Die Idee ist gut, aber die Umsetzung ist sehr schwach. Es fehlt schlicht an der gesamten Grundlage, die einen guten Gruselfilm ausmacht. Die Fehlbesetzung ist von Anfang an offensichtlich: Die Hauptfigur Cora – die Mutter des getöteten Jungen, die angeblich zeitweise sämtliche Drogen konsumiert haben soll – wirkt viel zu frisch und jung. Ein paar Augenringe, Fältchen oder zumindest weniger perfekte Zähne hätten sie deutlich authentischer gemacht. Stattdessen sieht sie eher wie eine gewöhnliche Hausfrau von nebenan aus, nur mit übertrieben tiefen Ausschnitten und ständigem Gebrauch von Fäkalsprache.
Apropos: Das dauernde Fluchen und die permanente Nutzung vulgärer Ausdrücke machen einen regelrecht wahnsinnig. Die Dialoge werden dadurch nicht besser, auch wenn offenbar versucht wurde, damit die angeblich „mittelmäßige“ Herkunft und das triste Dasein der Hauptfiguren zu unterstreichen. Leider passt das, wie bereits erwähnt, überhaupt nicht zu Coras Erscheinungsbild. Auch ihr geerbtes Haus sieht viel zu sauber und ordentlich aus, dafür, dass sie angeblich weder Geld noch Motivation hatte, sich darum zu kümmern.
Insgesamt bleibt unklar, ob es ihr nun schlecht oder gut geht. Dafür, dass sie ihren Sohn nach wie vor – verständlicherweise – schmerzlich vermisst, wirkt sie weder verzweifelt noch besonders traurig. Stattdessen erscheint sie eher nüchtern und emotionslos. Ihr Exfreund, der Junkie, ist ebenfalls schwer ernst zu nehmen. Er hat ein Kontakt- und Annäherungsverbot erhalten, wirkt aber gleichzeitig so, als würde er beim kleinsten Anstoß umfallen. Er spielt den Junkie zwar überzeugend, aber Angst kann man vor ihm wirklich nicht haben.
Und warum hat Cora nach ihrem „Reinigungsbad“ vor der ersten Séance plötzlich wieder Smokey Eyes? Weshalb musste sie so aufdringlich geschminkt werden, wenn sie doch angeblich rein und geläutert sein soll und gerade erst aus der Wanne kommt? Für ihren Geister-Buddy würde sie sich wohl kaum zurechtmachen. Das ergibt alles keinen Sinn.
Insgesamt ist es ein Film, der vorne und hinten nicht stimmig ist – und darüber hinaus durchgehend viel zu ruhig, fast einschläfernd. Schade, denn die Grundidee ist spannend, auch wenn die Rückblenden zur Entführung ihres Sohnes stellenweise sehr schwere Kost sind.