Für diesen Film gibt es keine deutsche Synchronisation – und das ist auch gut so. Denn hier werden mehrere unterschiedliche Sprachen gesprochen und die Differenzierung der Sprache ist ein wesentlicher Teil der Dramatik und des Konflikts. Die zahlreichen Sprachen symbolisieren den Zerfall des Landes, dem die Einwohner dort relativ machtlos ausgesetzt sind. Gerade jetzt (der Film spielt 2012) ist das Land (oder zumindest der Norden Malis) durch islamistische Fundamentalisten besetzt, die arabisch sprechen, und da sie aus verschiedenen Ländern kommen, sprechen sie ganz unterschiedliche arabischen Dialekte, und haben selbst untereinander Verständigungsprobleme. Für die Kommunikation mit den Einheimischen, die meist Tamaschek oder Bambara sprechen, brauchen sie Dolmetscher. Zwischendrin wird dann auch noch französisch und englisch gesprochen, es ist ein ziemliches Durcheinander. Der Film ist zwar deutsch untertitelt, erfordert aber die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers, damit man da nicht den Überblick verliert.
Der Film zeigt in teilweise sehr drastischen und expliziten Bildern, wie die islamistischen Besatzer mit der einheimischen Bevölkerung umgehen, wie die Scharia gewaltsam durchgesetzt wird. Rauchen, Musik, Tanzen, Singen, Fußball, alles wird verboten. Dabei dreht sich die Story zentral um den Hirten Kidane, der im Streit versehentlich einen anderen Menschen tötet und sich jetzt der Scharia-Justiz stellen muss. Rund um diese Rahmenhandlung werden immer wieder Szenen eingewoben, die die Bevölkerung in verschiedenen Alltagssituationen zeigt und thematisiert, wie diese mit den neuen Gesetzen umgehen. Wenn eine Frau dann anfängt zu singen, während sie wegen Musizierens ausgepeitscht wird, dann ist das ebenso beängstigend wie dramatisch.
Regisseur Abderrahmane Sissako inszeniert dabei das Ganze sehr intensiv und eindringlich. Dabei geht er schonungslos vor und nimmt keine Rücksicht auf uns Zuschauer. Was wir dort zu sehen bekommen, ist uns so fremd, wir können uns das Leben unter diesen Umständen kaum vorstellen. Dass der Film aber die Realität abbildet und dabei mutmaßlich auch sehr realistisch ist, macht das Alles nur noch verstörender. Insofern ist der Film durchaus sehr gelungen. Ein bewegendes und emotional aufwühlendes Porträt einer unruhigen und finsteren Zeit. Absolut sehenswert!