99 Homes
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Kino:
Anonymer User
4,5
Veröffentlicht am 1. März 2017
Bitteres Drama um Konkurrenzzwang und das Problem, bei der Abewendung des eigenen wirtschaftlichen Untergangs, anderer Menschen Lebe nzu ruinieren. Von Michael Shannon und Andrew Garfield zudem großartig umgesetzt.
FILMGENUSS
FILMGENUSS

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3,5
Veröffentlicht am 29. April 2021
DAS KALTE HERZ DES WESTENS
von Michael Grünwald / filmgenuss.com

Mach nie die Tür auf, lass keinen rein – das rät zumindest die Erste Allgemeine Verunsicherung. Doch es hilft alles nichts. Auch wenn man in diesem Fall so tut, als wäre man nicht zuhause, sitzt man trotzdem bald vor selbigem, und zwar von einem Tag auf den anderen. Wir wissen: 2008 gab´s die Finanzkrise, und wir wissen auch, wohin das geführt hat: zum Platzen der sogenannten Immobilienblase. Sicherheiten waren plötzlich nichts mehr wert, Kredite nicht zahlbar, und Banken konnten sich nur noch damit retten, den Leuten das Heim unter dem Hintern wegzuziehen.

Was für eine schlimme Situation, die der alleinerziehende Bauarbeiter Dennis Nash da erleben muss. Es reicht nicht, dass der Mann den Job verliert – nein. Eines Morgens steht der Hausverwalter Rick Carver vor seiner Tür, flankiert von zwei hochmotivierten Polizisten und einer Entourage für die Drecksarbeit. Sind die Raten fürs Haus nicht mehr zahlbar, wohnt hier jetzt die Bank. Dabei muss die ganze Familie mitansehen, wie das komplette Interieur im Vorgarten landet. Doch so leicht lässt sich der arbeitswillige Jungvater nicht unterkriegen. In der Not bietet er Carver seine Dienste an, bleibt anfangs Mädchen für alles, um später genau das zu tun, was auch jener getan hat, der ihn und seine Familie vor die Tür gesetzt hat. Doch Moment! Genauer betrachtet ist ja nicht der Wohnungspfänder der Böse, sondern das Wirtschaftssystem dahinter. Genauer betrachtet wird aber auch klar, dass der schmierige Geschäftsmann Carver Mittel und Wege gefunden hat, selbst die Banken um ihren Vorteil zu prellen.

Nirgendwo sonst als in den USA kann aus Alles plötzlich Nichts werden. Kann eine Existenz plötzlich scheitern. Nirgendwo sonst ist man auch dermaßen wenig vor Schicksalsschlägen abgesichert. Polizzen sind eine Sache fürs Establishment. Welches aber auch anderweitig vorgesorgt hat. Wie die schillernde Figur des Rick Carver eben. Will man solche Rollen wirklich treffsicher besetzen, klingelt´s womöglich bei Michael Shannon an der Tür. Der Mann ist prädestiniert für den charismatischen, kompromisslosen und über Leichen gehenden Typus, ein gelackter Influencer unter dem Herrn, ein Geschichtenerzähler und Einwickler. So kommt es, dass die Wirkung dieses Films fast ausschließlich auf seine Golferkappe geht. Und dabei ist es kaum vorstellbar, dass es Menschen gibt, die es tatsächlich anstreben, so sein zu wollen, und die es der Wirtschaft dort gutgehen lassen, wo man nicht so genau nachfragt. Ramin Bahrani setzt auch hier, so wie in seiner erst kürzlich auf Netflix erschienenen Buchverfilmung Der weiße Tiger – die Chronik eines steinigen Wegs zum Wohlstand in Indien – seine abenteuerliche Identifikationsfigur auf Augenhöhe mit dem Zuschauer, die anfangs nichts, aber auch gar nichts hat und letztendlich alles haben könnte. Wie Peter Munk aus Willhelm Hauffs Das kalte Herz.

Und wie bei Hauff hat auch 99 Homes – Stadt ohne Gewissen ein ausgeprägtes Moralbewusstsein. Bahrani kann es natürlich nicht akzeptieren, die Welt auf diese Art sich selbst zu überlassen. Dafür ist er zu sehr Humanist, der erahnt, wie man leben soll. Diesen lehrmeisterlichen Gewissenskonflikt darf Andrew Garfield in diesem packenden Wirtschaftsthriller ganz alleine austragen – zwischen altklugen Weisheiten aus dem Munde Michael Shannons, der weiß, wies geht, und einem sozialen Bewusstsein, das selten in die Agenda des Erfolges passt.
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Mehr Reviews und Analysen gibt´s auf filmgenuss.com!
Christian Alexander Z.
Christian Alexander Z.

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4,5
Veröffentlicht am 2. Oktober 2021
An der Grenze zum Meisterwerk agiert dieser Independent Film in jedweder Hinsicht. Perfekt in Architektur und Cast wird die grausame Wirklichkeit behind the American Dream vorgeführt ohne die Charaktere dabei zu verraten (so ist der Hai z. B., ein ganz einsames Schwein). Kino der Spitzenklassen, dramatisch, spannend und traurig bis zum Schuss.
Daniel P.
Daniel P.

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3,5
Veröffentlicht am 7. November 2016
Skrupellos oder macht jeder nur seinen Job in einem perfiden System? Suchts euch aus. Sehr gut erzählte Geschichte aus dem amerikanischen "Wohnungseigentümer" -Alltag mit einem grandiosen Michael Shannon als Haifisch.
No Use For A Name
No Use For A Name

14 Follower 1.213 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 20. Februar 2026
Es ist schon krass, so direkt zu sehen, welche Konsequenzen die Folgen der geplatzten Immobilienblase in den USA denn für die Menschen tatsächlich hat. Anhand zahlreicher Beispiele können wir verfolgen, wie ganze Familien aus ihren Häusern vertrieben werden. Im Zentrum steht dabei der junge Vater Dennis Nash, der mit seinem Sohn und seiner Mutter erst ebenfalls vertrieben wird, dann in der Folge aber für genau jenen Mann arbeitet, der auch für seine eigene Zwangsvollstreckung verantwortlich war. Das Perverse ist dann, dass Dennis fortan dann auch eben diesen Job übernimmt: Familien per Zwangsvollstreckung aus ihrem Haus zu werfen.

Das Ganze funktioniert eine Zeitlang ganz gut, wird dann aber ziemlich schnell auch redundant, weil es eigentlich immer die gleiche Szenerie ist. Und offenbar spielt sich auch alles innerhalb der gleichen Stadt, ja sogar innerhalb der gleichen Siedlung ab. Dadurch nutzt sich dieses Thema relativ schnell ab, wird aber trotzdem immer und immer wieder gezeigt. So gibt es im Drehbuch auch noch einige weitere Ungereimtheiten, . warum sein Sohn so anstandslos mit der Oma nach Florida zieht, statt bei seinem Vater zu bleiben. Auch kommt die Läuterung von Dennis sehr abrupt, ohne dass sie irgendwie dramaturgisch hergeleitet wird. Erst macht es ihm nichts aus und er bereichert sich ohne Skrupel am Leid anderer Menschen. Plötzlich bekommt er Gewissensbisse und verrät seinen Boss und schmeißt einfach alles über den Haufen. Das erscheint dann insgesamt wenig glaubwürdig.

Auch verpasst der Film es, diese Thematik kritisch zu beleuchten, er zeigt uns lediglich die Folgen, ist dabei aber auch alles andere als neutral, obwohl er das wohl ganz gerne wäre. So ist es doch auch keinesfalls so, dass diese Räumungsklage so völlig aus heiterem Himmel kommt, wie es der Film suggeriert. Auch wenn niemals etwas über die Hintergründe erzählt wird (das blendet der Film komplett aus!), wird es doch in den allermeisten Fällen so gewesen sein, dass die Leute ihre Hypotheken oder Kreditraten nicht mehr gezahlt haben. Dann wird es einige Mahnungen gegeben haben und die Zwangsräumung kommt doch als allerletztes und doch auch nicht über Nacht! Hier hätte der Film ansetzen können, und die unersättliche Geldgier der Banker und Börsenbroker, die ja erst zu dieser Katastrophe geführt hatte, thematisieren können. Das tut er aber nicht, er fokussiert sich lieber auf die beiden Figuren Nash und Carver.

Das größte Problem, dass “99 Homes” aber hat, ist – und man muss es einfach mal so sagen – Andrew Garfield. Ein wirklich guter Schauspieler war er ja noch nie, aber hier torkelt er die ganze Zeit (!) mit einem einzigen Gesichtsausdruck (nämlich so, als ob er gerade beim Kacken ist) komplett ohne Mimik durchs Bild, von nuancierter Schauspielkunst ist hier absolut nichts zu merken. Seine Performance killt die allermeisten Szenen, er spielt seine Figur so furchtbar schlecht, dass es wirklich schade um den Film ist. Ihm gegenüber liefert Michael Shannon eine extrem starke Performance, den allglatten, skrupellosen Immobilienhai nimmt man ihm von der ersten Sekund an sofort ab! Laura Dern hat eine etwas undankbare Rolle vom Drehbuch bekommen, macht aber das Beste daraus.

Dennoch ist “99 Homes” ein guter Film geworden, man muss Andrew Garfield einfach so hinnehmen, dann geht das. Die Thematik ist hochbrisant und wird auch (im Rahmen des schwachen Drehbuchs) ganz ordentlich inszeniert. Auch wenn die Räumungsszenen schnell redundant sind, bleiben sie dennoch hochdramatisch. Und am Ende ist es dann doch Michael Shannon, der den Film ganz klar aus der Mittelmäßigkeit heraushievt.

FAZIT: Ein aufregender Film zu einem aufregenden Thema, der nicht direkt schlecht ist. Mit einem guten Drehbuch, einem fähigen Regisseur und vor allem einem besseren Schauspieler als Andrew Garfield hätte der Film richtig, richtig gut werden können. So verharrt er im Mittelmaß und wird allein durch Michael Shannon nochmal nach vorne gepusht!
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