Des Teufels Bad
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Kinobengel
Kinobengel

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4,0
Veröffentlicht am 14. November 2024
ich glaub, ich glaub


Etwa 225 Jahre vor unserer Zeit heiratet Agnes (Anja Plaschg) Wolf (David Scheid), der in einem benachbarten Ort in Oberösterreich ansässig ist. Sehr bald schlägt es der jungen Ehefrau aufs Gemüt, dass ihr der Gatte sexuell fernbleibt und die häufig gegenwärtige Schwiegermutter (Maria Hofstätter) den Haushalt dominieren möchte. Die Absolution der römisch-katholischen Kirche für reuige Sünder wird eine entscheidende Rolle spielen.

Veronika Franz und Severin Fiala haben mit „Ich seh, Ich seh“ (2014) und „The Lodge“ (2019) bisher zwei Genrefilme aus dem Bereich Mystery/Horror auf die Leinwand gebracht. „Des Teufels Bad“ gehört dem Grunde nach nicht dazu, auch wenn der Titel das übernatürlich Böse quasi heraufbeschwört. Ein ländliches, von viel Wald bestimmtes Setting, simple Steinhäuser wie rustikale Kleidung ziehen das Publikum in die Zeit der Herrschaft von Maria Theresia, deren Einfluss auf die Bevölkerung im Film keine Rolle spielt. Das Regie-Duo konstruiert auf Basis historischer Begebenheiten ein Drama, verzichtet jedoch nicht auf Horror-Elemente. Schaurige Musik, eine zur Schau gestellte, hingerichtete Mörderin sowie anderes Ekliges in Nahaufnahme begleitet die authentisch wirkende Geschichte um Agnes, die sich immer mehr in ihre eigene Welt zurückzieht.

Die Inszenierung von Franz und Fiala erlaubt keine Langeweile. Als Motor der Spannungsschraube dient der detailreich dargestellte, sich allmählich verschlechternde Zustand der Protagonistin, die von Wolf im gewissen Sinne fürsorglich behandelt wird. Erstklassig herausgearbeitet ist die Verhaltensweise der Dorfbewohner aus einer Mischung von Scham, mangelndem medizinischen Wissen und religiöser Hörigkeit, die für alle eine unvermeidliche Hilflosigkeit zur Folge hat oder zu falschen Schlussfolgerungen führt. Dabei liefert Plaschg eine bemerkenswerte, außerordentlich emotional betonte Performance ab, insbesondere während Agnes‘ Beichte.

„Des Teufels Bad“ ist ein erschütternder, durch die wirklichkeitsgetreue Schilderung und die brillant aufgebaute Spannung sehr eindringlicher Ausflug ins 18. Jahrhundert.
Michael K.
Michael K.

60 Follower 295 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 19. November 2024
Dieser spektakuläre, sehr originelle und düster-heftige historische Thriller ist einer der Filme, bei dem man am besten keine Kritiken vorher liest, es wird wie so oft zu viel gespoilert.
Anja Plaschg liefert in diesem Film eine bemerkenswerte Hauptrolle, und trägt die spoiler: sich langsam aufbauende und zwischendurch immer rätselhafter werdende
Handlung, die gemessen am Genre wirklich viel Tiefgang und Message hat. Ein beeindruckender Film für das Kino.
No Use For A Name
No Use For A Name

14 Follower 1.209 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 15. September 2025
Oha! Schwere Kost so spät am Abend.
Da in de Film ein für die meisten starker, an der Grenze zur Unvertsändlichkeit österreichischen Dialekt gesprochen wird, muss man sich schon darauf einlassen können, um aus dem Film etwas zu machen. Ich hatte streckenweise auch wirklich Probleme, alles zu verstehen, finde aber, das dieser schwere Dialekt sehr gut zum Setting passt und dadurch dem Film erst sein Gewicht und seine Bedeutung gibt.

(ACHTUNG SPOILER)
Die Story an sich ist auch nicht sofort intuitiv zugänglich, wenn man sich aber ein bisschen damit beschäftigt, zeichnet sich ein ziemlich heftiges Bild ab, es geht um nichts anderes als Depression (im Sinne einer psychischen Erkrankung) und den mittelbaren Suizid als deren einzigen Ausweg, um das Kirchendogma (Suizidenten können nicht in den Himmel kommen) zu umgehen. Heftige Sache.
(SPOILER ENDE)

Auf jeden Fall iust das kein Film für einen fröhlichen Popcorn-Abend. Die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit von Agnes wird deutlich spürbar und erdrückt den Zuschauer zunehemends. Die tristen und dunklen Bilder der Landschaft und des ganzen Settings tragen ihren Teil dazu bei, im Verlauf wird es wirklich nachvollziehbar, wie sehr die Frau leidet und mit ihrem Leben so offensichtlich unzufrieden ist. Und dann das Ende. das wiegt schon ziemlich schwer, das muss man erstmal verdauen...

FAZIT: Sehr schweres, depressives Drama in trostlosen, erdrückenden Bildern eingefangen, zeichnet den Lebensweg einer zutiefst unglücklichen udn hoffnungslosen Frau bis zum letzten unvermeidbaren Finale... Wenn man die Tristesse aushalten kann und mit dem zugegebenermaßen wirlich starken Dialekt zurecht kommt, bekommt man ein stark und eindringlich gefilmtes Arthaus-Drama, das noch lange nach dem Ende nachwirkt. Absolut sehenswert!
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