Kein einfacher Film und ein sehr schwerer Film, in vielfacher Hinsicht. Gezeigt wird uns das Leben der Protagonistin, Marian, die so entfremdet von sich selbst ein Leben führt, das als solches kaum diese Bezeichnung verdient. Sie schläft auf einer versifften Matratze auf dem Boden, umgeben von Umzugskartons. Eine Art Liebe (man mag es kaum so nennen wollen) oder gar Lustgewinn zieht sie aus der Nähe zu ihren Patienten, die sie liebevoll umsorgt und quasi als Climax dann tötet.
((Achtung, ab hier muss ich spoilern!))
Der Film ist eine Aneinanderreihung von verstörenden, abstrusen, ja manchmal sogar richtig abstoßenden Szenen (wie etwa die Szene mit dem Kondom des Vergewaltigers), mit denen wir von der Regisseurin ziemlich allein gelassen werden. Wir erfahren nichts zu den Zusammenhängen (warum ist Marian so, wie sie ist?) und Bedeutungen (warum tut sie das?), nichts von ihrer Lebensgeschichte (woher stammen die Narben am Oberschenkel?) und vor allem - das ist vielleicht am schwersten auszuhalten - bekommen wir keinerlei mögliche Motivation angeboten. Wir müssen uns das alles selbst zusammenreimen und uns unsere eigenen Gedanken machen.
Am Ende trifft Marian dann auf einen Mann, der - wenn auch auf andere Weise - genau so gestört ist wie sie. Ihre abgefuckte Behausung kommentiert er mit den Worten "schöne Wohnung!", die Form von Sex, die die beiden dann schließlich haben, kann ja kaum entfremdeter und steriler sein. Da fragt man sich dann unweigerlich: Was soll denn das alles? Am Ende erfährt ja Marian auch keinerlei Form von Katharsis, ganz im Gegenteil, ihre Verzweiflung und Ohnmacht bahnt sich ihren Weg in einen halbherzigen Suizidversuch, aber sie ist so kaputt, dass sie nicht mal das zustande bringt.
Das Ganze ist getaucht in kalte, dunkle, farblose Bilder, oftmals im Gegenlicht, häufig Standbilder, wie Gemälde, wenig Bewegung. Passend (oder im Gegensatz?) dazu gibt es kaum Töne, kaum Geräusche, fast gar keine Musik. Auch gesprochen wird nicht viel. Irgendwie passen die Bilder nie zur Tonspur und umgekehrt, das ist verwirrend und verstörend.
Ja, und jetzt? Will Regisseurin Urszula Antoniak wirklich nur provozieren, wie es ihr so oft unterstellt wird? Oder gibt es eine versteckte Message in diesem Werk, die man entdecken kann, wenn man sich nur die Zeit dafür nimmt? Im Subtexte werden jedenfalls sehr existenzielle Fragen nach ddem Sinn des Lebens, Bedeutung der Liebe, Wert von Leben, Einsamkeit, Schuld, Verantwortung, Verzweiflung, Sexualität, Leben, Tod, keine Ahnung, was noch alles verhandelt. So bietet der Film - wenn man sich denn drauf einlassen kann und möchte - schon viel Raum für Interpretationen und liefert auch Kunst im engeren Sinne, alles durchaus jenseits der reinen Provokation.
Da der Film so sperrig ist und so schwer wiegt und uns als Zuschauer einiges zum Aushalten zumutet, kann ich keine generelle Empfehlung aussprechen. Dem geneigten Arthaus-Publikum, das auch hinter die offenkundige Provokation blicken kann und möchte und auch keine Angst davor hat, mit einem Film auch mal verstört alleine gelassen zu werden, für den könnte sich hier ein echtes Kunst-, vielleicht sogar ein Meisterwerk offenbaren.