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    Der Rausch
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    4 User-Kritiken

    FILMGENUSS
    FILMGENUSS

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    3,5
    Veröffentlicht am 25. Juli 2021
    ALKOHOL IST AUCH (K)EINE LÖSUNG
    von Michael Grünwald / filmgenuss.com

    A Kriagerl, A Glaserl, A Stamperl, A Tröpferl, då wer’n unsre Eigerln glei feicht. Då warmt si‘ des Herzerl, då draht si mei‘ Köpferl, die Fußerln wer’n luftig und leicht.

    Tja, da wussten die beiden österreichischen Weltkünstler Andre Heller und Helmut Qualtinger in ihrem Trinklied bereits, wie gut es nicht sein kann, mit der richtigen Menge Alkohol das Leben zu optimieren. Fehlt die richtige Motivation, der eloquente Zungenschlag, das selbstbewusste Auftreten: 0,5 Promille hinter die Binde gegossen – schon ist man wer. Paracelsus aber sagt: Allein die Dosis macht’s, dass ein Gift kein Gift sei. Recht hat er, denn genau darauf kommt es an. Alkohol per se kann durchaus eine Lösung sein, und angesichts einer Studie des Psychiaters Finn Skårderud pumpen unsere Herzen mal generell viel zu wenig Blutalkohol durch unsere Venen. Genau genommen wären das eben 0,5 Promille zu wenig. Würde man das Level halten, hätte man erst dann die richtige Pole Position für geistige, kognitive und repräsentative Leistungen. Obs im Sport was bringt, wird nicht erwähnt.

    Anhand dieser Annahme tun sich die vier Gymnasiallehrer Martin, Nikolaj, Peter und Tommy zusammen, um die Probe aufs Exempel zu machen, klarerweise motiviert durch aufkeimende Erschwernisse des Alltags, die vielleicht ohne hochprozentige Beikost nicht mehr zu schaffen wären. Sie wollen also testen, wie es ist, mit einem konstanten Spiegel von besagtem Promillewert dieselben Pflichten zu erledigen, die vorher schon angefallen waren. Was dabei herauskommt? Kommt drauf an, ob die vier Querdenker bereit sind, ihre Studie auszuweiten oder mit Skårderuds Annahmen abzuschließen. Im Grunde kann sich aber jeder denken, der bislang auch nur irgendwie mit Alkohol in Berührung gekommen war, wie das Ergebnis ausfallen wird.

    Thomas Vinterberg ist seit Dogma95 ein ganz großer seines Fachs. Filme wie Das Fest oder Die Jagd blieben mir bis heute nachhaltig in Erinnerung. Alles keine leichte Kost, dafür aber so energiegeladen inszeniert, dass seine Dramen wirken wie Thriller. Für Der Rausch schraubt der Däne einen Gang runter – und lässt es gemächlicher und humorvoller angehen. Auch sehr überlegt, konzentriert und frei von artifiziellem Beiwerk. Das Schauspielensemble steht im Mittelpunkt, die Regie bleibt gekonntes Handwerk. Was Allrounder Mads Mikkelsen hier wieder leistet, ist beeindruckend. Und natürlich nicht nur er. Alle vier, die da mit dem Alkohol recht selbstvergessen herumexperimentieren, tappen auf ihre ganz individuelle Art von einem Level der Trunkenheit ins andere, bis hin zur totalen Selbsterniedrigung. Paracelsus meldet sich wieder. Doch probieren geht über Studieren, meinen unsere Alltagshelden. So findet das Publikum die eingeschränkte Motorik lallender Supermarktkunden ganz lustig und schämt sich fremd, wenn Papa ins Bett uriniert. Symptome von Alkoholkonsum, wie wir sie alle kennen. Größere Probleme löst dieser trotzdem nicht.

    Daher ist Der Rausch (im Original: Druk, was so viel heißt wie Komasaufen), diesjährig mit dem Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film ausgezeichnet, in erster Linie kein Film, der neue Erkenntnisse über die Hassliebe zwischen Mensch und Alkohol bereithält. Allerdings deklariert Vinterberg den Alkohol nicht als etwas, das, wie es in mittelalterlichen Liedern so schön heißt, im Sinne des Teufels ist. Bier, Wein, Schnaps – alles nichts Böses. Die Symbiose zwischen Mensch und Gesöff: fast schon etwas Notwendiges. Ein Verbot: beinahe gegen unsere Natur. Ist da doch was dran an Skåkerunds Annahme? Ganz offensichtlich sympathisiert Vinterberg mit dieser Hypothese. Es gilt also die Unschuldsvermutung für Rebsaft und Co. Entlassen werden diese als neutrales Werkzeug wie jedes andere, das unter Missbrauch selbst und anderen klarerweise schadet, während der kluge Einsatz dessen tatsächlich weiterbringen mag. Medizin ohne Beipack? Von Brummschädel, gesteigerten Aggressionen und sträflich überwundenen Hemmschwellen verliert Der Rausch kein einziges Wort. Auch die Leber schweigt. Das fühlt sich fast schon wieder verharmlosend an.
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    Sonny Corleone
    Sonny Corleone

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    4,0
    Veröffentlicht am 24. April 2021
    Von Vinterberg schockierende Filme (Festen/The Hunt) gewohnt, ist dieser Film fast schon "normal", abgesehen davon, dass der Film fast zur Nachahmung einlädt.. Das Zusammenspiel des dänischen Ensemble ist kühler, aber immernoch glaubhaft genug.
    Der Film gehört aufgrund des eher lauen Filmjahres, zu den besten des Jahres!
    Patricia Balan
    Patricia Balan

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    1,0
    Veröffentlicht am 25. Juli 2021
    Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an diesen Film herangegangen. Zumal die Veröffentlichung durch die Pandemie verzögert wurde, was den Spannungsfaktor noch einmal - neben der Starbesetzung durch Mats Mikkelsen - zusätzlich erhöhte. Besonders durch die Auseinandersetzung mit einem durch die Karenzzeit relevanter werdendem, sozioökonomischen Problem - dem Alkoholismus - war die Vorfreude entsprechend groß.
    Nun ja, wo soll man anfangen?!
    Matts Mikkelsen war entsprechend großartig, seine Kollegen waren ihm aber ebenbürtig. Das Problem ist, dass dieser Film unreflektiert soziale Diskrepanzen hinsichtlich der Gleichstellung adaptiert und somit ein misogynes soziales Stimmungsbild reproduziert. Die Hauptprotagonisten sind ausschließlich Männer, in ihrer Midlifecrisis-Crisis, die sich in ihrer Situation nicht genügend ernstgenommen fühlen und deshalb scheitern. Durch die ungefilterte, genaue Darstellung des Scheiterns ist der Film in seiner Hauptintention einigermaßen Gelungen, aber nicht zeitgemäß. Die nicht-männlichen Protagonisten in diesem Film sind ausschließlich auf ihre Rolle als Mutter und Fürsorgerin reduziert (und auf ihr Aussehen - man denke an die Aussage von Nicolaj an seinem Geburtstag). Wäre ein kleines Detail anders, wäre dieser Film um einiges besser. Ist es 2021 immer noch ein Tabu, eine Frau außerhalb ihrer Rolle als Fürsorgerin und Mutter zu inszenieren?! Ist es immer noch ein Tabu, Frauen im Alkoholrausch zu zeigen, weil dies tendenziell ungeborenen Kindern schaden könnte?! Warum ist dieses „Privileg“ nur Männern vorbehalten, vor aller Publikum theatralisch zu scheitern? Sind wir über diesen Punkt nicht hinaus?!
    Sebastian Krüger
    Sebastian Krüger

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    4,0
    Veröffentlicht am 14. Juli 2021
    Vorweg muss man sagen, dass man für diese Art von "Arthouse-Filmen" empfänglich sein muss, denn auch wenn ein gewisses "Hangover" Flair beim Trailer vermittelt wird, wird das ganze hier auf eine eher realischische Weise dargestellt.
    Zugegeben braucht der Film ziemlich lange bis er seinen Weg findet, und auch ich, der nicht wusste was da gerade läuft, war über eine lange Strecke etwas genervt dass er nicht "in die Pötte" kommt.
    Auch das Drehbuch hätte etwas Feinschliff gebraucht, da 2-3 Ereignisse etwas zusammenhanglos wirken.
    Aber darüber hinaus muss ich sagen, das ich lange keinen Film mehr gesehen habe, der SO hängen geblieben ist. Der Ausgangspunkt ist nachvollziehbar, die Figuren authentisch, und zum ersten Mal bemerkte ich, was für einen grandiosen Job das Synchronstudio hingelegt hat, welche die Geräusche der Gläser, Eiswürfel und Getränke derart plastisch transportiert, dass man zwangsläufig Durst bekommt.
    Der Verlauf der Story mag zwar vorhersehbar sein, allerdings muss es auch nicht immer eine mega-Innovation sein um unterhalten zu werden, und Mads Mikkelsen's Darbietung am Ende ist schwer beeindruckend!
    Fazit: Bestimmt nicht Jedermanns Sache, aber absolut sehenswert!
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