Es ist schwer, diesen Film angemessen zu beurteilen. Es handelt sich um ein einzigartiges, unglaubliches Experiment, das noch nie so versucht wurde. 125 Künstler aus 20 Ländern haben über einen Zeitraum von 7 Jahren handgemalte Einzelbilder angefertigt, die dann zu einem Film, zu einer Geschichte zusammengefügt wurden. Das hört sich unglaublich an, ist aber wirklich so passiert, wenngleich es sich bei vielen Szene um “echte” Schauspielszenen handelt, die im typischen van Gogh-Stil überarbeitet wurden. Wie auch immer, am Ende liefert es uns ein visuell unfassbar schönes Erlebnis, auf eine besondere Art und Weise, wie es noch kein anderer Film vermochte. Die Bilder sind größtenteils im Stile von Vincent van Goghs Werken angefertigt, und Kenner des Malers werden immer wieder tatsächliche echte Gemälde wiederfinden, die wie zufällig in die Geschichte eingewoben sind. Zwischendrin gibt es Rückblendeszenen, die in Schwarz-Weiß gehalten sind, auch eindrucksvoll wirken, aber natürlich nicht die typisch satten Farben und dicken Pinselstriche zeigen, wie wir sie von dem Künstler gewohnt sind. Das wirkt manchmal etwas fremd, passt aber eigentlich auch ganz gut ins Setting.
Aber da liegt auch das große Problem des Films. Er ist bemüht, quasi um die bekannten Bilder herum eine Geschichte zu konstruieren, die viel Biografisches von Vincent van Gogh enthält, aber im Detail nicht immer ganz korrekt ist. Aber das ist vielleicht auch total wurscht, da die Story eine reine Alibifunktion erfüllt, um die zugegebenermaßen sehr eindrucksvollen Bilder in Szene zu setzen. Vom künstlerischen her ist das Ganze natürlich über jeden Zweifel erhaben. Ob selbstgemalt oder vom Foto übermalt, in jedem Fall ist das Ergebnis atemberauebend und ist in erster Linie eine enorme Liebeserklärung an den Künstler Vincent van Gogh.
So eindrucksvoll das Ganze zu Beginn ist und auch wieviel Spaß es macht, die berühmten und nicht so berühmten Bilder in einzelnen Szenen wiederzufinden, so wird das auf die Dauer auch ziemlich ermüdend. Die Geschichte an sich ist nämlich nicht besonders spannend oder interessant gestaltet, vielleicht als Biopic ganz nett, dafür aber mit 95 Minuten eindeutig zu lang. Die Krimi-Geschichte wirkt dann doch sehr arg konstruiert und funktioniert dann auch nicht sonderlich gut, zumal sich einzelne Teile selbst widersprechen. Dennoch wird es für Fans des Künstlers bestimmt interessant sein.
FAZIT: Visuell extrem beeindruckendes Experiment, niemals zuvor hat der Ausdruck “Kunstwerk” auf einen Film besser gepasst als hier. Für Fans des Malers Vincent van Gogh wird der Film (zumindest auf der visuellen Ebene) eine Offenbarung sein, die Geschichte hangelt sich praktisch an den dessen Kunstwerken entlang, während sie eine wenig interessante Krimigeschichte entspinnt. Fürs einmal Anschauen ein wahres Erlebnis (wenn auch zu lang geraten), aber ein bleibender Eindruck bleibt kaum. Für Kunstinteressierte möchte ich eine Empfehlung aussprechen, wer mit Malerei, insbesondere der Postimpressionistischen, jedoch nichts am Hut hat, muss den Film nicht unbedingt sehen.