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Veröffentlicht am 22. Dezember 2025
Eines muss man Extrawurst ja lassen: Er löst in mir Gefühle aus.
Ich würde mich als ein Verfechter des deutschen Films bezeichnen. Wie oft habe ich mich in Diskussionen schon hingestellt und verkündet "Nein, der deutsche Film ist nicht so schlecht wie alle sagen. Denkt an Sonne und Beton, denkt an Toni Erdmann, denkt an Oh Boy". Und dann kommt so ein Film wie Extrawurst daher und ersticht seinen treuesten Verteidiger von hinten in den Rücken. Auch du, Hape Kerkeling?
Vereinssitzung im ländlichen Tennisclub: Mit eiserner, diktatorischer Hand führt Präsident Heribert "seinen" Tennisclub seit über 20 Jahren, und auch heute wurde er mit ein wenig nonverbalen Nachdruck erneut einstimmig wiedergewählt. Eigentlich steht dem jetzt beginnenden Sommerfest nichts mehr im Weg. Eigentlich...denn Vereinsmitglied Melanie fordert für ihren Doppelpartner Erol, dem einzigen muslimischen Mitglied im Club, als Zeichen des guten Willens einen Extragrill, damit dieser beim Sommerfest auch mitgrillen kann. (An dieser Stelle das einzig Positive im Film: Auch die Filmschaffenden scheinen sich der Trivialität des Themas durchaus bewusst). Aus dieser einfachen Bitte entwickelt sich ein Streitgespräch über sämtliche Diskussionsthemen an Deutschlands Stammtischen: Veganismus, Klimawandel, Politik, Meinungsfreiheit, Patriarchat, Ausländerhass, Homosexualität, Chauvinismus, Rassismus, toxische Männlichkeit...es ist wirklich alles dabei, und kein einziges Thema wird ordentlich ausdiskutiert. Ganz im Gegenteil, auch die Produktion weiß anscheinend, dass kurze Filme öfter im Kino gespielt werden und löst das ganze Dilemma mit dem klassischen großen Knall auf. Das man sich der Tragweite der Themen, die angeschnitten werden, überhaupt nicht bewusst ist, beweist der Cliffhanger, bei dem man ein hochsensibles Thema ins Lächerliche zieht.
Extrawurst ist ein Film zum Fremdschämen, gemacht von Leuten, die in ihrer heilen Bubble nur in der Zeitung über die Themen lesen, mit denen sie sich zu beschäftigen scheinen, davon aber eigentlich keine Ahnung haben, und "Betroffenen" so ins Gesicht spucken. Eine absolute Frechheit für den deutschen Film!
Ich habe ihn gesehen in Essen. Das Kino war bis unter das Dach voll und hat sich tot gelacht. Der Film ist wahnsinnig lustig und hat tolle Schauspieler. Richtig gute Kammerspiel Kommödie mit Substanz.
„Der Film basiert auf einem Theaterstück, und das merkt man auch. Die Geschichte spielt lediglich an einem Nachmittag bei der Sitzung eines Tennisvereins und ist nichts weiter als eine endlos lange Diskussion mehrerer Figuren durch verschiedene Räumlichkeiten.
Ob man das hier in der Tiefe erfassen will oder sich am oberflächlichen Spaß erfreuen möchte, liegt bei einem selbst. Es ist gleichermaßen witzig wie extrem nervig, weil jede kleine Aussage als Ausgangslage für eine langwierige Diskussion dient, in der Vorurteile, unterdrückter Frust und Gefühle an die Oberfläche kommen.
Das kann man durchaus sehr witzig finden. Ich verstehe aber auch, wenn man es nervig und ätzend sieht. Von der Besetzung her hätte man das Ding wohl kaum besser zusammenstellen können, weil wir hier zahlreiche deutsche Comedy-Stars haben, die sich in endlosen Wortduellen gegenseitig fertig machen.
Fazit: Witzig, stellenweise nervig und je nach Blickwinkel durchaus mit wichtigen Aussagen.“
Die Menschen streiten sich. Die Menschen hören sich nicht mehr zu. Die Menschen lassen immer weniger Zwischentöne zu - stattdessen zählt oder schwarz oder weiß. Menschen werden immer aufmerksamer, wenn es um Minderheiten geht. Menschen werden aber auch immer empfindlicher. Die Gesellschaft driftet auseinander, und "Extrawurst" ist der passende Film dazu. Er leuchtet in die Gesellschaft rein, und das anhand des Beispiels rund um einen Tennisclub und seine Mitglieder.
Heribert (Hape Kerkeling) ist der Vorsitzende des Tennisvereins, und gerade wurde er einstimmig wiedergewählt. Jetzt steht noch ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung. Eine Lappalie, denkt Heribert. Für das Sommerfest soll ein neuer Grill angeschafft werden. Fix beschlossen, denkt Heribert. Aber als der Vorschlag gemacht wird, doch auch an Erol (Fahri Yardım) zu denken, der das einzige muslimische Clubmitglied ist, eskaliert alles. Er solle doch einen separaten Grill bekommen, weil er ja kein Schweinefleisch essen darf. Und obwohl Erol immer wieder betont, dass das ja nicht nötig sei, entwickelt sich eine Diskussionsspirale.
In dieser Diskussionsspirale kommen alle Punkte auf den Tisch, die in so einer Gruppe aufkommen können. Vorurteile, latenter Rassismus, Ignoranz, Sexismus - und so weiter. Im Laufe des Films von Marcus H. Rosenmüller werden so ziemlich alle Punkte besprochen, die als Gesellschaft in der Diskussion stehen. Warum ist es nötig, sich um andere Gedanken zu machen? Warum kann nicht alles so bleiben, wie es war? Warum kann man nicht mal neue Dinge probieren? Keiner will nachgeben, und alle reagieren sie pikiert, wenn sie scheinbar oder tatsächlich unmittelbar beleidigt werden. In "Extrawurst" wird das natürlich sehr überspitzt dargestellt. Aber selbst in der Überspitzung gibt es keine Sequenz, die genau so in Diskussionen eintreten könnten. Die Trailer wirkten seltsam betulich, und manchmal ist der Film das auch. Aber er kann auch Debatten anstoßen und vor allem Denkanstöße geben. Ob damit die entsprechenden Adressaten erreicht werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Den Vorwurf, der Film sei zu "woke" (was auch immer das ist), kann man "Extrawurst" interessanterweise aber nicht machen. Im Gegenteil: Manchmal ist er ziemlich schonungslos.
Wie eine Diskussion über eine Kleinigkeit in einer überwiegend deutschen traditionellen Verein, die Schablone der kulturellen Klischees, Vorurteilen, Beleidigungen, Generationen überlieferten Werten und Dummheiten der Kultur zum Entfalten und echten Farbe Bekennen führen könnte. Die Diskussion wächst wie ein Schneeball bis es am Ende zum wortwörtlichen Zusammenstoß führt und alle sich wieder auffängen. Alle Schauspielern verkörpern ihre Charaktere sehr gut, nur eine aufgehetzte Streit ist mir zu mager für einen Film.
Durfte mir den Film in einer Vorpremiere anschauen. Leider bläst er in das ewig selbe Horn des Schemata "Die Deutschen sind unlustig und unbelehrbar" und "der Ausländer" natürlich der bessere "Deutsche", wenn nicht sogar Mensch. Schade, mal wieder eine Chance verpasst. Hinter dem stellenweise vorhandenen Humor steht immer der erhobene und belehrende Zeigefinger. Zudem kommt, dass man in der Zukunft Filme mit diesen, zum Teil, Schauspielern meidet, da es ohnehin vorhersehbar ist.
Im Tennisclub herrscht eigentlich Frieden und passiv-aggressive Höflichkeit. Doch bei der Wiederwahl von Präsident Heribert eskaliert eine vermeintlich harmlose Frage, soll für Erol, den einzigen Türken im Verein, ein eigener Grill angeschafft werden, weil er keine Schweinswürste essen darf? Was als gut gemeinte Geste startet, wird zur gesellschaftlichen Kernschmelze.
Extrawurst läuft ca. 100 Minuten, ist ab 12 freigegeben und basiert auf einem erfolgreichen Theaterstück und man merkt dem Film seine Bühnen-DNA an. Das hier ist keine Wohlfühlkomödie, sondern eine Satire mit hochgezogener Augenbraue. Ich habe viel gelacht, auch weil ich mich selbst in mehr als einer Figur wiedererkannt habe und genau da liegt der Knackpunkt: Man muss über sich selbst lachen können. Wer das nicht kann, wird diesen Film vermutlich meiden wie Ketchup auf der Weißwurst. Politisch korrekt ist man keine Sekunde, hier kriegen alle ihr Fett weg: Deutsche, Türken, Vegetarier, Machos, Überdenker, Prinzipienreiter und Leute, die bei jeder Diskussion erstmal „Also ich finde ja…“ sagen. Niemand bleibt verschont und genau deshalb funktioniert es so gut. Die gesellschaftliche Satire ist messerscharf und bewusst überspitzt. Es geht nie wirklich um den Grill, sondern um Befindlichkeiten, Angst vor Veränderung, falsch verstandene Rücksichtnahme und die deutsche Kernkompetenz, eine Sache so lange totzudiskutieren, bis keiner mehr weiß, worum es ging. Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst, Fahri Yardım & Co. liefern hier ein wahres Dialog-Feuerwerk ab. Die Schauspieler spielen das mit so viel Leidenschaft und Timing, dass man innerhalb von Sekunden zwischen „Der hat recht!“ und „Oh Gott, halt einfach die Klappe“ pendelt. Das Finale treibt das Ganze noch einmal auf die Spitze, endlose Diskussionen, ein Hauch Slapstick à la Buster Keaton und dann Erol, der mit einem einzigen neuen Thema alles wieder sprengt. Großartig. Unterm Strich bleibt eine Komödie, die höllisch Spaß macht, wenn man sich darauf einlassen kann. Alle Figuren sind gleichzeitig sympathisch und unerträglich, genau wie echte Menschen.
7,5/10 Punkten. Im Theater entscheidet übrigens das Publikum, ob am Ende ein Grill angeschafft wird.
Volle Punktzahl gebe ich selten, hier aber sehr gern! Es gibt wohl niemanden der sich in dieser großartigen Satire nicht auch immer wieder selbst erkennt. Wer allerdings so gar nicht über sich selbst lachen kann, der sei vor dieser großartigen Satire gewarnt! Selbst die eingestreuten Slapstick-Nummern (dich ich sonst eher läppisch finde) haben gezündet und der vollbesetze Saal hat sich schlapp gelacht. Und dass bei den ganzen Lachanfällen auch noch etwas Ernsthaftigkeit durchgeschimmert hat, macht diesen grandiosen Film zur absoluten Empfehlung!
… hat den Touch von angestaubten Schmierentheater! Alles wirkt gestellt und künstlich! Das reisst auch kein Kerleling mehr raus! Seine Zeit vor der Kamera scheint abgelaufen! Spart die Kohle! Dechstbsicher bei ARD oder ZDF!