„I know who you are. I know what you are.“
Giorgos Lanthimos erobert die Indieszene in Hollywood und ist für mich gerade einer der besten Regisseure, die wir aktuell bewundern dürfen! Spätestens seit „The Favorite“ und „Poor Things“ hat Lanthimos die Filmlandschaft beeinflusst und jeder neue Film von ihm überrascht mich immer wieder. Während man bei einem Wes Anderson weiß, was man bekommt, ist ein Lanthimos-Werk immer eine filmische Wundertüte. Seit „Poor Things“ (2023) haut der Gute Filme am laufenden Band raus. 2024 kam sein düsterer Episoden-Horror „Kinds of Kindness“ und in 2025 sein neustes Werk: „Bogonia“. Ein Remake der südkoreanischen Sci-Fi-Komödie „Save the Green Planet!“, welches jedoch deutlich anders an das Grundkonzept heran geht. Lanthimos inszeniert einen makabren und absurden Thriller, der sich nicht nur um durchgeknallte Verschwörungstheoretikern dreht.
Teddy und sein Cousin Don entführen die bekannte Pharma Chefin Michelle Fuller, weil sie vermuten, dass sie ein Alien ist. Der Plan der beiden: Fuller soll Kontakt mit dem galaktischen Imperator aufnehmen, um die Welt wieder zu verbessern…
Und wie immer sollte man nicht mehr wissen, um den Film in vollen Zügen genießen zu können! Auch wenn der Film recht bekannte Elemente aus anderen Thrillern oder Horrorfilmen hat (zum Beispiel „Misery“ oder „Martyrs“), so ist „Bugonia“ etwas, was ich so noch nie gesehen habe! Lanthimos gibt dem Ganzen wieder seinen einzigartigen Touch, eine Portion Wahnsinn und absurde Momente, doch dahinter verbergen sich faszinierende Ideen und tragische, spannende Figuren. In diesem Kammerspiel sind es eigentlich nur drei Charaktere, mit zwei Nebenfiguren. Das Ganze hat mich immer wieder an ein Theaterstück erinnert.
Gleich vorweg: Wer mit Folter oder psychischer Gewalt nicht umgehen kann, sollte vorsichtig sein! Der Film hat zwar einen subtilen schwarzen Humor von vorne bis hinten, dennoch sind einige Momente sehr hart. Lanthimos zelebriert jedoch nie gewaltsame und menschenverachtende Handlungen, sondern lässt sie vor allem in unseren Köpfen entstehen.
Die intensivsten und spannendsten Momente sind jedoch die Szenen, in denen Michelle versucht aus den Fängen von Teddy und Don zu entkommen. Es ist faszinierend zu beobachten, welche Taktik sie wann anwendet. Gleichzeitig ist besonders die Figur des Teddy absolut spannend anzusehen. Ein Mensch, der sich so in seiner Wahnvorstellung verloren hat, dass er in einer ganz anderen Welt zu leben scheint!
Der Verweis auf aktuelle Gruppierungen, die ähnliche oder fast schon identische Ansichten teilen, ist klar erkennbar. Und auch wenn es leicht fällt sich über diese Menschen lustig zu machen, so ist es nicht nur die reale Gefahr, die von solchen Leuten ausgeht, die einem die Kehle schnell zuschnüren kann: Es ist vor allem die Tatsache, dass jemand wie Teddy ein ganz armseliges Leben führt. Und selbst jemand wie er wurde durch bestimmte Ereignisse in seinem Leben dazu geführt, dass er bereit ist eine Frau zu entführen.
Sowohl Michelle als auch Teddy tragen diesen Film, was besonders an den großartigen Darsteller*innen Emma Stone und Jesse Plemons liegt. Stone ist eh eine der besten Schauspielerinnen unserer Zeit geworden und sie ist hier wieder fantastisch! Gerissen, manipulativ und teilweise sogar diabolisch. Der Star für mich ist jedoch Plemons mit der Rolle seines Lebens: Nicht nur, dass er optisch kaum zu erkennen ist, er verwandelt sich komplett in einem anderes Wesen. Und während er als Teddy Michelle als Alien betitelt, ist er es doch, der nicht mehr auf dem Planeten Erde lebt, sondern in einer fiktiven Realität.
„Bogonia“ ist wieder mal großartig gefilmt von Robbie Ryan, der wohl jetzt Lanthimos‘ Stamm-Kameramann geworden ist, genauso wie Jerskin Fendrix, der bereits zu „Poor Things“ und „Kinds of Kindness“ die Musik komponierte. Sein Score zu „Bugonia“ ist überraschend orchestral, aber nicht minder absurd. Ein abermals starker Soundtrack!
Fazit: „Bugonia“ ist ohne Zweifel einer der besten Filme des Jahres und auch für mich einer von Lanthimos‘ besten Filmen. Nicht nur die Darsteller*innen sind grandios, auch die Thematik hat mich gepackt. Dazu eine facettenreiche Inszenierung, die aus einem objektiven Thriller ein vielschichtiges und schockierendes Kunstwerk macht!