Seit jeher hab ich eine gewisse Faszination für den Giganten im Himalayagebirge. Wäre ich körperlich fitter wäre dieser Berg wohl die eine Herausforderung, der ich mich gerne stellen würde, auch wenn ich nie genau definieren kann wieso ich es tun würde, bzw. wieso überhaupt der Mount Everest eine solche Faszination auf mich ausübt.
Gleiches galt schon damals für die Tragödie, die sich im Mai 1996 ereilte und in der 2015er Verfilmung vom isländischen Regisseur Baltasar Kormákur thematisiert wird.
Ich erinnere mich noch bestens an den Kinobesuch zurück, der inzwischen genau zehn Jahre zurückliegt. Mit einem Filmquiz von unserem örtlichen Kino veranstaltet vor dem Film, wo ich mich erstmals stellte und durch den Sieg Freikarten gewann, bis hin zu den 3D Effekten, die mich erstmals überhaupt bei einem Film beeindruckt haben.
„Everest“ ist nie vollkommen an der Vorlage dran. Zu Gunsten der Dramaturgie und des emotionalen Einschlage wurde vieles umgestaltet und anders gestaltet. Auch die Zeichnung mancher Figuren im Film ist positiver als in der Realität. So kommen Hall und Fischer im Film doch recht gut weg, auch wenn man ihre Entscheidungen und den allgemeinen Massentourismus, der heute noch viel schlimmer ist als damals, kritisch begutachten muss. Im Sinne des Films machen aber die emotionalen Geschichten durchaus Sinn, da wir so mit Hall (Clarke), Fischer (Gyllenhaal), Hanson (Hawkes), Weathers (Brolin), Wilton (Watson), Arnold (Knightley) oder Krakauer (Kelly) bestens mit fiebern können, auch wenn wir ihr Schicksal kennen. Den Cast kann ich allgemein loben, auch wenn Gyllenhaal kaum was gemein hat mit seiner Vorlage.
Die Effekte und Aufnahmen am Berg selbst und seiner Umgebung sind immer noch beeindruckend, lösen eine Sehnsucht, Abenteuerlust, aber auch Ehrfurcht und Angst aus. Handwerklich perfekt gemacht und emotional mitreißend, fasziniert mich der Mount Everest und dieses Film auch zehn Jahre später noch.
Empfehlen kann ich an der Stelle auch den Tatsachenbericht „In eisigen Höhen“ von Jon Krakauer, der damals bei der Tour dabei war und einen Bericht für die Zeitschrift „Outside“ schreiben wollte. Man muss sich im Film aber, wie gesagt, bewusst sein dass die Figuren durchaus heroischer dargestellt werden, das indische Team, von denen drei Menschen starben keine Rolle spielt, die Umweltverschmutzung um den Berg, die inzwischen auch extrem ist, nicht erwähnt wird und vor allem die stillen Helden, die Sherpa, kaum erwähnt werden. Als Drama aber eine absolute Empfehlung.