Ich habe den Film bereits am Montag auf einer Vorpremiere sehen können, und war im positiven Sinne mehr als erstaunt: Guy Richie ist es, auf fazinierende Art und Weise, gelungen in dieser Neuauflage der gleichnamigen Serie aus den 1960igern ein solides Agentenspektakel à la James Bond hinzuzaubern.
Doch im Gegensatz zu 007, müssen in Codename U.N.C.L.E. KGB und CIA zusammenarbeiten, was mehr schlecht als recht gelingt. Im detailverliebten 60iger-Jahre-Look liefern sich die Protagonisten rasante Verfolgungsjagden durch die Straßen von Berlin, Rom und der italienischen Mittelmeerküste. Dabei sehen sie meistens aus, als wären sie gerade einem GQ-Photoshooting entsprungen; insbesondere der von Henry Cavill, bekannt aus den Superman-Filmen, verkörperte CIA-Agent Napoleon Solo und die weibliche Hauptrolle Gaby Teller, gespielt von Alicia Vikander (Ex Machina u.v.a.), geben sich sehr modeaffin - einmal sind sie sogar am Ku'damm shoppen. Einen Gegenpol bildet KGB-„Superagent“ Illya Kuryakin (Armie Hammer), der stets pflichtbewusst, mit einem Hauch der Verkrampftheit, aber immer mit Schlafzimmerblick, dem selbst die adrette Ms Teller nicht widerstehen kann, die Bösewichter zur Strecke bringt. Jene sind eine Gruppe deutscher und italienischer Neofaschisten, welche, in James Bond-Manier, auf einer agelegenen italienischen Insel an der Atombombe schrauben. Ihr gutausehender Kopf, Victoria Vinciguerra (Elisabeth Debicki), steht dem Trio, zumindest modisch, in kaum einer Nuance nach. Die Ostberlinerin Gaby Teller wird von Solo und Kuryakin zuvihrem Vater eskortiert, welcher als Atomwissenschaftler, das Nazi-Projekt zum Erfolg bringen soll. Dabei stellt sie sich als alles andere als hilflos heraus, und entpuppt sich letztlich als etwas ganz anderes...
Was den Film so liebenswert macht, ist seine Detailverliebtheit: alle Szenen scheinen so gut dem Original nachempfunden, dass man sich fast in die Zeit teleportiert fühlt. Selbst die Ostberlin-Verfolgungsjagd im Trabbi hat etwas sehr charmant Nostalgisches. Dazu setzt Guy Richie auf seine weitbekannten Schnitttechniken, Kamerafahrten und ironische Untertitelung, was trotz des Genrewechsels an Erfolge wie Snatch oder Bube, Dame, König, Grass erinnert. Für Fans also ein Muss! Aber, wie gesagt, auch der modebeflissene 007-Nostalgiker kommt hier nicht zu kurz, und sollte sich dieses actiongeladene Spektakel nicht entgehen lassen, denn, so das Filmcredo, „die Welt retten kommt nie aus der Mode“!