Corner Office
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FILMGENUSS
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3,5
Veröffentlicht am 30. Juni 2026
MEHR RAUM FÜR POTENZIAL!
von Michael Grünwald /

Peter Sellers in der Bürohölle

Auf den ersten Blick möchte man meinen, Peter Sellers zu erkennen. Kann natürlich nicht sein. Der große Komödiant und auch Charakterdarsteller lebt schon lange nicht mehr, doch Jon Hamm, den wir so noch nie gesehen haben, scheint sich von seinem Rollenportfolio inspiriert zu haben. Für Peter Sellers nämlich wäre Corner Office, dieses ernüchternde Szenario einer kafkaesken Bürokratie-Hölle, wohl eine Spielwiese für eigentümliche Verhaltensweisen geworden, fast so wie als Partyschreck in Blake Edwards gleichnamiger Komödie, in der er eine eitle Gesellschaft ins Chaos stürzt.

Neuer Job, neues Glück

Völlig von der Rolle sind auch all die Kolleginnen und Kollegen, die in irgendeinem Stockwerk in einem beängstigend orwell’schen Bürokomplex mit einem wie Orson klarkommen müssen. Der beginnt seinen neuen Job in der sogenannten Behörde. Was die so treibt und wofür sie arbeitet, bleibt ein Mysterium. Auch die Obrigkeit sieht man nie, es wird nur von ihr gemunkelt – und letztlich wird auch sie in Kraft treten, doch das erst viel später.

Orson findet sich in einem Büro wieder, das wohl alle Assoziationen, die man zu einem Begriff wie Büro überhaupt haben kann, in sich vereint: Kopierpapier, Büroklammern, Aktentürme und vieles mehr. Dabei lässt sich Corner Office gar nicht mal dazu verleiten, diesen streng geregelten Alltag zu parodieren, um eine gallige Komödie daraus zu machen, ähnlich wie Stromberg oder die US-Serie The Office mit Steve Carrell und Rainn Wilson.

Vom Raum, den es gar nicht gibt – oder doch?

In diesem Büro gibt es keine Gemeinschaften – zumindest nicht solche, die Orson mit einschließen würden. Als grauer Bürohengst mit schlecht sitzender Frisur und dichter Rotzbremse bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert, rückt Jon Hamm einer reizlosen Nine-to-Five-Arbeit zu Leibe, während, in einem Glaskasten sitzend, der Abteilungsleiter für wasweißichwasalles den Einsatz seiner Untergebenen beäugt.

Die Arbeit könnte zermürbender nicht sein, würde Orson nicht auf dem Weg zur Toilette einen seltsamen Raum entdecken. Hinter einer unversperrten Tür erstrahlt ein holzgetäfeltes, gemütliches, geradezu perfektes Arbeitszimmer, mit bequemen Sitzmöbeln, allerhand Kunst an den Wänden – und einer Aura, in der man einfach nicht anders kann, als gerne arbeiten zu wollen.

Genutzt wird der Raum aber von sonst niemandem – also stiehlt sich unser grauer Star immer wieder in diese vier Wände, um letztlich seine Tasks besser und bravouröser zu erledigen als all seine anderen Mitstreiter hier in diesem Purgatorium aus Disziplin, Compliance und Konformität.

Das Problem dabei: Dieser Raum sollte eigentlich gar nicht existieren. Denn was mit Orson tatsächlich passiert, während er meint, an diesem Ort zu verweilen, ist ein Umstand, durch den er noch mehr zum Außenseiter wird.

Das Aufbrechen verkrusteter Workflows

Versteckt im wirren Ökosystem des Streaming-Anbieters amazon prime kauert diese vom dänischen Regisseur Joachim Back inszenierte Mysterysatire unbeachtet vor sich hin – bis man darauf zugreift und ein eigentümliches, sanftes Mindfuck-Märchen serviert bekommt, das eine Lanze bricht und die Türen in unentdeckte Räume eintritt für Nonkonformität, Innovation und Individualismus. Alles Eigenschaften und Zustände, die so manch scheuklappiges Büro-Biotop, das ohnehin schon am Trockenen liegt, frisches, sprudelndes Wasser aus Quellen zuführt, die in einem selbst schlummern.

Die Quellen der Innovation

Mit dieser Metaphorik kann Beck, dessen Film auf dem Roman Das Zimmer des Schweden Jonas Karlsson beruht, so treffsicher arbeiten, das sofort klar ist, wie sehr dieser Orson mit seinen unorthodoxen Methoden, die das Beste aus ihm herausholen, wohl den Kürzeren ziehen wird.

Wie so oft in der Wirtschaft ist für den „Kleinen Mann“ das selbstständige Denken wohl kaum das, was jene, die anschaffen, erleben wollen. Wenn das Ergebnis der Arbeit ein gutes ist, müsste beim Modus Operandi die Frage nach dem Wie nicht gestellt werden müssen. Doch Neid, Regeln und der damit einhergehende Starrsinn machen Innovationen den Garaus. Diese Innovation ist dieser Raum, das kreative Zimmer im Kopf, die Quelle der Inspiration und der Ideen.

Statt dem Brett gleich die ganze Wand vor dem Kopf

Nur nicht anders denken als alle anderen – Corner Office sucht seinen Fluchtweg raus aus dem Einheitsgrau durch die Flure, um die Ecke, an der Büroküche mit den flackernden Leuchtstoffröhren und dem Kopierzimmer vorbei auf eine leere Wand zu, die durchbrochen werden muss.

Diese kleine, feine Büro- und Alltagskritik im Stile lakonischer Near-Future-Dystopien aus dem Norden Europas könnte so etwas wie ein Must-See für Schreibtisch-Virtuosen sein. Vorzugsweise nach Büroschluss, um sich vorzunehmen, am nächsten Tag oder gleich nach dem Wochenende den richtigen Weg einzuschlagen, wenn es heisst, das eigene Potenzial ausschöpfen zu wollen.



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Lemmiblog
Lemmiblog

3 Follower 527 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 21. September 2026
BÜROMITARBEITER SIND SONDERBAR

Orson ist ein sehr introvertierter Mann, der aber genau weiß, was wer will. Bei seinem neuen Arbeitgeber „Die Behörde“ will er sich hocharbeiten – bis zu dem Mann, den man fragen muss. Zwischenmenschlich allerdings schwierig: mit seinen Kollegen kommt er kaum klar. Doch als er einen Raum entdeckt, der so gar nicht zum Rest passt, erfüllt ihn das mit fast kindlichem Glück.

Corner Office läuft ca. 110 Minuten (ab 12 Jahren) und präsentiert sich als trockene Komödie mit Jon Hamm in der Hauptrolle – so trocken, dass man fast ein Glas Wasser braucht. In seinen Gedanken kommentiert er wirklich alles. In seiner Welt ist alles logisch und ordentlich – wehe, wenn jemand diese Ordnung stört. Kein Wunder, dass er diesen Raum so liebt.
Die Story teilt sich in drei Akte:
• Orson kommentiert unaufhörlich,
• er wirft den Kollegen Mobbing vor, weil sie ihm den perfekten Raum verbieten,
• im Finale eskaliert alles – und entwickelt sich vielleicht ganz anders, als man denkt.
Neben dem Humor geht es um diesen einen Ort, den jeder mal braucht: einen Rückzugsraum, wenn man abschalten will. Die Figuren sind bewusst überzeichnet – und seien wir ehrlich, irgendeinen dieser Kollegen hat jeder schon mal im Büro neben sich sitzen gehabt.

Leider verpatzt das Finale den Ton, es wirkt wie aus einem anderen Film hineingeschneit. Die Idee trägt schlicht keine 110 Minuten. Trotzdem bleibt ein Werk, das kurzweilig ist, mit Figuren, die Spaß machen, und einer Büro-Satire, die oft ins Schwarze trifft.

Von mir gibt’s 7/10 Punkten. Und ja: Überzieher für die Schuhe, damit der Büroteppich heil bleibt – eine Innovation, die sich bestimmt nicht durchsetzt.
Horridus
Horridus

1 Follower 249 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 5. Mai 2026
Eine Interessante lustige Geschichte. Habe mich echt amüsiert. Eine geniale idee, mal eine ganz andere Story als die üblichen.
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