Langweilig und manipulativ: Ein Drehbuch auf „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Niveau!
Als der erste „Downton Abbey“-Film angekündigt wurde, waren Fans weltweit begeistert. Nach vier Jahren (die Serie endete 2015) würde es endlich weitergehen. Das Endergebnis spielte gutes Geld ein und wurde von Kritikern gelobt. Doch für mich war schon das Ende der Serie mehr Soap als echtes Drama. Dabei ging alles so gut los mit der ersten Staffel. Der Film von 2019 war in meinen Augen nicht nur überflüssig, sondern rückte die Welt und ihre Figuren immer mehr in die Überzeichnung. Die Bediensteten sabotieren die Angestellten des Königspaares, damit sie deren Arbeit übernehmen können? Diese Absurditäten waren mir damals schon zu viel. Aber ich hatte keine Ahnung, denn Teil 2 sollte diesen Unsinn noch übertreffen!
2022 kam „Downton Abbey 2 – Eine neue Ära“ in die Kinos. Der Titel versprach eine große Veränderung, aber davon gibt es wahrlich wenig. Neben einer sehr offensichtlichen „Veränderung“, bietet dieses Sequel absolut NICHTS, was dem Titel „Eine neue Ära“ auch nur ansatzweise gerecht wird.
Auf Downton soll ein Film gedreht werden. Unfassbar aufregend ist das, zumindest für die Bediensteten. Die gehobenere Gesellschaft jedoch sieht dem Ganzen skeptisch entgegen. Währenddessen erkrankt Violet Crawley und widmet sich ihrem Testament als eine längst vergessene Romanze in ihr Leben zurück kehrt…
Auweia! Wo fange ich nur an? Erst einmal bin ich wirklich schockiert, was aus „Downton Abbey“ geworden ist. Von der Authentizität der ersten Staffeln ist nichts mehr geblieben. Die Figuren sind nur noch vage Schablonen ihrer selbst und dienen nur noch jämmerlichen Versuchen Humor oder Drama in die Story zu pressen. Das Drehbuch von Julian Fellowes ist hierbei in meinen Augen das größte Problem. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dies das lächerlichste Drehbuch ist, was ich seit Langem gesehen habe. Es werden abstruse und völlig inkonsequente Dinge dazu gedichtet, wie etwa die absurde Liebesgeschichte von Violet, und zwar noch vor der Geburt von Robert. Dann haben fast alle Figuren im Film kaum bis gar nichts Relevantes zu tun und verhalten sich dabei nur selten wie man es eigentlich von ihnen gewohnt ist. Und dann ist da die Story mit dem Filmdreh. Dass der Besuch der Königsfamilie im ersten Film ein passendes und großes Ereignis für das erste Kino-Abenteuer ist, sehe ich noch ein, aber warum zur Hölle wird so ein Terz um einen Film gemacht, der auf Downton gedreht wird? Die Figuren im Film selbst sagen es: „Wir haben den Krieg überstanden, also werden wir auch das hier überstehen.“ Natürlich! Denn nach all dem Drama in der Serie, nach all den schockierenden Wendungen, da ist es doch ein Witz, dass nun das große Thema ein Filmdreh ist. Das Ganze wirkt wie eine aufgeblähte Filler-Episode, bei der es keinen Unterschied macht, ob man sie sieht oder nicht. Denn am Ende haben die Ereignisse keinen Einfluss auf die Figuren. Und wenn, dann ist es furchtbar forciert und wird geschmacklos umgesetzt, wie die Verabschiedung einer großen Figur am Ende des Films. Andere künstliche Dramen werden ebenso künstlich aufgeblasen, nur um kurz vor Schluss zu verpuffen. Da hat eine Figur wohl eine todbringende Krankheit, aber der Onkel Doktor sagt zum Glück, dass alles nur ein Missverständnis sei. Aber es geht noch weiter: Eine der neuen Figuren ist die Filmdiva, mit der eine Zusammenarbeit natürlich alles andere als einfach ist. Aber wer schafft es sie zu bekehren? Anna und Daisy, zwei Bedienstete, auf die der Marilyn Monroe-Verschnitt normalerweise nichts geben würde. Aber durch kitschig, forcierte Wendungen erleben wir auch hier ein ekelhaftes Happy End.
Kitsch ist das Wort für diese Fortsetzung: Alles wirkt wie ein billiger Groschenroman, den man sonst nur in 1-Euro-Shops findet. Eine heile Welt, in der sich am Ende alles zum Besten wendet. Jeder kriegt die Liebe seines Lebens und alle sind glücklich... Bis auf das große Drama am Ende, was von der ersten Sekunde an vorhersehbar ist. Das Wort „subtil“ kam während der Produktion von „Downton Abbey 2“ wohl niemandem in den Sinn. Alles wird von den Figuren erklärt und vorgetragen, der Zuschauer muss weniger als nichts machen, um der laschen Handlung zu folgen.
Diese Faulheit des amateurhaften Drehbuchs findet sich leider im ganzen Film wieder. Regisseur Simon Curtis inszeniert das Ganze ohne Esprit und Würze, die Kamera ist langweilig und bis auf wenige Ausnahmen einfallslos und gerade der Schnitt von Adam Recht ist absolut fürchterlich. Viel zu oft wird viel zu früh in die nächste Szene geschnitten. Bloß keine Zeit verlieren, schnell weiter, damit wir schnell zum Ende kommen. John Lunn kann mit seiner Musik ebenfalls kaum neue Akzente setzen.
Leider wirken auch die meisten Darsteller gelangweilt und lustlos. Wer hatte denn wirklich Lust auf eine Fortsetzung zu „Downton Abbey“? Entweder gibt es nerviges Over-Acting oder gelangweiltes Aufsagen der lachhaften Dialoge. Wirklich glaubhaft ist hier niemand. Alle wirken wie Schauspieler, die eine Rolle spielen. Die hübschen Kostüme sollen darüber hinwegtäuschen und sind nur noch da, damit man sagen kann: „Oh, wie hübsch die doch alle aussehen!“
Fazit: „Downton Abbey 2“ ist ohne Zweifel ein Desaster. Nicht mal Fans der Serie dürften hier viel Spaß haben, schließlich wird nahezu nichts Neues geboten. Die „Neue Ära“ von der hier so groß geprahlt wird, wirkt wie lau aufgewärmtes Essen in der Mikrowelle. Traurig, wie eine doch sehr unterhaltsame Serie so im langweiligen Kitsch versumpfen kann. Wieso kann man das Ganze nicht ruhen lassen? Muss wirklich jedes Franchise bis zum Vertrocknen gemolken werden? Sicherlich nicht. Und deswegen hoffe ich sehr, dass dieser erbärmliche Versuch einer Fortsetzung scheitert und wir von weiteren Filmen verschont bleiben. Denn diese manipulative und einfallslose Art Fortsetzungen zu produzieren, ist der Grund, warum neue und kreative Ideen im Keim erstickt werden. Ein absolutes Desaster!