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    Good Time
    Durchschnitts-Wertung
    3,2
    41 Wertungen - 7 Kritiken
    Verteilung von 7 Kritiken per note
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    7 User-Kritiken

    Yanky
    Yanky

    User folgen 1 Follower Lies die 8 Kritiken

    4,5
    Veröffentlicht am 12. Dezember 2017
    „The pure always act from love. The damned always act from love.” - Oneohtrix Point Never - The Pure and the Damned (ft. Iggy Pop Es ist eine uralte Debatte: Wo fängt moralisches Handeln an und wo hört es auf? Wann heiligt der Zweck die Mittel oder darf und kann er das überhaupt? Um diese Thematik medial zu reflektieren, kann man zwei Dinge tun. Entweder, man schenkt sich ein Glas Rotwein ein, greift gediegen zum Kautabak und liest mal wieder „Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen“ von Immanuel Kant, oder, die vermutlich weniger prätentiöse Möglichkeit, man schaut GOOD TIME von Ben und Josh Safdie. Berauschende Bilder, vereinnahmendes Schauspiel und ein packendes Thriller-Drama gibt es im Gegenzug für anderthalb Stunden Stress und Verzweiflung gratis dazu. Die Handlung von GOOD TIME ist schnell erzählt. Der kleinkriminelle Connie (Robert Pattinson) und sein geistig beeinträchtigter Bruder Nick (Ben Safdie) werden nach einem chaotischen Raubüberfall von der Polizei gestellt. Connie kann fliehen, Nick wird gefasst und in ein Gefängnis gesperrt. Weil Connie fürchtet, dass sein Bruder dort keine Nacht überlebt, setzt er in den folgenden Stunden alles daran, an 10.000 Dollar zu kommen, um Nick frei zu kaufen und verliert sich dabei in einem immer tiefer werdenden Sumpf aus Gewalt, Betrug, Lügen und Gier. Obwohl der Film als eine Art schauspielerischer Befreiungsschlag von Robert Pattinson beworben wird (durchaus berechtigt – dazu später mehr), liegt die Größte Stärke von GOOD TIME in seiner Ambivalenz. Der Film funktioniert auf unterschiedlichen Ebenen und kann ohne Abstriche als Millieustudie, als gesellschaftskritische Satire, als philosophisch angehauchtes Drama oder als packender „On-the-run-Thriller“ gesehen werden - und er ist in allen Bereichen gleichermaßen konsequent. Immer wieder zwingen die Regisseure ihren Hauptdarsteller in Situationen, die mit simpelsten Mitteln Spannung erzeugen, den Zuschauer andererseits in knifflige moralische Kopfnüsse verwickeln und überdies hinaus viel über gesellschaftliche Missstände, insbesondere in den USA, zum Ausdruck bringen. „Wird er es rechtzeitig schaffen?“, „Wie kann er das rechtfertigen und wie weit darf man in einer solchen Extremsituation gehen?“ und „Liegt das Grundproblem in den wirkungslosen sozialen Hilfeleistungen, die die Menschen im Film an ihr Existenzminimum treiben?“ sind drei Kernfragen, die sich in nahezu jeder Szene überschneiden. Das ist ein sperriges Konzept und liegt schwer auf den Schultern eines 100-minütigen Films, der unter einem unfähigeren Regisseur vermutlich zu einem dialoglastigen Arthaus-Schmöker von epochalem Ausmaß verkommen wäre. Zum Glück ist GOOD TIME anders. Die gehetzte Inszenierung vereint Inhalt und Form perfekt in grobkörnigen, teils regelrecht hässlichen, ab und zu gerade noch genug beleuchteten 35 mm- Bildern, die teils dokumentarisch, in anderen Szenen plötzlich wunderschön, jedenfalls immer ästhetisch die Neon-durchzogene Großstadtatmosphäre einfangen. Das Tempo ist meist rapide, entschleunigt aber in den richtigen Momenten, um bestimmten Charakteren, Entscheidungsmomenten oder einfach mal dem Zuschauer Zeit zu geben. Beiläufig huscht die Kamera während dieser Hetzjagd durch Wohnblocks, Seitenstraßen oder Apartements, die gefüllt von einem vielseitigen Elektro-Score viel erzählen, ohne dass darüber im Film ein Wort verloren werden muss. Selten fühlen sich Handlungsorte und Charaktere so real an, wie in GOOD TIME – und das selbst dann, wenn die offensichtliche Vorliebe der Filmemacher für Neonlicht und knallige Farben während einer Etappe in einer Geisterbahn regelrecht zelebriert wird. Ein weiterer Aspekt, der darüber entscheidet, wie gut das übergroße Konzept in Good Time aufgeht, sind natürlich die Darsteller, die hier vor enorme Kraftakte gestellt werden. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, dann doch noch ein paar Worte über Robert Pattinson zu verlieren. Mich persönlich musste der zu unrecht verurteilte Darsteller schon nach „Cosmopolis“ oder „Lost City of Z“ nicht mehr von seinem Talent überzeugen, dennoch liefert er in GOOD TIME ohne Frage die mit Abstand beste Performance seiner Karriere und eine der besten schauspielerischen Leistungen des Kinojahres 2017. Die Standing Ovations in Cannes galten überdeutlich ihm und das ist gut so. Dennoch rückt das zu Unrecht die nicht weniger großartige Leistung seines Leinwandpartners und Regisseurs Ben Safdie in den Hintergrund. Wann immer Nick auf der Leinwand zu sehen ist, spricht eine solche Verzweiflung, eine solche Wut über sich selbst und seine Ohnmächtigkeit gegenüber der eigenen Situation aus seinen Blicken, dass mir alleine in den Eröffnungsminuten des Films ein Schauer über den Rücken lief. Und dieses Gefühl bildet dann auch die Klammer des Plots, denn auch die Abschlussszene gehört ganz ihm und liefert einen bitterbösen, pessimistischen Kommentar über unsere Gesellschaft, der mich, so abgedroschen es klingen mag, noch lange Zeit beschäftigen wird. Wenn dann währenddessen und einige Zeit später noch der großartige Credit-Song einsetzt und ein melancholischer, müder Iggy Pop mit wenigen Worten die Grenzen zwischen Liebe und Verzweiflung aufhebt, ist für mich völlig klar: GOOD TIME ist ein kleines Meisterwerk. Ein Film, der zeigt, ohne zu deuten, anregt, ohne zu belehren, spricht, ohne zu erklären und schön ist, ohne hübsch zu sein.
    Popcornfilme
    Popcornfilme

    User folgen 25 Follower Lies die 142 Kritiken

    1,5
    Veröffentlicht am 19. November 2017
    [...] Langatmiger und irgendwie abgefahrener Film, der sich uns leider nicht wirklich erschlossen hat. Uns hat „Good Time“ nicht abgeholt. Die vielgelobte Atmosphäre scheint an uns vorbei gegangen zu sein. [...] Die ganze Kritik gibt es unter popcornfilme.de!
    BrodiesFilmkritiken
    BrodiesFilmkritiken

    User folgen 4261 Follower Lies die 4 451 Kritiken

    2,0
    Veröffentlicht am 24. Oktober 2017
    Im Vorfeld las ich zu diesem Titel eigentlich nur wohlwollende Worte, nachdem ich ihn geschaut hatte kann ich diese nicht so ganz teilen oder gar nachvollziehen. Pluspunkte sind durchaus vorhanden: Robert Pattinson streift hier endgültig die letzten Twilight Merkmale und agiert als eine restlos eigenständige Figur, des weiteren funktioniert der Inszenierungsstil des Films der mittels ständig wackelnder Kamera, elektronischer Musik und manchen optischen Mätzchen sehr viel Atmosphäre erzeugt. Schade ist dabei nur daß es keine echte Handlung gibt, sondern eine Hauptfigur die von einer kniffligen Lage in die Nächste wankt und dabei irgendwie das finale Ziel im Hintergrund immer mehr aus den Augen verliert. Trotzdem wird es sicherlich spezielle Filmgourmets geben die sich auf solche Werke einlassen und einen Nährwert finden können – ich fand es vorrangig anstrengend, nervend und nicht stringent. Fazit: Atmosphärisch top und mit toller Hauptfigur, aber eben auch voller Längen und plätschernder Handlung!
    Pato18
    Pato18

    User folgen 818 Follower Lies die 984 Kritiken

    4,0
    Veröffentlicht am 27. Juni 2018
    „Goodtime“ war ein Film der mich sehr überrascht hat und mich obwohl ich ihn eigentlich garnicht anschauen wollte in seinen Bann gezogen hat. Story und inhaltlich echt super geworden, aber das Ende für mich verbesserungswürdig deswegen 4 Sterne!
    Kinobengel
    Kinobengel

    User folgen 185 Follower Lies die 440 Kritiken

    4,0
    Veröffentlicht am 6. November 2017
    Ben und Joshua Safdie haben nach „Heaven Knows What“ (2014) das nächste gemeinsame Projekt auf die Leinwand gebracht. New York City: Nach einem Banküberfall wird der geistig behinderte Nick Nikas (Ben Safdie) von der Polizei festgenommen. Bruder und Mittäter Connie (Robert Pattinson) entkommt mit dem geraubten Geld, das aber als Kaution für die Freilassung von Nick nicht ausreicht. Als Nick nach einer Schlägerei im Gefängnis ins Krankenhaus kommt, hat Connie eine Idee. Die Filme der Safdies haben ihre eigene Handschrift. Sie strotzen vor Authentizität, die den Zuschauern dröhnend und donnernd um die Ohren gehauen wird, nicht nur durch den aufdringlich treibenden Synthie-Sound; die Protagonisten sind laut, emotional, verzweifelt. Und diese Filme sind vor allem unangenehm zu schauen, Sympathieträger finden keinen Platz. Eine Produktion wie „Good Time“ ist nicht darauf ausgerichtet, die Massen ins Kino zu ziehen, sondern das Elend möglichst real zu zeigen. Und das haben die Safdies mehr als drauf. Ein Happy End ist nicht erwartbar, dennoch gibt es eines, welches selbstverständlich nicht in Hollywoodmanier konstruiert wurde. Nachdem „Heaven Knows What“ mit dem meisterlichen Caleb Landry Jones („Get Out“, „Barry Seal - Only in America“) überwiegend in der Beobachtung einer Affäre zwischen Junkies aufgeht (gesehen auf dem Internationalen Filmfest München 2015), wurde für „Good Time“ eine Krimi-Story installiert. Der Erzählfluss hängt mal im Mittelteil, hält aber neben erzwungenen Planänderungen zusätzlich eine Überraschung parat. Letztendlich fischt Connie mit seinen Mitteln unnachgiebig - auch Robert Pattinson kann so etwas hervorragend spielen - nach der immer nächsten sich bietenden Möglichkeit, seinem Bruder zu helfen, sodass das Werk nie aus dem Safdie-Fahrwasser des Sozialdramas gerät. Ben und Joshua Safdie prägen auch mit „Good Time“ die Landschaft des anspruchsvollen Kinos.
    Bruce W.
    Bruce W.

    User folgen 2 Follower Lies die 47 Kritiken

    3,5
    Veröffentlicht am 14. Januar 2018
    Good Time ist Adrenalin Kino, wie man es nur noch selten erlebt. Die Cinematographie, das Schauspiel, die Art wie sich die Charaktere verhalten und auch der Soundtrack dienen alle dazu, dem Zuschauer ein möglichst intensives Kinoerlebnis zu bieten. Tatsächlich gelingt es den Safdie-Brüdern sogar, die Story unvorhersehbar zu halten. Ich wusste bis zum Ende nicht, mit welchen Problemen unser Hauptcharakter als nächstes konfrontiert werden würde. Das Pacing ist zwar unregelmäßig und nimmt sich tatsächlich ab und zu eine Zeit zum Verschnaufen, aber innerhalb des Plots machten diese Ruhepausen durchaus Sinn. Die Schauspieler geben allesamt glaubwürdige Performances ab, und insgesamt legten die Filmemacher wohl auch sehr viel Wert auf Realismus. Die Kamera arbeitet mit Extremen: Entweder Close-Ups oder Wide-Shots (von denen es erstaunlich viele gibt - untypisch für die Safdie-Brüder). Die Lichtgestaltung besteht zu einem Großteil aus Neon-Lichtern, welche gut zum Synth-Score des Filmes passen. Bloß das Ende hat mir etwas am Gesamterlebnis verdorben. Teils wegen seiner Abruptheit, teils wegen seiner fehlenden Konklusion bzw. Konfrontation unserer zwei Hauptfiguren. Dadurch hätte man noch einen letzten Akzent in der Botschaft (?), bzw wohl eher der moralischen Thematik des Filmes setzen können. Dennoch bleibt Good Time ein außerordentlich gut gemachter Adrenalin-Schub auf Film gebannt, und Unterhaltung par excellence noch dazu. Ich hätte es nicht gedacht, aber definitiv einer der besten Filme des Jahres 2017.
    Das Kulturblog
    Das Kulturblog

    User folgen 10 Follower Lies die 107 Kritiken

    3,5
    Veröffentlicht am 8. November 2017
    In seinem neuen Film wagt er einen radikalen Bruch mit seinem Image: Die beiden Brüder Joshua und Ben Safdie verpflichteten ihn für „Good Time“ als schlecht frisierten Gangster in Schmuddelklamotten, der gemeinsam mit seinem geistig behinderten Bruder einen dilettantisch geplanten Banküberfall begeht und auf der Flucht vor der Polizei von einem Schlamassel in den nächsten stolpert. Der Genre-Film lebt von seiner düsteren Atmosphäre und den treibenden Elektro-Beats von Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never, mit denen die nächtlichen Autofahrten durch die hässlichsten Ecken New Yorks unterlegt sind. In Cannes wurde dieser Film für den besten Soundtrack ausgezeichnet. Weiterlesen auf Das Kulturblog
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