Es ist schon krass, so direkt zu sehen, welche Konsequenzen die Folgen der geplatzten Immobilienblase in den USA denn für die Menschen tatsächlich hat. Anhand zahlreicher Beispiele können wir verfolgen, wie ganze Familien aus ihren Häusern vertrieben werden. Im Zentrum steht dabei der junge Vater Dennis Nash, der mit seinem Sohn und seiner Mutter erst ebenfalls vertrieben wird, dann in der Folge aber für genau jenen Mann arbeitet, der auch für seine eigene Zwangsvollstreckung verantwortlich war. Das Perverse ist dann, dass Dennis fortan dann auch eben diesen Job übernimmt: Familien per Zwangsvollstreckung aus ihrem Haus zu werfen.
Das Ganze funktioniert eine Zeitlang ganz gut, wird dann aber ziemlich schnell auch redundant, weil es eigentlich immer die gleiche Szenerie ist. Und offenbar spielt sich auch alles innerhalb der gleichen Stadt, ja sogar innerhalb der gleichen Siedlung ab. Dadurch nutzt sich dieses Thema relativ schnell ab, wird aber trotzdem immer und immer wieder gezeigt. So gibt es im Drehbuch auch noch einige weitere Ungereimtheiten, . warum sein Sohn so anstandslos mit der Oma nach Florida zieht, statt bei seinem Vater zu bleiben. Auch kommt die Läuterung von Dennis sehr abrupt, ohne dass sie irgendwie dramaturgisch hergeleitet wird. Erst macht es ihm nichts aus und er bereichert sich ohne Skrupel am Leid anderer Menschen. Plötzlich bekommt er Gewissensbisse und verrät seinen Boss und schmeißt einfach alles über den Haufen. Das erscheint dann insgesamt wenig glaubwürdig.
Auch verpasst der Film es, diese Thematik kritisch zu beleuchten, er zeigt uns lediglich die Folgen, ist dabei aber auch alles andere als neutral, obwohl er das wohl ganz gerne wäre. So ist es doch auch keinesfalls so, dass diese Räumungsklage so völlig aus heiterem Himmel kommt, wie es der Film suggeriert. Auch wenn niemals etwas über die Hintergründe erzählt wird (das blendet der Film komplett aus!), wird es doch in den allermeisten Fällen so gewesen sein, dass die Leute ihre Hypotheken oder Kreditraten nicht mehr gezahlt haben. Dann wird es einige Mahnungen gegeben haben und die Zwangsräumung kommt doch als allerletztes und doch auch nicht über Nacht! Hier hätte der Film ansetzen können, und die unersättliche Geldgier der Banker und Börsenbroker, die ja erst zu dieser Katastrophe geführt hatte, thematisieren können. Das tut er aber nicht, er fokussiert sich lieber auf die beiden Figuren Nash und Carver.
Das größte Problem, dass “99 Homes” aber hat, ist – und man muss es einfach mal so sagen – Andrew Garfield. Ein wirklich guter Schauspieler war er ja noch nie, aber hier torkelt er die ganze Zeit (!) mit einem einzigen Gesichtsausdruck (nämlich so, als ob er gerade beim Kacken ist) komplett ohne Mimik durchs Bild, von nuancierter Schauspielkunst ist hier absolut nichts zu merken. Seine Performance killt die allermeisten Szenen, er spielt seine Figur so furchtbar schlecht, dass es wirklich schade um den Film ist. Ihm gegenüber liefert Michael Shannon eine extrem starke Performance, den allglatten, skrupellosen Immobilienhai nimmt man ihm von der ersten Sekund an sofort ab! Laura Dern hat eine etwas undankbare Rolle vom Drehbuch bekommen, macht aber das Beste daraus.
Dennoch ist “99 Homes” ein guter Film geworden, man muss Andrew Garfield einfach so hinnehmen, dann geht das. Die Thematik ist hochbrisant und wird auch (im Rahmen des schwachen Drehbuchs) ganz ordentlich inszeniert. Auch wenn die Räumungsszenen schnell redundant sind, bleiben sie dennoch hochdramatisch. Und am Ende ist es dann doch Michael Shannon, der den Film ganz klar aus der Mittelmäßigkeit heraushievt.
FAZIT: Ein aufregender Film zu einem aufregenden Thema, der nicht direkt schlecht ist. Mit einem guten Drehbuch, einem fähigen Regisseur und vor allem einem besseren Schauspieler als Andrew Garfield hätte der Film richtig, richtig gut werden können. So verharrt er im Mittelmaß und wird allein durch Michael Shannon nochmal nach vorne gepusht!