Adolfo
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Kino:
Anonymer User
5,0
Veröffentlicht am 7. März 2023
"Adolfo“ hat auf der Berlinale vor wenigen Tagen den Gläsernen Bären in der Sektion Generation 14plus gewonnen. Zurecht, es ist ein Traum von einem Film.

Zwei junge Menschen namens Hugo und Momo treffen an einer Bushaltestelle am späten Abend durch Zufall aufeinander. Weil Hugo, den letzten Bus verpasst hat, folgt er Momo zur einer Kostümparty. Von dort aus ziehen sie durch die Nacht und verabschieden sich erst, als die Sonne wieder aufgeht. Was so simpel klingt, wird in Sofías Auzas Debütfilm zu einer tiefgründigen und wunderschön anzusehenden Reise.
Kaum ein anderer Film der Berlinale hat eine so dichte und perfekt komponierte Atmosphäre wie „Adolfo“. Man kann diese Sommernacht spüren, welche für die beiden Hauptfiguren zu einem Wendepunkt in ihrem Leben wird. Der gekonnte Einsatz von Licht und Tiefenschärfe macht jedes Bild zu einem Kunstwerk.

Der Fokus bleibt stets auf ihnen, Hugo und Momo, welche beide durch ihre skurrilen Accessoires vorgestellt werden. Hugo hat einen Kaktus dabei, Momo trägt eine Fliegerbrille auf dem Kopf. Der Kaktus namens „Adolfo“ gehörte Hugos kürzlich verstorbenen Vater und soll nun ein neues Zuhause bekommen. Die Suche nach einem geeigneten Ort für „Adolfo“ wird zur antreibenden Motivation der beiden. Momo trägt eine Fliegerbrille, weil sie für die Party als Amelia Earhart verkleidet ist. Die Brille verleiht ihr ein abenteuerlustiges Aussehen, während der Kaktus zu dem anfangs noch zurückhaltenden und mysteriösen Hugo passt.

Beide rauchen fast ununterbrochen. Für Hugo soll es die letzte Packung sein, für Momo ist es vor allem ein Bewältigungsmechanismus. Es ist ihre erste Nacht außerhalb der Klinik, in welcher sie ihre Drogensucht überwinden wollte. Zuerst scheint alles gut zu laufen. Ihre Freundinnen begrüßen sie herzlich und sie tanzt mit Hugo, der dabei sein Bier über seinem Anzug verschüttet und fortan in Leoparden- Pelzjacke rumläuft. Momos Erfolg beginnt erst zu kippen, als sie sich ihre Kamera in einer halsbrecherischen Aktion aus der Wohnung des Ex-Freundes holt. Denn in dieser Kamera ist noch ein Tütchen versteckt, welches ihr Leben schon einmal ruiniert hat.

Hugo und Momo sind vielschichtige Charaktere. Ihr Verständnis füreinander ist beeindruckend. Obwohl sie sich erst ein paar Stunden kennen, scheinen sie immer die richtigen Fragen zu stellen. Man merkt, dass sie sich mit der anderen Person wohlfühlen und so offen reden können, wie mit niemanden sonst. Ihr Zusammentreffen ist ein großes Glück für sie beide, auch wenn sie in dieser Nacht viel durchmachen. Momo zieht Hugo immer wieder in Dinge hinein, die er lieber vermeiden würde. Wie etwa in die Wohnung ihres Ex einzubrechen oder ein von ihr verkauftes Radio aus einer Bar zurück zu klauen. Sie dabei allein zu lassen scheint aber keine Option mehr zu sein.

Hugo muss am nächsten Tag zur Beerdigung seines Vaters, zu dem er nicht das einfachste Verhältnis hatte. Momo ermutigt ihn, seine Gefühle in dieser Angelegenheit zu erkunden. Wodurch es gegen Ende zu einer etwas kitschigen Szene kommt, bei der Hugo über ein Radio eine Nachricht an seinen toten Vater sendet, während draußen ein neuer Tag anbricht.

Die Dialoge der beiden sind immer wieder von bestechender Verletzlichkeit und Schönheit. Juan Daniel García Treviño (Hugo) und Rocío de la Mañana (Momo) passen mit großer Natürlichkeit in ihre Rollen und harmonieren wunderbar zusammen. Sie haben einen großen Anteil an der Verzauberung, die dieser Film auslöst. „Adolfo“ ist wie ein emotional tiefgehender Traum. Voller ästhetischer Bilder, wundersamen Details und mit Charakteren, an die man sich gerne erinnert.
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