Ich hätte es ja fast nicht für möglich gehalten, aber da ist er doch tatsächlich mal, der Marvelfilm den die Kritiker und auch viele Fans nicht mögen, mir aber mal sehr gut gefallen hat und so freut es mich auch endlich mal für einen Film aus dem MCU Partei zu ergreifen. Das hat verschiedene Gründe, aber zunächst worum geht es:
Vor 7000 Jahren wurden die Eternals auf die Erde geschickt um die Deviants zu besiegen. Seit her gingen sie dieser Aufgabe nach, lebten auf der Erde als Götter tauchten aber nach Beendigung ihrer Aufgabe unter und lebten auf der Erde im Verborgenen. Doch nun kehren die Deviants zurück und es offenbart sich eine noch viel größere Gefahr, die den Plan der Selestials betrifft, weshalb sich die Eternals nochmal sammeln müssen um die Erde zu schützen, die ihnen inzwischen ans Herz gewachsen ist.
Chloe Zhao stehe ich bisher eher neutral gegenüber. Gerade ihr Oscargewinner "Nomadland" ist zwar optisch sehr schön, hatte für mich aber inhaltliche Abbrüche, weshalb mich ihr Name jetzt nicht sofort in Euphorie versetzte, dennoch finde ich hat sie eine Handschrift, die dem MCU gut tut.
Meine erste große Stärke finde ich nämlich in der optischen Gestaltung und diese ist durch die echten Drehorte, das natürliche Licht und die teilweise sehr minimalistischen Sets auch mal eine absolut angenehme Abwechslung. Die Effekte sind auch (fast) immer perfekt. Einzig die Deviants sehen nicht immer so schön aus, die wie ich finde, im Film aber ohnehin keine besondere Rolle spielen. Sie dienen eher dem Zweck ein wenig Aktion in die Geschichte zu bringen, sind aber nicht sonderlich tragend für die Geschichte, was ich überhaupt nicht schlimm finde.
Dies bringt mich nämlich zu den nächsten zwei Stärken. Der Film hat sehr wenig Aktion. Vieles passiert hier eher über Kommunikation, die Aktion ist eher mau gesät. Der Film ist ruhig und lässt sich auch Zeit. Die Aktion sitzt dann aber zu großen Teilen. Besonders im Regenwald oder eben der Finale Showdown sind wirklich sehenswert.
Die Andere Stärke ist der Schurke des Filmes, der in einem Twist offenbart wird, den man aber schon lange vorher geahnt hat. Das ist auch überhaupt nicht schlimm, da es zum Charakter passt und dessen Zerbrochenheit auch perfekt auf den Punkt bringt. Weshalb ich auch sagen würde, dass "Eternals" einen der interessantesten Antagonisten hat. Schurke ist in diesem Fall das falsche Wort, da die Figur eben ein bisschen was von Beidem ist.
Eine Schwäche die ich ebenfalls nicht ganz teile ist die der zu vielen Exposition. Diese finde ich zu weiten Teilen gut eingebaut und ich finde es auch nicht schwierig dem ganzen zu folgen.
Zudem mochte ich auch hier den mal etwas anderen Ansatz nach fragen der Moral, aber auch mal die leichteren philosophischen Ansätze, die in naher Zukunft ruhig mal etwas mehr sein dürfen.
Wo ich die Kritik Teile ist leider im Humor. Der ist leider wirklich zu vielen Teilen sehr unpassend, gerade weil er nicht wirklich zu den eher ernsten Eternals passt und wie ein Fremdkörper, in dem doch eher schwermütigen Team sitzt. Dies macht sich vor allem durch einen menschlichen Sidekick deutlich und auch an Kumal Nanjiani, dessen Kingo ich nicht wirklich passend und gelungen finde. Dieser Film würde ohne den Humor besser funktionieren, ebenso wie ohne die Verknüpfung zum MCU. Die Verweise auf andere Filme fühlen sich ebenfalls unpassend an und besonders an der Figur von Kit Harrington, die ein wandelndes Easter-Egg ist, wird es nochmal deutlich. Seine Figur besteht nur aus Anspielungen und hätte der Film nicht gebraucht.
Kurz sei am Rande auch erwähnt dass die Musik zur Abwechslung mal hängen bleibt, dank GOT Mastermind Ramin Djawadi.
Die wichtigste Frage hier war aber klappt es gleich 10 neue Eternals einzuführen. Zum Teil! Kumal Nanjiani finde ich leider weniger gelungen als Kingo und auch Figuren wie Phastos oder Sprite waren eher weniger interessant. Ma Dong-Seok als Gilgamesh ist zwar ein absoluter Sympathieträger im Film, doch leider bekommt er zu wenig Screentime. Salma Hayek muss ebenfalls mit einem kleineren Part als Ajak auskommen. Der Rest funktioniert sehr gut. Barry Keogan, den ich seit "The Killing Of A Sacred Deer" liebe gibt einen der spannendsten Eternals mit einer interessanten Fähigkeit. Auch wenn er hier ebenfalls etwas kurz kommt, so stiehlt er doch heimlich die Szenen und überzeugt, auch dank seiner wundervollen Chemie mit der taubstummen Darstellerin Lauren Ridloff, die als Makkari ebenfalls wundervoll ist. Angelina Jolie gibt als Thena ebenfalls einen guten Charakter ab, während der Fokus eher auf Gemma Chan als Sersei und Richard Madden als Ikaris liegt. Und hier kann ich die Kritik ebenfalls nur bedingt nachvollziehen. Ich finde zwar auch dass die Leibesgeschichte der Beiden, die sie über Jahrtausende hatten zwar etwas merkwürdig herbeierzählt wurde, aber diese ist im Verlauf des Film authentisch und die Beiden haben auch eine gute Chemie untereinander. Ich finde durchaus, dass sie diesen Film tragen können. Es gibt zwar Probleme mit den Figuren und nicht alle werden so gut eingeführt wie es zum Beispiel "Guardians Of The Galaxy" oder "The Suicide Sqaud" als Ensemblefilme geschafft haben, aber es klappt über weite Strecken.
Was mich zu etwas bemerkenswertem an diesem Film führt. Zum ersten Mal seit langem biedert sich Disney nicht dem chinesischen Markt an. So bekommen wir eine Filmemacherin an deren Spitze, die in China boykottiert wird, ein Cast, der so vielfältig besetzt ist mit verschiedenen Nationen von Indien, Südkorea, Schottland bis hin nach China selbst. Eine taubstumme wird zur Heldin und wir haben den ersten schwulen Charakter als Helden, der dies im Film auch über längere Zeit offen zelebrieren darf und ausleben darf. Anders als in "Star Wars 9" ist es hier nicht nur ein Wimpernschlag und wirkt nicht wie ein, "wir versuchen politisch korrekt zu sein, aber wenn es eben ums Geld geht, dann schneiden wir die Szene auch gerne für China raus" Moment, sondern hier fühle ich mich als homosexueller Mann, wirklich mal angenommen im MCU und dafür schätze ich den Film.
Kurz: Ja, "Eternals" hat Schwächen und zu Teilen ist die Kritik auch verständlich ABER der Film ist visuell und von der Erzählung was Neues, mit fantastischen Ansätzen, die jetzt noch verfeinert werden können, interessanten Figuren, einem super Antagonisten und einer Erzählung, die ich alles andere als Langatmig oder Langweilig empfinde. Ohne das MCU und deren Humor wäre er zwar besser, aber "Eternals" ist ein absolut unterschätzter Film, der der harschen Kritik nicht gerecht wird. Für mich gehört er sogar zu den besten Filmen des MCU.