Wenn man nur die Hälfte seiner selbst ist…
Bis 2016 war der erfolgreichste Animefilm weltweit „Chihiros Reise ins Zauberland“ (Ghibli) von 2001. Doch dann löste „Your Name“ das Meisterwerk von Hayao Miyazaki ab. Unter der Regie von Makato Shinkai entstand eine emotionale und sehr spannende Geschichte über zwei Menschen, die ihre Körper tauschen. Was nach einer Variante von „Freaky Friday“ klingt, ist in Wahrheit eine subtile und toll verpackte Kritik an Geschlechterrollen, erzählt in einer romantisch, komischen Geschichte.
Die beiden jungen Menschen Mitsuha und Taki wachen eines Morgens auf und entdecken, dass sie ihre Körper getauscht haben. Das birgt nicht nur pubertäre Herausforderungen, sondern auch richtige Probleme mit Familien und Freunden. Doch warum passiert das? Die beiden wollen der Sache auf den Grund gehen und entdecken dabei ein tragisches Geheimnis…
Die Story klingt etwas kitschig und das ist sie auch, was vielleicht mein größter Kritikpunkt an dem Film ist. Das wird andere sicherlich gerade so mitreißen, mir hingegen war’s manchmal (besonders gegen Ende) etwas zu viel. Auch die Länge des Films hätte man in meinen Augen etwas runter kürzen können…
Abseits dessen bietet „Your Name“ eine wirklich kreative und emotionale Story, die nicht nur als klassische Lovestory gedeutet werden kann. Die recht konservative Lebensweise in Japan (zumindest im Universum dieses Films) wird hier subtil, aber kraftvoll aufgebrochen. Wenn die Freundin von Taki zum Beispiel sagt, dass sie es schön findet, dass er eine weibliche Seite hat, ist das schon abseits der konservativen Norm, in der Männer so sind und Frauen eben anders. Andere Mangas bzw. Animes haben diese Thematik schon aufgegriffen, meist mit viel Humor (siehe „Ranma 1/2“). In „Your Name“ wird das Ganze mit mehr Ernsthaftigkeit erzählt. So kann man zum Beispiel die gegenseitige Suche von Mitsuha und Taki als die Suche nach der eigentlichen Persönlichkeit deuten. Ein junger Mensch, der sich selbst erst finden muss, um im Leben voran zu schreiten. Mir persönlich gefällt dieser Ansatz sehr.
Der Film braucht diese Theorie jedoch nicht, um zu unterhalten, vor allem mit spannenden und charmanten Figuren. Auch der pubertäre Aspekt in der Geschichte gefällt mir, ebenso wie der Humor, der gekonnt mit Drama gemischt wird.
Besonders eindrucksvoll ist natürlich die Optik: Die atemberaubenden Animationen, die kräftigen Farben, die eindrucksvollen Hintergründe, all das macht den Film zu einem visuellen Highlight in der Animewelt. Auch der Soundtrack von den Radwimps passt sehr gut, auch wenn das Intro eher an eine Serie erinnert, als an einen großen Kinofilm.
Fazit: „Your Name“ ist ein toller und mitreißender Anime. Die kreative und spannende Geschichte lässt einen Träumen und Schwelgen. Mich persönlich berühren nicht alle Momente, aber das Werk von Makato Shinkai wird sicherlich viele (Anime-)Herzen begeistern!