Zum Inhalt: Der unbequeme Enthüllungsjournalist Eddie Brock soll einfach nur im Auftrag seines Senders ein lapidares Interview mit Dr. Carlton Drake über dessen Rakete führen, die zuvor abgestürzt ist. Da Brock Drake schon länger im Verdacht hat, mit seiner Firma Life Foundation in finstere Machenschaften verstrickt zu sein, geht das natürlich schief und Brock verliert nicht nur seinen Job, sondern gleich auch noch seine Freundin mit, da seine Interviewfragen auf vertraulichen Informationen basierten, die diese als Anwältin auf ihrem Laptop gespeichert hatte. Bevor Brock Tellerwäscher wird, wird er von der Ärztin Dr. Skirth kontaktiert, die für Drake arbeitet und dessen Praktiken nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren kann. Diese schleust ihn in das Labor ein, was dank Brocks Aktionismus wiederum schiefgeht und wobei er mit einer außerirdischen Lebensform infiziert wird, die Drake zuvor mit seiner Rakete aus dem All besorgt hat. Drake möchte diese Lebensform natürlich zurück haben und hat dank eigener Infektion mit einem Alien ganz andere Pläne für die Erde, als der Rest der Menschheit, die Brock unterbinden muss...
Kritik: Spätestens seit der Serie Taboo weiß man, dass Tom Hardy prädestiniert ist für Rollen des sinisteren, aber auch verletzlichen (Anti-)Helden. Mit großer Spielfreude füllt er die Figur des Eddie Brock aus und fügt der Figur auch eine nahezu rührende Unbeholfenheit eines Mannes hinzu, der versucht, alles richtig zu machen und sich treu zu bleiben, damit aber regelmäßig scheitert. Der Rest des Casts kann da kaum mithalten, allen voran nicht Riz Ahmed, der trotz redlicher Bemühung eher wie ein nerdiger Student wirkt, denn als Chef eines Imperiums, der über Leichen geht. Zwar hat auch er einige starke Momente, einen im Gedächtnis bleibenden Filmbösewicht kann er allerdings nicht liefern. Dass das so ist, ist aber auch nicht tragisch. Denn Tom Hardy und das Drehbuch spielen gekonnt mit den Erwartungen des Publikums. Denkt man am Anfang noch, dass ein wenn auch düsterer, aber genretypischer Superheldenfilm auf einen wartet, wird man mit Auftauchen von Venom, dem Alien, eines besseren belehrt. Hier bekommt der Film einen so knuffigen Humor, der ihn von allen bislang gesehenen Superheldenfilmen - einschließlich Deadpool mit seinem eher schwarzen und nihilistischen Humor - abhebt. Ein schöner running gag ist z.B., dass Venom tödlich beleidigt ist, wenn irgendwer ihn als Parasiten bezeichnet oder wenn er sich als Loser auf seinem Planeten outet, der lieber auf der Erde wer ist, als auf dem Planeten seiner Spezies ein Niemand. Die Dialoge und die Dynamik zwischen Venom und Brock erinnern an gute buddy movies, sind aber niemals rührselig, deplatziert oder zu viel des Guten. Natürlich kracht und rumst es ordentlich genretypisch und gut gemacht, aber auch hier haben die Macher die Dosis nicht übertrieben und die Handlung einem Effektgewitter untergeordnet, wie man dies auch schon oft erlebt hat. Kleiner Kritikpunkt ist die Dramaturgie, die ein bisschen Hoppladiehopp voranprescht, aber hier war wahrscheinlich die Spiellänge für Venoms erstes (neues) Mal das Dilemma.
Fazit: Ein charmanter Buddyaliensuperheldenblockbuster, bei dem man schon gespannt ist, was das Duo Venom/Brock als nächstes erlebt bzw. vermasselt. Und wer von beiden ist mehr in Anne verknallt?
Tipp: Auf Amazon am besten den Abspann ganz durchlaufen lassen, es warten nämlich zwei Überraschungen...