Beating Hearts
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Kinobengel
Kinobengel

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3,5
Veröffentlicht am 30. März 2025
SONNENFINSTERNIS


Teenagerin Jacqueline (Mallory Wanecque) verliebt sich in den verbal und körperlich schlagfertigen Schulschwänzer Clotaire (Malik Frikah). Als dieser eine langjährige Freiheitsstrafe absitzen muss, heiratet „Jackie“ als Erwachsene (nun Adèle Exarchopoulos) einen anderen (Vincent Lacoste), aber sie kann Clotaire nicht vergessen.

Gilles Lellouche ist bisher hauptsächlich als Schauspieler tätig gewesen („Kleine wahre Lügen“, 2011 von Guillaume Canet; „Der Unbestechliche“, 2015 von Cédric Jimenez). Als Regisseur hat er nun mit „Beating Hearts“ sein bisher bestes Werk vorgelegt. In guten 160 Minuten, die ohne Langeweile vergehen, zeigt Lellouche eine Liebe mit enormer Anziehungskraft, inklusive feinfühlig toleranter Elternteile.

Liebesfilme aus Frankreich haben eine beneidenswerte Handschrift, zahlreiche tragen das Prädikat: „Das können nur Franzosen“, aus neuerer Zeit z.B. „Warten auf Bojangles“ (2021 von Régis Roinsard), „Die schönste Zeit unseres Lebens“ (2019 von Nicolas Bedos), ebenso Filme von Jean-Pierre Jeunet. „Beating Hearts“ beginnt kreativ, zudem mit einer erschütternden Voraussage. Der großartig ausgesuchte Soundtrack beinhaltet vor allem Songs von The Cure, die Jackie gerne hört. Der erfahrene Kameramann Laurent Tangy („Der Unbestechliche“, 2014 von Cédric Jimenez) fängt die Bilder durch einfallsreiche Einstellungen und beeindruckende Nahaufnahmen ein. Warum der französische Regisseur die blauäugige Mallory Wanecque durch die braunäugige Adèle Exarchopoulos als Jackie ersetzt, bleibt ein optisches Rätsel.

Die Story nimmt außergewöhnlich viel Fahrt auf, schier grenzenlose Liebe und blutige Gewalt, das explosiv emotionale Gemisch hält das Publikum kaum in den Sesseln. Lellouche nimmt sich in über der Hälfte der Spielzeit die erzählerischen Freiheiten, die ein Meisterwerk braucht. Während der Zeitsprung von zehn Jahren (Haftstrafe von Clotaire) noch richtig gesetzt scheint, inszeniert Lellouche den hinteren Teil seines Films beinahe ohne Beachtung seiner Möglichkeiten. Die so herrlich aufgebaute Tiefe wird durch gehetzt verstiegene Theatralik ersetzt, ohne jedoch die Anziehungskraft vollends zu verlieren. Dafür sorgt eine interessant gesetzte Wendung und insbesondere die brillante Adèle Exarchopoulos, die als liebesgebeutelte Jackie in Szenen voller Glück wie Tränen die Register ihres Könnens fühlbar auf die Leinwand bringt.

Wenn der Puls eines Films aus dem Rhythmus kommt, ist drastische Abwertung angesagt. Doch „L’Amour Ouf“, so der Originaltitel, ist noch so intensiv fesselnd, dass er eine gute Note verdient hat.
BrodiesFilmkritiken
BrodiesFilmkritiken

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4,0
Veröffentlicht am 24. März 2025
Die Geschichte lässt sich wohl schnell runter brechen: Junge und Mädchen treffen sich, verlieben sich, dann aber reißen sie schlimme Umstände auseinander. Jahre später geht die Geschichte dann weiter, ergänzt durch einen sehr umfangreichen Gangsterplot. Eigentlich also nichts, was man nicht schon kennt und doch ist dieser Film etwas Besonderes. Durch die gigantische Lauflänge wird die Geschichte episch ausgewalzt und breit erzählt, mit viel Zeit für kleine Dinge. So ist der Teil, in dem die beiden Figuren als Jugendliche umeinander herumtänzeln der stärkste, voller Feuer und Emotionen und mit sehr viel Witz. Das geht dann etwas rabiat in die Gangsterstory über, die dann bis kurz vor Schluß den Film dominiert, da ist man zwar nicht in einem anderen Film, aber in einem anderen Genre. Alle Parts sind aber von einer fiebrigen Energie durchzogen und versetzen in einen Rausch – selbst kitschige Küsse im Sonnenuntergang wirken so anders als man es ahnen mag. Und es stört auch nicht, dass die erwachsenen Darsteller und ihre jugendlichen Gegenparts kaum Gemeinsamkeiten haben.

Fazit: Fiebrig-energiegeladener Rausch voller Emotion und Gewalt
CEl.
CEl.

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4,0
Veröffentlicht am 27. März 2025
Die schwarzen Limousinen fahren los, ihr Tempo wird rasanter, bedrohlicher auch, ein Rachefeldzug in einem Bandenkrieg. Angekommen in einer abgelegenen Industriegegend macht der Fahrzeugkonvoi Halt, und der Beifahrer gesteht, dass er vorher nochmal gekifft habe, was die ganze Unternehmung fast zum Platzen bringt. Noch am Eingangstor einer Halle gibt es eine Schiesserei und als der Anführer sich gerade noch auf seinen Fahrersitz retten kann, trifft ihn eine Kugel durch die Autoscheibe.
Flashback zur Schulzeit in den 1980er Jahren. Clotaire (Malik Frikah) wartet mit seiner Gang vom Stadtrand jeden Morgen am Zaun auf den Schulbus, um den aussteigenden Gymnasiastinnen zotige Sprüche zuzurufen. Jackie (Mallory Wanecque) ist neu und will sich so etwas nicht gefallen lassen. Sie tritt auf Clotaire zu, um ihn zurechtzuweisen und da klickt es und sie ist von seiner plötzlichen Verlegenheit so eingenommen, dass sie selbst nun jeden Morgen Ausschau hält, ob die Gang dort wieder wartet.
In rasantem Tempo wie die Fahrt am Anfang entspinnt sich zwischen Jackie und Clotaire eine zarte Liebesgeschichte, die selbst ihre weit auseinanderliegenden Lebensverhältnisse überbrückt, bis die Umstände sie dann doch trennen. Clotaire wird in einen Mordfall verwickelt, unschuldig zum Opfer aufgebaut und muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Jackie darf ihn nicht besuchen, besteht ihr Abitur nicht und hat keine rechte Freude mehr am Leben.
Sie endet (jetzt gespielt von Adèle Exarchopoulos) in einem Büro für Mietautos. Ein Job, auf den sie keine Lust hat, was sie auch jeden Tag zeigt, doch ihr Chef (Vincent Lacoste) ist von ihrer ablehnend-aufmüpfigen Art beeindruckt und bietet ihr ein neues Leben, gutbürgerlich und sorgenfrei in einem schönen Einfamilienhaus.
Wie es kommen musste, entdeckt der fürsorgliche Ehemann eines Tages, dass da noch jemand anderes war. Nach dem Verbüssen seiner Haft sucht Clotaire (jetzt: François Civil) Jackies Vater auf und erfährt von ihrer Heirat. Parallel trifft Jackie zufällig Clotaires Mutter, die ihr eine Mobilnummer ihres Sohnes gibt. Nach einem Streit mit ihrem Mann ruft Jackie in ihrer Verzweiflung dort an - und ihr Klingeln erreicht Clotaire, als er bereits auf ebenjenem Rachefeldzug ist, mit dem die Geschichte ihren Anfang nahm. Oder auch ihr Ende.
Das lässt der Film offen und fokussiert stattdessen auf die Liebe zwischen Jackie und Clotaire, die so schnell über die Bühne zu gehen scheint wie der Auftragsmord oder wie eine mögliche Liebesgeschichte, die, wenn die Welt eine andere wäre, glücklich enden könnte. Clotaire wäre, als sein Beifahrer sich für bekifft erklärte, aus der Limousine und aus dem ganzen Vorhaben ausgestiegen und hätte Jackie an jener Telefonzelle getroffen, von der aus sie ihn verzweifelt angerufen hatte. Auf dem regennassen Pflaster stünden sie sich gegenüber, hätten sich nach all den Jahren wiedererkannt und während ihre Wunden im Krankenhaus versorgt werden, liest er ihr seine Liste aus dem Gefängnis vor mit all den Worten aus einem Lexikon, bei welchen er an sie denken musste.
Nach einer Komödie über das Synchronschwimmen, "Becken voller Männer", legt Gilles Lellouche nun eine Liebesgeschichte vor. Sie basiert auf dem Roman „Jackie Loves Johnser OK?" von Neville Thompson und folgt in schnellen Kamerafahrten (Laurent Tangy) und kurzen Schnittfolgen (Simon Jacquet), unterlegt mit einem Soundtrack von The Cure, Prince und The Alan Parsons Project, dem unmittelbaren Bildablauf eines flashbacks, als ziehe das Leben noch einmal vorbei, atemlos, berührend und sehr sehenswert.
Sebastian S.
Sebastian S.

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4,0
Veröffentlicht am 29. März 2025
Erfrischend, energiegeladen, Gesellschaftskritik mit dem Vorschlaghammer.
Musikalisch ein tolles Spiegelbild der jeweiligen Dekade.
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