Ab und zu gibt es sie ja dann doch noch, diese richtig geilen, kleinen Independent-Filme! “Nothing Left To Fear” punktet zwar nicht direkt mir Originalität, aber das Setting ist intelligent konstruiert und wird vor allem auch bis zur sprichwörtlichen letzten Szene verfolgt. Dabei lässt sich der Film zu Beginn reichlich Zeit, um uns die Familie des neuen Pastors mitsamt deren Beziehungsgefüge untereinander näherzubringen. Bis auf ein fieses, kurzes Foreshadowing dauert es gute 45 Minuten, bis die Story endlich Fahrt aufnimmt. Die anfängliche Exposition ist zwar stimmungsvoll und ganz gut gelungen, hat aber auch die eine oder andere überflüssige Szene, hier wäre eine Straffung durchaus möglich gewesen.
Dafür hat es der zweite Teil des Films dann aber in sich! Auch wenn hier nur die üblichen Genre-Tropes (der Kriechgang, schwarze Löcher statt Augen, weit aufgerissener Mund, Erbrechen schwarzen Schleims, usw.) abgerufen werden, so sind diese doch höchst effektiv inszeniert. Das Grauen kommt im wahrsten Sinne des Wortes schleichend, die Spannungskurve steigt enorm an und die Art, wie sich Tochter Mary im Verlauf verändert, das ist schon richtig, richtig krass. Der Schluss, der hier natürlich nicht verraten werden soll, setzt dem ganzen nochmal einen drauf, ist überraschend konsequent und passt hervorragend zum bisherigen Film.
Schauspielerisch sind bei so einem Filmchen die Erwartungen natürlich nicht so hoch, alle Beteiligten agieren aber durchaus solide. Besonders gefreut hat mich natürlich das Wiedersehen mit Clancy Brown, meinem Sergeant Zim aus “Starship Troopers”, in der deutschen Synchronisation ganz wunderbar von Klaus-Dieter Klebsch gesprochen, einem meiner liebsten Synchronsprecher – unvergessen als “Prof. Doom” in der Hörspielreihe “Jack Slaughter”! Etwas seltsam hingegen finde ich die Besetzung von Rebekah Brandes als die ältere Tochter Rebecca, der damals bereits 28-Jährigen (!!) nimmt doch kein Mensch die Rolle der Teenagerin ab. Davon unabhängig wirkt ihr Spiel auch eher hölzern, ihre Figur ist sowieso nicht sonderlich sympathisch.
FAZIT: Aufregender, fieser, kleiner Horrorfilm, der das Genre-Rad zwar nicht neu erfindet, dafür aber mit einer intensiven, sehr beängstigenden Inszenierung punkten kann. Die etwas zu lang geratene Exposition will man da gerne verzeihen.