FILMVÄTER SIND MEISTENS MIES
Nora ist eine gefeierte Theaterschauspielerin, leidet aber unter Lampenfieber. Als ihre Mutter stirbt, taucht ihr Vater Gustav auf – der Mann, der die Familie im Stich gelassen hat. Inzwischen ist Gustav ein gefeierter Regisseur und bringt das perfekte Drehbuch mit. Nur Nora könne die Hauptrolle spielen. Die denkt gar nicht daran, für ihn zu arbeiten. Dadurch wittert Schauspielerin Rachel ihre große Chance, endlich ernst genommen zu werden.
Sentimental Value geht ca. 120 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben. Wir haben hier ein norwegisches Drama mit Stellan Skarsgård, Renate Reinsve und Elle Fanning in den Hauptrollen. Muss aber sagen: Für mich war das leider nichts und das hat einen ganz simplen Grund, das Drama der Figuren interessiert mich nicht.
Versteht mich nicht falsch, schlecht ist der Film keineswegs. Die Darsteller liefern ab, die Inszenierung ist ruhig und die Grundidee hat eigentlich alles, um einen emotional mitzunehmen. Zwei Töchter werden vom Vater verlassen, der Jahre später wieder auftaucht, sich aber nicht entschuldigt, sondern einen Job anbietet. Parallel kämpft eine Schauspielerin darum, mehr zu sein als nur ein hübsches Gesicht.
Für meinen Geschmack will der Film aber einfach zu viel. Es gibt zu viele Handlungsstränge, die sich die Luft nehmen. Statt einer Geschichte, die richtig tief geht, bekommt man mehrere, die alle nur ein Stück weit erzählt werden. Am Ende war mir deshalb jede Figur egal.
Der Vater bleibt emotional unterkühlt, Nora braucht vor jedem Auftritt erst ein Nümmerchen oder ne Backpfeife. Rachel rennt dem großen Drama hinterher, nur um festzustellen, dass ihr das Drama doch zu viel Drama ist.
Unterm Strich bleibt ein Film für alle, die Charakterdramen, leise Zwischentöne und zwischenmenschliche Konflikte lieben. Für mich war es schlicht nichts. Hätte man einen der Handlungsstränge gestrichen und sich stärker auf Vater und Tochter konzentriert, hätte mich das vielleicht mehr gepackt.
5,5/10 Punkten. Dass sich ganze Abschnitte ausschließlich um das Haus drehen, war für mich eher Geduldsprobe als Bereicherung. Manchmal ist ein Haus eben auch einfach nur ein Haus.