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Kinobengel
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3,5
Veröffentlicht am 11. Januar 2026
BELLENDE HUNDE BEISSEN NICHT
Vahid (Vahid Mobasseri) glaubt, in Eghbal (Ebrahim Azizi) einen Folterknecht wiederzuerkennen, der ihm Jahre zuvor während seiner Gefangenschaft schwere gesundheitliche Schäden zugefügt hat. Bevor Vahid die Rache vollenden kann, möchte er die Identität des Schinders beweisen.
„Ein einfacher Unfall“ von Jafar Panahi wurde bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2025 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.
Ein Automechaniker, eine Fotografin, ein Arbeiter und ein Brautpaar setzen sich um einen bewusstlosen Mann. So könnte ein Witz beginnen. Ja, Panahi, der als Regisseur für seinen aktuellen Film zugleich Autor des Drehbuchs ist, hat dem Roadmovie einen gewissen Humor mitgegeben, der aus der kuriosen Situation die Reihen vor der Leinwand erreicht, ohne die Ernsthaftigkeit der Geschichte unnötig zu theatralisieren.
Die einst Gepeinigten, die wohl unterschiedlicher kaum sein könnten, möchten nicht falsch richten, eher wortreich oder maximal mit sanfter Gewalt Eghbal zu einem Geständnis zwingen. Das Bewahren der Menschlichkeit ist als Appell in der hier zu erfahrenden inszenatorischen Verdeutlichung die herausragende Stärke von Panahis Werk. Da im Übrigen viel Dialog läuft, der die Story wenig voranbringt, wird die erzählerische Kraft eines Asghar Farhadi längst nicht erreicht. Langweilig ist die Gestaltung jedoch keineswegs, denn das Drama hat wegen der Geschehnisse auf dem Weg zur Lüftung des Geheimnisses durchaus Thriller-Eigenschaften.
„Ein einfacher Unfall“ ist eine überwiegend fesselnd aufgestellte, an alle Misshandelten gerichtete Botschaft, nicht auf das Niveau der Täter herabzusinken.
Ich tue mich schwer mit dem Film, teilweise liegt es sicherlich auch an der Synchronistation, aber auch sonst kann ich nicht nachvollziehen, warum dieser Film eine goldene Palme in Cannes gewonnen hat. Die Schauspieler überagieren und gewinnen keine Glaubwürdigkeit, die Geschichte von Rache und Mitgefühl, bleibt vielfach zu gekünstelt und entwickelt keine Überzeugungskraft.
PS Nachdem ich mir den Original-Trailer angeschaut habe, neige ich nun doch zu der Ansicht, dass die deutsche Synchonisation dem Film die Glaubwürdigkeit nimmt.
Wie im Titel erwähnt, wenn per Zufall ein schwer gefolterter Opfer des korrupten Staates Iran einer seiner Peiniger den Weg überquert schnappt er impulsive die Gelegenheit der vorgestellten Rache. Leider, der Zweifel an die Identität des Peinigers siegt und so eine Odyssee des Beweisens zieht andere Opfern rein, und die Sache wird nur komplizierter, wenn jeder Opfer an den Folter erinnert. Die Inszenierung einer relativ modernen Stadt in dem Iran ist überzeugend, und das moralische Dilemma der Rache und Selbstjustiz sind angetastet. Die Geschichte schlendert in komischen Kreisen und verspielt die Glaubwürdigkeit der Charakteren. Aber wenn die erzählten Geschichten des Folters stimmen würden, würde man vielleicht einen viel brutalen fast unerträglichen Film erwarten, wenn die Charaktere richtig nach dem Leiden ausgerastet hätten.