Bonhoeffer musste im Vorfeld der Veröffentlichung schon reichlich Kritik einstecken: Er verherrliche das radikale Christentum, spiele den Evangelikalen in den USA in die Hände, und sei eine regelrechte Perversion von Bonhoeffers Vermächtnis. Glücklicherweise kann man in sofern Entwarnung geben, dass der Film den christlichen Widerstand ausschließlich im schon allzu oft verhandelten Kontext des Nationalsozialismus und seiner "Akzeptanz durch Schweigen" verhandelt und moderne Parallelen, etwa zur US-Wahl, eher unvermeidbar wirken statt bewusst forciert. Das provokanteste dürfte vermutlich der bei Kriegsfilmen fast schon zum Standard gehörende Nachklapp-Text sein, in dem zu Solidarität zwischen Christen und Juden aufgerufen wird, was der eine oder andere mit der aktuellen Lage im nahen Osten in Verbindung bringen könnte.
Auch wenn die politische Vorab-Kritik eher ungerechtfertigt war, wird der Film trotzdem nur einem kleinen Teil des Publikums richtig gut gefallen. Das liegt an dramaturgischen und teils auch schauspielerischen Schwächen, aber vor allem am Fokus auf Bonhoeffer als religiösen Führer, der im Laufe des Films immer weiter zunimmt. Wenn seine ersten Predigten mit Bibelzitaten erstaunlich direkt den aufkeimenden Nationalsozialismus attackieren, wirkt das noch prägnant und man kann sich auch als Atheist in Bonhoeffer einfühlen. Später jedoch werden die religiösen Dialoge immer ausufernder und pathetischer, wodurch sie merklich an weltlicher Relevanz und damit Wirkung auf den nicht-religiösen Teil des Publikums verlieren.
Dass Bonhoeffer keine historisch akkurate Biografie sein will, merkt man dem Film schon früh an. So wird in der englischen Version nahezu ausschließlich Englisch (mit deutschem Akzent) gesprochen, und viele Szenen wirken zu glatt oder zu überhöht um auf realen Ereignissen zu basieren. Leider nutzt der Film diese erzählerische Freiheit aber nur selten, um die Handlung zu straffen oder zu fokusieren. Es werden zwar pflichtbewusst die prägnantesten Momente seines Lebens nacherzählt, aber dazwischen gibt es auch diverse Handlungsfäden (etwa die mehrfachen Reise zwischen den USA und Deutschland), die wenig zum Bild von Bonhoeffer beitragen. Gleichzeitig kommt vor allem die spätere Hälfte seines Lebens (etwa die Tätigkeit als Spion, die sogar im Titel des Films zu finden ist), kaum zur Geltung. Hier wird deutlich, dass Regisseur und Drehbuchschreiber andere Prioritäten hatten als die Marketingabteilung.
Bonhoeffer ist kein christlich-fundamentalistisches Manifest, aber leider auch kein Pflichtfilm wie etwa die Oscar-gekrönten Zone of Interest oder All Quiet on the Western Front. Wer solche Filme kennt, und wie viele Deutsche auch mit Bonhoeffers Wirken zumindest einigermaßen vertraut ist, findet hier wenig neue Impulse und auch keine herausragende Inszenierung. Gleichzeitig ist der Film aber trotz seiner deutlichen religiösen Prägung auch kein Desaster wie so viele andere christliche Produktionen – selbst als Atheist kann man hier zumindest etwas auf seine Kosten kommen.