Wenn die Ideen ausgehen, muss ein neuer „Toy Story“-Film her...
31 Jahre… 31 Jahre lang begleiten uns nun Woody und Buzz. 31 Jahre lang begleitet uns „Toy Story“. Das Franchise, das sich weigert zu enden, wie auch viele andere Gewinnbringende Film-Ips. Dabei hatte 1995 alles so wundervoll gestartet mit dem ersten komplett 3D-animierten Film aller Zeiten. Pixar lieferte über 15 Jahre (1995-2010) eine wirklich wundervolle und prägende Animations-Trilogie ab, die eigentlich perfekt geendet ist. Doch Disney und Pixar waren natürlich zu gierig und konnten es nicht lassen: 2019 erschien „Toy Story 4“, den ich zwar unterhaltsam, aber auch überflüssig fand. Vor allem die Trennung von Woody und Buzz am Ende des vierten Teils stieß vielen Fans sauer auf. Aber immerhin traute man sich die Figuren und Handlung in eine neue Richtung zu schieben. Nun haben wir 2026 und wieder mal sind einige Jahre ins Land gezogen, aber hier ist er: „Toy Story 5“. Wer hat danach gefragt? Niemand wirklich, aber dennoch ist der Film jetzt schon extrem erfolgreich und hat bereits über eine Milliarde Dollar eingespielt. Disney und Pixar sind auf kreativer Ebene eh schon kurz vor dem Bankrott und schleppen sich mit Sequels zu großen Ips über die Ziellinie („Alles steht Kopf 2“ war ein ähnlicher Erfolg, während andere Projekte gnadenlos floppen). Aber Familien gehen fleißig in die Kinos und auch ich habe mich ins Kino geschleppt, obwohl ich wenig Interesse an einem fünften Teil zu „Toy Story“ hatte. Und natürlich wurde ich nicht überrascht, denn der Trailer versprach mir eine sehr vorhersehbare (Toy) Story und die habe ich auch bekommen!
Die kleine Bonnie spielt zwar noch fleißig mit ihren Spielzeugen, aber Jessie und Buzz fällt ein neuer Trend auf, der das Spielen für Kinder immer trivialer macht: Technik. Technik in Form von Pads und Computern. Als Bonnie von ihren Eltern schließlich das neue Lilypad geschenkt bekommt, ändert sich für Jessie & Co alles und ein alter Bekannter muss zur Hilfe eilen…
Wie ironisch, wenn dieser Film in Zukunft auf einem IPad geschaut wird… Aber naja. Wie man vielleicht schon bemerkt hat, ist dies ein Film über Jessie, was ich äußerst interessant finde, denn sie hatte ja bereits eine Art eigenen Film und zwar in „Toy Story 2“. Gut, kein ganzer Film, aber ihre Geschichte, besonders ihr Flashback, war der emotionale Kern des Films. Dass genau darauf nun aufgebaut wird und man versucht diesen Kern künstlich auszuweiten, ist irgendwie… seltsam. Jessie kann ruhig ihren eigenen Film haben, sie soll gern die neue Protagonistinnen-Rolle übernehmen, aber warum beruht man sich auf auf die alten Ideen? Das macht Teil 5 übrigens fast die ganze Zeit: Das Klischee vom neu gestarteten Buzz wird hier zum dritten (!) Mal durchgekaut und wieder haben wir eine Antagonistin, die gar nicht so antagonistisch drauf ist, denn am Ende müssen alle lernen zusammen arbeiten… Dass auch dieser Film mit seiner eigentlich interessanten Thematik sehr mutlos umgeht, hat mich nicht verwundert. Aber abseits dessen, fühlt sich der Film wie ein charmanter, aber eben auch ausgelutschter Aufguss der anderen Teile an.
Andere Figuren werden dafür praktisch wortwörtlich auf die Ersatzbank verbannt, wie schon im vierten Teil. Specki, Rex, Slinky und auch die anderen Bonnie-Spielzeuge haben gefühlt keine Screentime. Wer ein Fan von Porzellinchen ist, wird hier ebenfalls nicht viel Spaß haben, denn sie ist nur am Anfang und am Ende des Films kurz zu sehen. Und dann ist da Woody… Die Figur der Reihe, unser liebster Hilfssheriff. Aber auch er ist leider nicht relevant zur Story. Der Film tut zwar so als ob er das wäre, in dem er quasi zur Rettung der Lage kommt, aber im Grunde ist er nur da, um sich ein bisschen mit Buzz zu ärgern. Und auch das nervt mich gewaltig: Da wird seine Trennung zu Buzz am Ende von Teil 4 groß und emotional aufgebaut und natürlich wird das alles hier quasi verworfen. Zack, da ist er wieder und schnell ist alles wie immer. Keine großen Gefühle, nur schneller Fanservice. Und so fühlt sich „Toy Story 5“ im Grunde die ganze Zeit an.
Es gibt ein paar gute Momente, wie die neuen Figuren oder die optisch hübschen Fantasie-Momente, in denen Bonnie ihre Spielwelt imaginiert. Hier ist der Film auch am witzigsten! Zudem mag ich tatsächlich Bonnie, denn sie wirkt wirklich wie ein kleines, unsicheres Kind, das nicht weiß, wie sie mit ihrer Umwelt umgehen soll.
Technisch ist auch Teil 5 unfassbar gut gemacht mit hyperrealistischen Umgebungen und Texturen. Damit hat sich die Reihe nun ironischerweise komplett gedreht, denn der erste Film ist visuell mittlerweile sehr stark gealtert, während die Story nach wie vor überzeugt und mitreißt. Der Score von Randy Newman hat mich dafür wieder sehr unbeeindruckt zurück gelassen. Ein paar thematische Ideen sind da, aber die Musik wirkt schon seit Teil 4 veraltet und nicht mehr zeitgemäß. Der jazzige Newman-Pixar-Sound war in den späten 90ern und den frühen 2000ern genau richtig, aber jetzt wirkt der Soundtrack nur noch überflüssig und störend, besonders, da jede Sekunde gefühlt mit trauriger oder fröhlicher Musik untermalt werden muss. Dabei war es so wundervoll, dass die ersten Filme auch mal mehrere Minuten ohne Musik auskamen, damit wir selbst entscheiden konnten, was wir fühlen.
Noch ein Wort zur deutschen Synchronisation: Solide. Es ist schön zu hören, dass Walter von Hauff mit über 75 Jahren noch immer Buzz spricht, auch wenn man ihm sein Alter deutlich anhört. Vermutlich wird dies wohl sein letzter „Toy Story“-Film sein, aber wer weiß. Warum jedoch Carin Tietze nicht mehr Jessie spricht, verstehe ich nicht wirklich. Die neue Sprecherin (Carolin Hartmann) macht das gut, aber Tietze ist ja noch längst nicht so alt...
Fazit: Selbst Regisseur Andrew Stanton („Findet Nemo“ und „WALL-E“) konnte den Film nicht retten. „Toy Story 5“ ist ein netter Film für Kinder, aber eigentlich waren diese Filme immer für ein deutlich größeres Publikum gedacht. Eine Geschichte für Jung UND Alt. Teil 5 wirkt jedoch eher wie eine Ansammlung von verschiedenen Disney+-Shorts. Die Story hat ein paar interessante Ideen, aber die Umsetzung ist vorhersehbar und mutlos. Aber egal, denn es gibt ja schön viel Merch zum Film und Teil 6 bis 20 sind bestimmt jetzt schon in Planung, denn irgendwoher muss das Geld für Pixar ja kommen...