Hirn seine Fesseln lockert und die Universitätsbibliothek plötzlich auch zu einem Ort wird, den man aufsuchen kann. Denn in sich selbst ruhen zu können ist eines der schönsten Dinge auf der Welt.



Mehr Reviews und Analysen gibt's auf !
beco
beco

83 Follower 449 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 9. Juni 2026
Was für ein toller Film über einen Menschen mit Tourette-Syndrom, der sich einer Umwelt gegenübersieht, die kein Verständnis hat, aus Unkenntnis oder aus Ignoranz. Wie sich John mit Hilfe von Dottie und anderen langsam aus seiner Außenseiterrolle befreit ist absolut sehenswert und sehr berührend und sehr zu Recht hat Robert Aramayo den britischen Oskar (Bafta) für seine schauspielerische Leistung erhalten.
Absolut sehenswert
Rob T.
Rob T.

7 Follower 394 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 3. Juni 2026
Es schleicht sich in sein Leben ein, und bald lässt es sich nicht mehr unterdrücken bis es sein Leben bestimmen wird.
John Davidson (Scott Ellis Watson) ist 12, als die Ticks anfangen. Es sind Zuckungen, Verrenkungen und dann auch Ausrufe, Schreie, vulgäre Wörter. John kann es nicht beeinflussen.
Allerdings glaubt ihm niemand. Denn in Schottland kennt man Anfang der 80er noch nicht das Tourette-Syndrom. Stattdessen wird john gehänselt, verprügelt, und er droht, von der Schule zu fliegen. Auch zu Hause unterstützt ihn niemand.
Erst später gibt es die passende Diagnose. Aber auch 15 Jahre danach lebt John (Robert Aramayo) noch bei seiner Mutter (Shirley Henderson). Er nimmt Medikamente, aber seine Ticks kommen immer wieder.
Alles ändert sich, als er seinen ehemaligen Klassenkameraden Murray wiedertrifft. Seine Mutter Dottie (Maxine Peake) ist Krankenschwester, und sie kennt sich mit dem Tourette-Dyndrom aus. Kann John es schaffen, ein einigermaßen normales Leben zu führen?

Als Zuschauer tut es richtig weh, dem Teenager dabei zuzusehen, wie er zunehmend unter seiner Krankheit leidet und nirgendwo Gehör und Verständnis findet. Aber es ist nicht nur das Leid des Nichtwissens, später ist es auch die Unterdrückung, die John zu schaffen macht. Er wohnt zu Hause, geht kaum raus, hat keine Perspektive.
Dotty bringt die Wende, und da nimmt Johns Leben eine Wende, aber eben auch der Film. "Verflucht normal" ist über weite Strecken ein sehr positiver Film, der zeigt, was alles möglich, wie weit man kommen kann, wenn man die richtigen Förderungen und Anregungen bekommt.
Hin und wieder sorgt die Krankheit und ihren Auswirkungen aber auch für wahnsinnige komische Momente. Wenn man Tourette-Kranke unter sich für einen Moment ihre Ticks rauslassen, muss man einfach lachen, auch weil sie das ja selber komisch finden.
Robert Aramayo spielt John hervorragend. Er hat die Tricks sehr gut drauf. Wie es Regisseur Kirk Jones sowieso richtig gut gelungen ist, Stimmungen und Momente einzufangen.
In Großbritannien ist John Davidson sehr berühmt. Er ist es, der damit angefangen hat, zu lehren, wie andere Personen mit dem Syndrom umgehen sollten, und er hat auch Betroffene zusammengebracht und somit viel ins Rollen gebracht.
Lemmiblog
Lemmiblog

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4,5
Veröffentlicht am 31. Mai 2026
TOURETTE IST NICHT DAS PROBLEM

John war als Teenager beliebt, spielte gut Fußball und hielt die Familie zusammen. Doch als die Tics begannen und er unentwegt fluchte, ja sogar um sich schlug, zerbrach seine Welt. Er wird gemobbt, sein Vater verlässt die Familie und sogar Selbstmord steht im Raum.

Verflucht Normal geht ca. 120 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben. Wir haben hier die reale Geschichte von John Davidson und wie er und sein Umfeld, klarkommen mussten, auf ewig angestarrt, kopfschüttelnd beäugt und sogar zusammengeschlagen zu werden.
Ganz ehrlich, läuft einem auf der Straße jemand entgegen, der zuckt, flucht oder um sich schlägt, hält man die Person für nicht ganz dicht. Die Aufklärung über Tourette ist hier so gut umgesetzt, dass die 2h Laufzeit förmlich verfliegen.
Es gibt unzählige Momente, in denen man lachen muss. Vor allem wenn Hausmeister Tommy auftaucht, entwickelt sich eine Wärme und Herzlichkeit, die umwerfend ist. Gleichzeitig sehnt man sich nach jeder Szene, in der John bitte nichts tut. Wenn er mit einer Frau spricht oder neben einem Hund sitzt wartet man darauf, dass der nächste Tic kommt. Das ist grausam, weil man weiß, dass er nichts dafür kann. Versuch das aber mal Leuten zu erklären, die ihn nur fünf Sekunden gesehen haben. Nie Freunde zu haben, kaum Zuneigung von der Familie zu bekommen und gleichzeitig zu wissen, dass die Krankheit niemals verschwinden wird, das ist ein Schlag in die Magengrube und wir schauen ihm nur zu. Stellt euch vor, ihr müsstet nur einen Tag in seinen Schuhen verbringen.
Was den Film so stark macht, ist die Tatsache, dass Tourette nie als Monster dargestellt wird. Das eigentliche Problem sind die Menschen drumherum. Die Blicke. Das Gelächter. Die Angst. Die Vorurteile. Tourette sorgt für die Tics, die Gesellschaft erledigt den Rest.
Unterm Strich bleibt ein Werk das berührt und schauspielerisch eine Granate ist. Das Thema ist hochinteressant und die schockierenden wie auch lustigen Momente bleiben im Gedächtnis.

9/10 Punkten. Niemals eine Beziehung zu führen, in einem Restaurant essen zu können oder einfach nur in einer Bibliothek zu stehen, ist mehr Horror als es jeder Horrorfilm jemals sein könnte.
David Willson
David Willson

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5,0
Veröffentlicht am 3. Juni 2026
Wie wäre es krank zu sein und nicht nur ganz missverstanden zu sein, sondern dafür verprügelt, verspottet und bestraft dafür zu sein. So ist die Lebensgeschichte von John Davidson, ein schottische Jugend, der mit c. 12J an Tourette Syndrome erkrankt mit schwerwiegender Konsequenzen für sein Leben. John und seine Ziehmutter sind ausgezeichnet dargestellt. Und die Geschichte der Entdeckung seines Lebensweg ist emotional tiefergreifend und traurig, aber auch ermütigend, wie man die Erzählung der Lebenserfahrungen einsetzen kann, um Anderen zu helfen.
Fazit - Aufklärung, Geduld und Toleranz können unheimlich viel erreichen, sie sind aber nicht nur Wörter, sie müssen in Taten umgesetzt werden.
White Tiger
White Tiger

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4,5
Veröffentlicht am 28. April 2026
Im Rahmen der Sneak gesehen
Die wahren Geschichten sind halt immer die Besten!
Eine unglaubliche Lebensgeschichte, die berührt, betroffen macht und Hoffnung gibt.
Ich würde mir wünschen, dass der Film möglichst viele Zuschauer bekommt!
Jochen
Jochen

3 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 9. Juni 2026
Wow! Wow! Der Trailer war für mich sehr auf die vermeintlich lustigen Momente fokussiert. Klar, er soll ja Zuschauer ins Kino locken. Der Film selbst ist aber eher bittersüß. Mir tat John zusehends leid, er leidet unter seiner Krankheit und, das ist ja das teuflische an dem Tourette Syndrom, springt voller Wucht in jedes Fettnäpfchen hinein.
Ein mehr als nur berührendes Drama! Und eine echte Freude den Schauspielern zuzusehen. Ganz großes Kino!
Pietsch Georg1
Pietsch Georg1

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5,0
Veröffentlicht am 4. Juni 2026
Ich war von dem Film sehr berührt.
Die Schauspielenden waren alle großartig. Auch die Filmsets waren durchgehend der entsprechenden Zeit ausgewählt.
Eine fantastische Geschichte, welche die Tourett-Erkrankung aus Sicht eines Heranwachsenden sehr präzise beschreibt.
Der Film beginnt mit der Queen und endet mit ihr.
Volko Ebeling
Volko Ebeling

1 Kritiken User folgen

3,0
Veröffentlicht am 15. Juni 2026
Na ja, mit "Ein Tick anders" aus dem Jahr 2011 gab es in Deutschland auch bereits eine sehr gute filmische Aufarbeitung des Tourette-Syndroms. Tourette wird hauptsächlich durch die motorischen Tics geprägt, weniger durch die vokalen Tics. Und unter den vokalen Tics ist die sog. "Koprolalie" nur sehr selten anzutreffen. Also hat die filmische Überspitzung der vokalen Tics nichts mit der wirklichen Erkrankung zu tun, sondern mehr mit Unterhaltungswert. Wenn´s der Aufklärung und dem Verständnis/Akzeptanz Betroffener hilft, warum nicht...
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