An "Im Wald" hatte ich keine großen Erwartungen, da die Aufmerksamkeit für diesen Film in den Medien eher gegen Null geht. Vom gesamten Cast kannte ich niemanden, also glich das Anschauen des Film einem Blind Date.
Von Anfang an ging der Film eine seriöse Gangart an, es wurden auch die richtigen dramaturgischen Fäden gezogen, doch die Inszenierung hatte schon nicht genug Wirkung als Mats seiner Tochter die gruselige Sage erzählte. Es klang höchstens wie der Versuch es gruselig wirken zu lassen, aber nicht authentisch genug um es als witzig durchgehen zu lassen, zu alltäglich war der Vortrag von Tobias Kay. Derselbe kam mir jetzt aber schon bekannt vor als Schauspieler. Man kann dem Werk überhaupt nicht vortragen, dass die Dialoge zwischen Vater und Tochter um die Scheidung zu oberflächlich gewesen wären, denn es fehlte nicht viel dazu, dass der Horror in den Hintergrund eines Familiendramas rückte. Gerade das macht für den Film wieder seriös und authentisch, wobei die schauspielerischen Leistungen solide und nicht hochklassig sind. Ihre Qualität war ausreichend genug um sie als Profi-Schauspieler erscheinen zu lassen.
Es kündigt sich schon seit dem Beginn an, dass es hier um eine Horror-Geschichte gehen würde, also hat der Dramenanteil genau das richtige Maß, um zum zentralen Aspekt des Horrors zu kommen. Nun, ich weiß nicht warum, aber als der Horroranteil schließlich einsetzt, wirkt es eher befremdlich. Vielleicht liegt es daran, dass man bei einem deutschen Film, der durch und durch Deutsch ist, nicht erwartet, dass es zu solchen Situationen kommt. Das liegt nicht daran, dass Deutsch gleich schlecht ist, aber durch die Flut amerikanischer Horrorfilme, wo das Schauspiel viel theatralischer ist, entsteht hier eine ungewohnte Atmosphäre. Es wirkt bedrohlich, aber eben nicht bedrohlich genug, denn der Suspense fehlt, weil zu viel Realismus drinsteckt. Selbst im Vergleich zu einem deutschen "Tatort"-Film, der eher an ein konservatives Publikum adressiert sind, fehlt hier das Kribbeln. Der Spannungsfaktor wurde nicht ausgereizt. Viel zu viel denkt man noch über die reale Gefahr nach, als sich von der Handlung mitreißen zu lassen.
Als Bachelorarbeit für die Filmschule ist das sicher die Note 1, denn mit geringem monetärem Aufwand, passender Kulisse, notwendige Requisiten sowie klischeeartigen dramaturgischer Stilmittel und guter Kameraarbeit, wurde alles gezeigt was zu einem Psycho-Horror-Film dazugehört. Das Drehbuch ist nicht anspruchsvoll, füllt aber 70 Minuten mit einer Dramaturgie wie aus dem Lehrbuch. Unfreiwillig komisch ist das Werk zum Glück nicht, aber so richtig zündet die Atmosphäre trotz guter Kameraarbeit und toller Kulisse nicht. Nun das ist aber auch ein Fähigkeit, die eines Meisters der Inszenierung bedarf, wenn Schnitt und Sound und Tempo eine Einheit bilden.
Eine weitere Entwicklung traue ich dem Regisseur und Drehbuchautor Manuel Weiss durchaus zu, denn kann ich auch kreative neue Ansätze erkennen.