Zunächst vorneweg: Dieser Film ist anders als so ziemlich alle Filme, die ihr jemals gesehen habt. Daher ist dieser Film auch extrem schwierig zu bewerten und es ist kompliziert, ihn in seiner extremen Komplexität zu sehen. Doch der Reihe nach. Die Story des Films liest sich in etwa so: 1982 erscheint plötzlich wie aus heiterem Himmel ein gigantisches Raumschiff mitten über der südafrikanischen Metropole Johannesburg. Es verharrt über der Stadt für mehrere Monate, doch nichts geschieht. Motive für den Besuch der Aliens können nur erahnt werden. Daraufhin befiehlt die UN, dass das Raumschiff "gestürmt" wird und entsendet Truppen, um in das Raumschiff einzudringen. Als die Mannschaften die äußere Hülle geöffnet haben, eröffnet sich ihnen ein grauenvoller Anblick: Dürre, ausgezehrt und abgemergelt wirkende Außerirdische stehen dicht gedrängt in einem komplett verdreckten Raum. Die Regierungen beschließen, die Außerirdischen in ein Behelfscamp am Rande Johannesburgs zu bringen: District 9. In diesem Camp leben die Aliens von Menschen nahezu komplett isoliert in einer Gemeinschaft unter ärmlichsten Verhältnissen. Nun, im Jahre 2010, sollen die Aliens mithilfe der Firma MNU - einem Rüstungsgiganten - in ein anderes Camp verlagert werden, hunderte von Kilometern fernab der Zivilisation. Die Bevölkerung Johannesburgs empfindet die Außerirdischen nämlich als gefährlich und störend. An genau diesem Punkt setzt der Film an, der teilweise wie eine Dokumentation gedreht wurde: Der MNU-Mitarbeiter Wikus van de Merwe (Sharlto Copley) wird zum Einsatzleiter dieser Operation ernannt und soll den Außerirdischen eine Unterschrift abluchsen, die es MNU rechtlich ermöglicht, sie in das andere Lager zu deportieren. Hierzu darf die schwer bewaffnete Infanterie von MNU im Notfall auch alle möglichen Mittel einsetzen. Doch es geht MNU nicht im Entferntesten darum, sich den Aliens gegenüber freundlich zu verhalten und ihre Existenz zu verbessern in einem neuen Camp - MNU erhofft sich die Waffen der Aliens, welche der menschlichen Technologie weit überlegen sind, einsatzfähig zu machen. Denn diese Waffen sind genetisch an den Benutzer gekoppelt - sie können also nur von "Prawns", wie die Aliens wegen ihrer an Garnelen erinnernden Statur genannt werden, benutzt werden. Für Wikus eine selbstverständliche Angelegenheit, die er ohne jegliche Gewissensbisse erledigt - bis er bei einer Durchsuchung einer Hütte in District 9 mit einem mysteriösen Virus infiziert wird, der ihn offenbar langsam zum Prawn mutieren lässt...
Der Film besticht durch einen unglaublich guten und engagierten Hauptdarsteller in Sharlto Copley, dem man überhaupt nicht anmerkt, dass dies sein erster (!) Film überhaupt ist - wenn man von dem Kurzfilm "Alive in Joburg", dessen professionelles Remake District 9 ist, absieht. Die Kamerafahrten sind teilweise wirklich klasse und man merkt dem Film überhaupt nicht an, dass er "nur" 30M US-Dollar Budget hatte - die Special Effects sind, vorsichtig formuliert, richtig gut. Hier liegt aber leider Gottes auch das Problem des Films: In den letzten 20, 30 Minuten geht es eigentlich fast nur noch um hirnloses Herumgeballere, bei dem die einzelnen Teilnehmer der Schlacht mitunter äußerst unappetitlich ihr Leben aushauchen. Die Story ist hier bereits leider in den Hintergrund gerückt und auch der Anspruch des Films mit seinen Vergleichen zum Apartheidsregime in Südafrika sind nur noch minimal vorhanden - wenn überhaupt. Das Ende selbst ist prinzipiell sehr gut gestaltet und stellt ein "würdiges" Ende des Films dar, ohne dass es ein gigantisches Happy End gibt.
Wäre nicht dieser storytechnische Hänger im letzten Drittel gewesen, hätte ich diesem Film ohne Weiteres auch volle 10/10 gegeben und ihn als "Meisterwerk" deklariert. So aber reicht es leider unter dem Strich "nur" zu immer noch sehr guten 8,5/10 Punkten für einen Film, über den man noch eine Weile nachdenken wird und den man so schnell nicht vergisst.
Empfehlung: Nur mit einem starken Magen zu gucken, da einige Szenen extrem blutig und brutal sind. USK 16 ist meiner Ansicht nach das Mindestmaß, das man vertreten kann bzw. muss.
Beste Szene
Wikus ist bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Mutation und hat einen kompletten Alien-Arm. In einem Forschungslabor von MNU soll er daher mit besagtem Arm die Alienwaffen benutzen. Nachdem er zunächst nur auf Gegenstände geschossen hat, wird ihm nur ein gefangener Prawn vorgesetzt, der vollkommen verängstigt um sich schaut und dem man die Todesangst deutlich anmerkt. Wikus will partout nicht auf den Prawn schießen und wird daher physisch dazu gezwungen, den Abzug zu betätigen. Der Prawn explodiert in gefühlte 100.000.000 Einzelteile, die sich überall in der Halle verteilen und Wikus beginnt wie unter Folter zu schreien und hemmungslos zu weinen. Die Szene geht verdammt an die Nieren.