The Nightingale - Schrei nach Rache
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Thomas Z.
Thomas Z.

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4,5
Veröffentlicht am 12. November 2022
"The Nightingale" spielt Anfang des 19. Jahrhunderts in der britischen Strafkolonie "Van-Diemens-Land", dem heutigen australischen Inselstaat Tasmanien. Da den meisten allenfalls der entsprechende Teufel, ein endemisches Beuteltier, ein Begriff sein sollte, muss man der australischen Regisseurin Jennifer Kent dankbar sein, in ihrer zweiten Arbeit nach "The Babadook" die verheerende Geschichte der Insel zum Thema zu machen. Die eigentlichen Teufel, die dort ihr Unwesen trieben, waren die britischen Eroberer, die es in knapp 50 Jahren schafften, die ca. 5.000 bis 6.000 Ureinwohner der Insel komplett auszurotten. Heute existieren noch Nachfahren, resultierend aus Beziehungen zwischen Besatzern und Aborigines. Vor diesem historischen Kontext spielt die Geschichte der irischen Straftäterin Clare, die neben ihrer lieblichen, titelgebenden Stimme, auch noch außerordentlich hübsch ist. spoiler:
Sie wird regelmäßig von Leutnant Hawkins (Sam Claflin) missbraucht bis ihr Ehemann, ebenfalls der Strafkolonie zugehörig, dahinterkommt. Die Szenerie eskaliert und endet in einer Gruppenvergewaltigung, dem Tod des Ehemanns und des gemeinsamen Babys. Hawkins, dem eine Beförderung in Aussicht steht, muss nach dieser Tat unter Zeitdruck ans andere Ende der Insel nach Launceston aufbrechen und "engagiert" einen einheimischen Führer durch die dschungelartige Wildnis. Wider erwarten hat Clare das Matyrium überlebt und sinnt auf Rache. spoiler:

Ausdrücklich seien empfindsame Menschen vor diesem Film gewarnt. Die Gewaltspitzen sind kompromisslos inszeniert und die FSK-Einstufung "ab 18" geht mal völlig in Ordnung.
Indes handelt es sich nicht um einen klassischen Rape & Revenge-Thriller.
Die eigentliche Stärke des Films liegt in der sich entwickelnden Annäherung zwischen Clare und ihren indigenen Führers Billy. Aisling Franciosi (Clare), bekannt aus einer wichtigen aber kleinen Nebenrolle von "Game of Thrones" (Lyanna Stark, Mutter von Jon Schnee) und Baykali Ganambarr (Billy) spielen sich förmlich die Seele aus dem Leib. Das ist intensiv, emotional, wirkt authentisch und nachhaltig auch lange nach dem Abspann.
Von mir Daumen hoch für 136 Minuten einzigartige Filmerfahrung.
FILMGENUSS
FILMGENUSS

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3,5
Veröffentlicht am 5. Juli 2020
GESCHUNDENES TASMANIEN
von Michael Grünwald/filmgenuss.com

Erst vor Kurzem hatte sich das belgische Könighaus für seine Gräuel während der Kolonialzeit im Kongo entschuldigt. Wem nützt das noch? Eine Entschuldigung ist schnell daher gesagt, und nichts mehr wert, nach so vielen Jahrzehnten des Zierens. Besser spät als nie, würden manche behaupten. Wäre es nie so weit gekommen, würde ich sagen. By the way: hat sich Großbritannien eigentlich schon dafür entschuldigt, die Ureinwohner Tasmaniens ausgerottet zu haben? Wahrscheinlich schon, und wahrscheinlich gab’s jede Menge Reparationen, um zumindest das letzte Bisschen ethnisches Erbe zu konservieren und fortleben zu lassen, zumindest in musealen Freilichtenklaven und in der Sprache der Ureinwohner, dessen zeitgerechte Archivierung grundlegend dafür war, das gesprochene Wort in seiner Originalität auch für diesen Film hier zu adaptieren, einem Rape and Revenge-Thriller im erd- und blutverkrusteten Gewand eines historischen Abenteuerfilms aus einer Zeit, in der Tasmanien noch Van Diemens-Land hieß und in welcher der Genozid gegen die schwarze Bevölkerung hoch im Kurs lag. Wie erquickend kann so ein Film nur sein, der von Ausbeutung, Versklavung, Vergewaltigung und Tod erzählt? Gar nicht.

The Nightingale von Jennifer Kent, bekannt geworden durch ihren Psychohorror The Babadook, ist trotz all der Hoffnungslosigkeit ein zutiefst feministisches, aufbrausend rechtefordendes Werk. Im Zentrum steht die Ex-Strafgefangene Clare, die beim britischen Leutnant Hawkins (gnadenlos böse und perfide: Sam Claflin) ihre Restschuld abarbeitet, von diesem aber regelmäßig missbraucht wird und die Freiheit, die ihr längst zugesteht, auch nicht bekommt. Irgendwann aber platzt Clares Ehemann der Kragen – was Hawkins natürlich nicht auf sich sitzen lassen kann und seinen ganzen Unmut eines Nachts an Clares Familie auslässt. Die Folge: Mann und Kind sind tot, der Leutnant mitsamt seines nicht weniger abscheulichen Sergeants (ekelerregend: Damon Herriman) bereits unterwegs in die Stadt, um sich befördern zu lassen. Doch falsch gedacht, wenn man vermutet, dass Clare sich nach all der Tragödie das Leben nimmt. Nein: Clare wird zur Furie, zum wütenden, keifenden, schreienden Racheengel, der Hawkins hinterherfolgt. Ohne Fährtenleser allerdings geht’s nicht, also gesellt sich unter anfänglichem Widerwillen der Tasmanier Billy an ihre Seite. Beide haben anfangs nichts gemein, doch später mehr, als sie vermutet hätten.

Eine Warnung gleich vorweg: The Nightingale hat nicht zu Unrecht eine FSK-Freigabe von 18. Die dargestellte sexuelle Gewalt an Frauen ist in diesem Film ziemlich unerträglich. Wer hier also zu sensibel auf solche Szenen reagiert, und das auch weiß, sollte den Film möglichst vermeiden. Ich selbst habe kurz überlegt, vorzeitig abzubrechen, denn nachdem man ohnehin schon die Nase voll hat von so will menschlichen Abgründen und irreversiblem Leid, setzt Jennifer Kent noch eins drauf. In The Nightingale ist die Bestie Mensch allgegenwärtig, andererseits aber findet die Kamera für einen ruhenden Gegenpool atemberaubende Aufnahmen der tasmanischen Wälder, in denen die Verlorenen umherirren. Doch der eigentliche Grund, The Nightingale nicht dem Bösen zu überlassen und sich erbaulicheren Themen zu widmen ist die Figur des Fährtenlesers Billy. Der Aborigines Baykali Ganambarr ist in jeder Sekunde seiner Spielzeit eine Entdeckung. Seine pragmatische Sicht auf die Gegenwart vereint sich auf berührende Weise mit seiner Wut über das Übel der britischen Land- und Lebensenteignung. Dann aber ist er wieder kindlich beseelt von den alten Mythen seiner Kultur, und man wünscht sich unentwegt, Billy möge diese Tortur durch die Wildnis gut überstehen. Die Finsternis aber, die legt sich über jedes Bild. Die Schönheit einer fremden Welt leidet – sie bleibt entsättigt, regennass und düster. In manchen Szenen, wenn Clare Alpträume plagen, hat der Streifen auch einigen Horror parat, um dann, nach ihrem Erwachen, in das gutmütige Gesicht des Fährtenlesers zu blicken, der sich ihrer annimmt. The Nightingale ist ein erschütterndes Drama über eines der dunkelsten Episoden der Menschheit, ein tiefschwarzer Film, in seiner Kompromisslosigkeit vergleichbar mit Twelve Years a Slave, allerdings nicht ohne bedingungsloser Liebe zu einem verlorenen Paradies, die letzten Endes über den Tod erhaben sein lässt.
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No Use For A Name
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14 Follower 1.201 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 27. Oktober 2025
Was für ein starker, schwerer Film über ein in der Tat sehr finsteres Kapitel englischer Geschichte, dass die Engländer wohl nur allzu gerne ausblenden. Neben dem zu oberst liegendem Racheplot werden hier noch vioel grundlegendere Themen wie Sklavenhaltung, Unterdrückung von Minderheiten im Allgemeinen und indigenen Völkern im Speziellen, Gewalt gegen Frauen oder gar so Existenzielles wie "Das Böse im Menschen" verhandelt.

Dass das Ganze nicht in eine überfrachtete Massenkarambolage endet sondern so elegant und ansehnlich geschieht, ist zum Einen das Verdienst der Regisseurin Jennifer Kent, die bereits mit "Der Babadook" ein (wenn auch gänzlich anders geartetetes) Ausrufezeichen setzen konnte, zum anderen aber auch der überragenden Leistung des zentralen Schauspieler-Trios. Zuerst natürlich Aisling Franciosi, die zwischendrun eine ganz heiße Anwärterin auf den Ellen Ripley-Badass-Titel gibt, dann aber doch bei der Ermordung eines ihrer Peiniger eine wahrlich tiefgreifende Einsicht erlangt, um dann am Ende eine der bewegendsten und intensivsten Filmabschlüsse zu präsentieren. An ihrer Seite ebenso herausragend Baykali Ganambarr und dann natürlich Sam Claflin, der sicher auch einen Titel in der Reihe der am meisten gehaßten Filmfiguren aller Zeiten bekommen könnte.

Auch handwerklich ist der Film meisterhaft. Die Landschaftsaufnahmen des tasmanischen Urwalds sind atemberaubend schön wie schrecklich, die Kameraarbeit dabei unaufgeregt und der Score jederzeit passend ohne aufdringlich zu sein. Das Einzige, was diesen Film vom Meisterwerk trennt, ist die doch etwas zu lange Laufzeit. Wenn es auch jederzeit interessant und spannend ist, die beiden Protagonisten beim gegenseitigen Annähern der Kulturen zu beobachten, schleichen sich doch vor allem im Mittelteil einige Längen ein. Eine Straffung um 20 Minuten an der richtigen Stelle hätte dem Film nochmal gut getan.

FAZIT: Herausragendes Nahezu-Meisterwerk, das stark und intensiv inszeniert ist und nur vordergründig den Racheplot beherbergt, in Wahrheit aber einige sehr wichtige und aufregende Themen verehandelt. Dabei stets dramatisch, niemals pathetisch und jederzeit grandios getragen von den drei Hauptdarstellern. Ich bin total geflasht und gebe guten Gewissens eine uneingeschränkte Empfehlung.
Robin H.
Robin H.

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4,5
Veröffentlicht am 31. Mai 2020
Super gespielte gut erzählte Geschichte in starken, wenn auch nicht immer leicht zu ertragenden Bildern. Eine schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin die ihres Gleichen sucht. Eine absolute Empfehlung!!
Otto Schmidt
Otto Schmidt

1 Follower 30 Kritiken User folgen

2,0
Veröffentlicht am 15. April 2022
Der Anfang begann vielversprechend, doch leider wurde es immer langweiliger. Aus der Geschichte hätte man mehr daraus machen müssen. Sorry leider nur 2 Sterne .
rogue
rogue

40 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 19. Januar 2026
Eindeutig ein hervorragender Film, der die unmenschliche, britische Kolonialzeit auf Tasmanien Anfang des 19. Jahrhundert am Beispiel eines britischen Offiziers, einer Irin (Sträfling) und eines Indigenen behandelt. Sehr explizit und brutal, aber so ähnlich war wahrscheinlich die Realität. Toller Cast, tolles Buch, Regie und Kamera, absolut sehenswert, wenn man denn die teilweise sehr brutalen Szenen ertragen kann.
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