Die hilfreichsten KritikenNeueste KritikenUser mit den meisten KritikenUser mit den meisten Followern
Filtern nach:
Alle
Anonymer User
3,5
Veröffentlicht am 26. Juni 2011
Die Coens verstehen es zweifelsohne hervorragend, trockenen Humor, facettenreiche Figuren und packende Spannungsmomente zu vereinigen, was sie nicht zuletzt mit ihren beiden Meisterwerken ''Fargo'' und ''No Country For Old Men'' untermauerten. Angesichts dieser hohen Messlatte, die sie schließlich in dem selbst wiederbelebten Genre des Western gelegt haben, ist es klar, dass ihr neuer Film ''True Grit'' da nicht ganz mithalten kann. Nach diesen perfekten Dialogen und der hochspannenden Handlung konnte einfach kein noch besserer Western folgen. Dennoch, ungeachtet der Tatsache, dass ''True Grit'' nicht an die Klasse der beiden Oscargewinner aus dem Jahre 1996 und 2008 heranreicht, ist der neueste coensche Streifen ein unterhaltsamer Western. Dazu tragen insbesondere die hervorragenden Darstellungen seitens Hailee Steinfeld und Jeff Bridges bei. Die junge 14-jährige spielt ihren mutigen, tapferen und durchsetzungsfähigen Charakter mit großem Einsatz und der Dude übernimmt eindrucksvoll den väterlich anmutenden Part, wobei Bridges perfekt den ausgewaschenen, dreckig slanghaften Ton des halten Haudegens Rooster Cogburn mimt. Er brilliert nach seiner oscargekrönten Rolle erneut und stellt sein enorme Wandlungsfähigkeit unter Beweis.
Allerdings steht Matt Damon hinter den Leistungen seine beiden Kollegen zurück. Er spiel zwar nicht unbedingt schlecht, doch so richtig glaubwürdig finde ich ihn einfach nicht. Ich weiß zwar nicht, woran es liegt, aber – obwohl ich ihn als Psychopathen Tom Ripley, als orientierungslosen Genie und als cleverem Auftragskiller überzeugend fand – hier passt er einfach nicht in die Rolle. Genauso wenig wie im Übrigen Josh Brolin, der nur eine Randpunktion als holzschnittartige Figur einnimmt. Ganz ohne Mängel hingegen ist die Inszenierung, die mit einem sitmmungsvollen Soundtrack sowie einer grandiosen Kameraarbeit von Roger Deakings gefällt. Der Bildregisseur, der inzwischen neun Mal für den Oscar nominiert wurde, ohne ihn zu erhalten, dürfte mit dieser Meisterleistung, bei der er jede Einstellung in ein Gemälde verwandelt, entgültig seine Goldstatue bekommen. Seine grandiosen Bilder tauchen jede Szene in ein besondere Stimmungen. Mir im Gedächtnis haften geblieben war zum Beispiel die elegant mit Überblenden geschnittene, von ruhiger Musik untermalte Sequenz, in der LaBeouf, Cogburn und Mattie durch die Steppe reiten.
Doch ''True Grit'' hat neben einer nur teilweise passenden Darstellerriege auch das Problem, die Grenzen zwischen Humor und Spannung zu sehr zu verwischen, sodass sie ihre Späße und Albernheiten manchmal überziehen, wodurch der Film unpassenderweise ins Komödiantische gezogen wird. Darüberhinaus hätten die Coens die Bindung zum Hauptcharakter intensiver machen sollen, indem sie zum Beispiel Matties Beziehung zu ihrem Vater beschrieben hätten. Ich jedenfalls habe ich zeitweise gefragt, warum sie diesen Chaney überhaupt jagen. Klar, Rache ist das Motiv, aber der Zuschauer kann nicht das innere Gefühl der Tochter nach Vergeltung spüren. Dazu hätte ihr Charakter stärker erläutert werden müssen. Und schließlich stellt sich die Rahmenhandlung als vollkommen sinnlos und unglücklich für den Geschichtsverlauf heraus, weil sie einen gewissen Abstand zum Geschehen schafft und damit die emotionale Bindung zu den Figuren verringert. Und das nur, um einen abschließenden Moment des Nachdenkens zu erzeugen. Eine Szene, die mich ein Wenig an ''Road To Perdition'' erinnerte, wo Mike Sullivans Sohn über das Gute und das Böse in seinem Vater nachdenkt. Nur, dass den Coens kein solch intensiver Moment glücken will.
FAZIT: ''True Grit'' ist ein oft amüsanter, aber auch stellenweise spannender Thriller, der zwar einige Holprigkeiten in der Story offenbart, jedoch allein wegen seiner stilistischen Perfektion unbedingt sehenswert ist.
Der Trailer suggeriert folgendes: Spannend und viel Atmosphäre. Daher waren meine Erwartungen auch wegen der positiven Kritiken recht hoch. Der Film hat mich aber leider enttäuscht, weil er nämlich einen ganz anderen, gegenteiligen Eindruck vermittelt: Über weite Strecken langweilig! Die Story ist sehr simpel: 14-jähriges Mädchen möchte den Mord an ihrem Vater rächen und den Schuldigen ausfindig machen. Dafür engagiert sie einen versoffenen und kauzigen Marshall. Außerdem macht sich auch ein Texas Ranger auf die Suche nach dem Mörder, da dieser auch noch paar andere Verbrechen begangen hat. Trotz simpler Story ist die Inszenierung unnötig langwierig und schwerfällig. Bis es auf die Verfolgung geht, vergeht eine ganze Weile und bis es die erste spannende Szene/Konfrontation gibt, ist der Film halb um. Bis dahin muss sich der Zuschauer mit langen Kameraeinstellungen und allerlei Lebensgeschichten oder anderem Trivialen begnügen. Allein Mattie kann die Einöde durch ihre kecke Art aufbrechen. Auf den Showdown muss man sehr lange warten, allerdings ist dieser zufriedenstellend, aber nicht spektakulär genug, gelungen. Die 10 Minuten nach dem Finale hätte man sich definitiv sparen können und verlängern den Film nur unnötig. Letztlich fehlt „True Grit“ die Intensität, Spannung sowie Tiefe in Handlung und Charakteren, um sich deutlich von anderen Western abzusetzen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Was soll ich sagen? Ein Meisterwerk. Wundervolle Szenen, großartige Dialoge, getragen von Schauspielern, die ihr Werk verstehen. Die Musik? Wundervoll. Man muss den Film auf sich wirken lassen und einfach eintauchen in die Geschichte. Szenisch sehr toll umgesetzt, Jeff Bridges in seiner Paraderolle als gehandicapter Alki mit Herz spielt mal wieder mit sehr viel Liebe fürs Details. Mitunter sehr lustiger Film sogar, die Punkte sind sehr gut gesetzt und lockern den Film auf (obwohl er nicht aufgelockert werden müsste!). Einfach mal für 2 Stunden der Realität entfliehen...werde ihn mir wohl ein zweites Mal anschauen! Absolute Empfehlung!
Hab ihn gerade eben im Kino gesehen und muss sagen, dass der Film bei mir nicht über ein "gut" hinaus kommt. Ich bin sowieso schon kein Freund der Coen-Brüder, irgendwie sind ihre Filme immer anders, als man es erwartet und leider nicht im positiven Sinne. "No Country for old man" war damals eine riesen Enttäuschung für mich und "The Big Lebowski" ist ein toller Film, aber mMn nicht das Meisterwerk, als das er gehandelt wird. Mann kann also sagen, dass ich ein wenig voreingenommen in diesen Film gegangen bin.
Im Endeffekt kann ich sagen, dass dieser Film in vielen Punkten das geliefert hat, was man erwartet hatte (also im Gegensatz zu manch älteren Filmen), in ein paar Punkten aber auch wieder nicht. Das Setting ist toll, die Atmospähre ist auch super, die Darsteller machen alle einen tollen Job (wenn ich mir den Film noch einmal auf Blu-ray ansehe, dann sicherlich auf Englisch) und die Musik passt auch. Hierzu kommt, dass der Film nie langweilig wird, die Dialoge sehr gut konstruiert und oft auch sehr unterhaltsam sind. Weiterhin ist er auch an vielen Punkten sehr komisch, nicht selten hab ich in meinem Kinosessel gehockt und gegrinst. Und doch. Am Ende servieren die Coens einem wieder ein Ende, bei dem man nur mit den Schultern zucken kann. Ab hier könnten sich SPOILER einschleichen: Es passiert einfach mal wieder nichts unvorhergesehenes, genauso wenig gibt es eine Art Showdown, oder (wie oben schon erwähnt) überhaupt einen würdigen Antagonisten. Es stand einfach nie außer Frage, dass Cogburn all seine Gegner niedermäht und Chaneys Abgang war dann einfach zu fix. Der Epilog ging dann auch spurlos an einem vorbei und wenn der Abspann über die Leinwand rollt, dann blieb man auch nicht geschockt oder berührt sitzen. Natürlich ist dies kein Muss, nicht jeder Film muss einen schocken oder berühren, doch nach den wirklich guten, ersten 3/4 des Films hat dann ein passender Abschluss gefehlt.
"True Grit" ist mMn allerdings schon einen Gang ins Kino wert, da die Atmospähre sehr gut ist und im Kino natürlich besser rüberkommt. Trotzdem in meiner Sicht nicht mehr als ein guter Genrebeitrag.
In einem längeren Gespräch hat mir mal ein Bekannter gesagt: Mit gutem, qualitativ hochwertigem Essen ist es ein Fluch. Hat man erst einmal damit angefangen, kriegt man das andere Zeug einfach nicht mehr runter. Und so geht es mir jedesmal nach einem weiteren Werk der Brüder Coen. Sie zaubern immer wieder eine Delikatesse Film aus dem Hut und hat man diese dann genüsslich konsumiert, will man mehr davon. Viel mehr, aber sicherlich nichts unter dem vorgelegten Niveau. Nach dem Westernremake True Grit überkam mich wieder genau diese Leere, dieser Hunger nach bedeutenden Filmen. Und True Grit ist wie schon Fargo, No Country for Old Men, O Brother, Where art Thou?, The Big Lebowski ein bedeutender Film, ein Meilenstein der Filmgeschichte. Brilliante Darsteller, derber Humor, klasse Story, geniale Kamerafahrten..Die Brüder können es einfach und ich bin gespannt, was 2012 von ihnen auf die Menscheit gelassen wird. Groß wird es auf jeden Fall!!